Ich bin schon froh, wenn wir die Eröffnungsfeier nicht verlieren. Günther Beckstein

Brüder oder Gegner im Geiste?

Neuwahlen in NRW wären konsequent – zu groß sind die Unterschiede von SPD und Grünen im Verhältnis zu den Linken. Diese müsste sich in NRW schon selbst aufgeben, um sich an einer Regierung zu beteiligen. Auch im Bund ist das Modell nicht umsetzbar. Es müssen also Brücken zur FDP her.

Ying-yang

Können Linke und Grüne in NRW überhaupt miteinander – und 2013 auch im Bund mit der SPD koalieren? Oder MÜSSEN sie es nicht sogar, wenn sonst nur die immerwährende Große Koalition als Alternative infrage kommt und die FDP nicht das fünfte Rad am rot-grünen Wagen stellen will? Die Zeiten scheinen sich zu gleichen: Galten in den 80er-Jahren, kurz nach ihrer Gründung und dem Einzug in die ersten Parlamente, die Grünen als Parteien- und Bürgerschreck, so ist es heute die ehemalige PDS/WASG-Linke. Der Vergleich hinkt dennoch: Im Kern gibt es die Linke nicht.

Rot-Grün-Rot muss scheitern

In den neuen Bundesländern tritt sie eher als pragmatische, fast schon bürgerliche Volkspartei auf; im Westen dagegen versammelt sie als Protestpartei Ewiggestrige, Sektierer und soziale Modernisierungsverlierer. Die Linke ist eine tribalistische Quotenpartei. Wo sie mitregiert und Verantwortung tragen muss, schrumpft sie. Im Westen dagegen kann sie gar nicht anders als opponieren. Der rot-grüne Versuch in NRW, Die Linke einzubinden und für ihr Projekt zu gewinnen, muss daher scheitern. Es sei denn, die NRW-Linke gibt sich auf.

Die arithmetische linke Mehrheit im Lande (Union und FDP kommen im Bund derzeit auf 39 Prozent!) ist keine politische. Ein gemeinsames Projekt fehlt ebenso, wie die tragenden Milieus sich in den drei Parteien ergänzen. Wo die SPD das alte Facharbeitermilieu mit der neuen solidarischen Mitte versöhnt und die Grünen ökobürgerlich auf Lebensthemen setzen, hängt Die Linke einer kaum politikfähigen Ideologie an. Sie legitimiert sich allein über ein “Volksempfinden”, das sich an Bundeswehreinsätzen, Hartz-IV-Gesetzen und Finanzkapitalisten stört. Ihr Spitzenpersonal auf Bundesebene (Lafontaine, Gysi, jetzt Ernst und Lötzsch) scheut die politische Verantwortung wie der Teufel das Weihwasser. So schnelle Rücktritte wie die der Minister Lafontaine und Gysi hat es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben.

Grüne und Liberale müssen sich annähern

Den Grünen ähnlicher sind daher die Liberalen. Jeweils vier Fünftel der Anhängerschaft in beiden Parteien arbeiten und leben nicht in erster Linie als Transferempfänger vom Staat. Während die Grünen Solidarität größer als Leistungsgerechtigkeit schreiben, halten die Liberalen letztere für die Voraussetzung der ersten. Das sind keine unüberwindbaren Anschauungen. Auch deshalb bekämpft Die Linke die Grünen als “neoliberal”. Wenn in Zukunft Rot-Rot-Grün eine Phantomdebatte bleiben und die Große Koalition nicht die einzige Alternative sein soll, werden sich Grüne und Liberale annähern müssen. Für NRW kommt dies allerdings zu spät. Konsequent wären daher Neuwahlen – nachdem die Gespräche zwischen SPD, Grünen und der Linken gescheitert sind.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Landtagswahlen in NRW

Machtgerangel in Nordrhein-Westfalen

101637012

Die rheinische SPD versucht erneut, die finanzkräftige RAG-Stiftung für politische Ziele einzuspannen. Ein Ansinnen, mit dem sie bereits einm weiter...

Friedrich_thelen
von Friedrich Thelen
06.12.2011

Große Koalition in NRW

2010_3_29_22_55_1_86908_20

Rot-Grün-Rot ist Geschichte – zumindest in Nordrhein-Westfalen. SPD-Chefin Hannelore Kraft hat der Linken eine Absage erteilt. Jetzt dürfen Die Linken wieder weiter...

Michael-knoll-kopf
von Michael Knoll
21.05.2010

Die Union nach der NRW-Wahl

Laenderdomino

Die erdrutschartigen Verluste der CDU in Nordrhein-Westfalen müssen aufgearbeitet werden. Doch neben der CDU ist auch Guido Westerwelle der große Verlierer der Wahl. Kanzlerin Angela Merkel wird es jetzt einfacher haben, in Berlin zu regieren.

Gerd-langguth-kopf
von Gerd Langguth
11.05.2010

Mehr zum Thema: Neuwahlen, Grosse-koalition, Parteipolitik

Debatte

Neuwahlen in den palästinensischen Gebieten

Steve_punter

Neuwahlen in den palästinensischen Gebieten

Angeblich wird im kommenden Januar in den palästinensischen Gebieten gewählt. Viel wahrscheinlicher ist aber ein Wahlboykott in Gaza und damit weder ein gemeinsames Parlament noch ein gemeinsamer Präsident noch Frieden.

Dsc_0274
von Suleiman Abu Dayyeh
24.11.2009
meistgelesen / meistkommentiert