Bildung ist hoffnungslos unterfinanziert. Harald Christ

Städte müssen smarter werden

Willi Kaczorowski zeigt in seinem Buch: Die deutschen Städte verschlafen den digitalen Wandel.

Die große Mehrheit der Menschen lebt weltweit in Städten. Zukunftsforscher sprechen vom Megatrend der Urbanisierung. In Deutschland leben bereits 80 Prozent der Einwohner in Städten. Sie bieten mehr Lebensqualität, Kultur und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In einer globalisierten Welt werden die Aufgaben der Städte weiter zunehmen: Der demografische Wandel, die zunehmende Vernetzung der Orte, Güter und Dienstleistungen durch die Digitalisierung und eine neue Mobilität, die stärker auf die Verbindung der Verkehrsträger setzt, erfordern „smarte“ Lösungen.

„Smart“ ist eine Synopse aus „Sustainable, Mobility, Accountability, Resilience und Technology“. Eine smarte Stadt setzt somit auf die Vernetzung von Menschen, Institutionen, Lebensbereichen und Infrastrukturen. Alles steht mit allem in Verbindung. Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Wer ist für was zuständig und verantwortlich? Und welche Strategie ist geeignet, die Städte für die digitale Zukunft fit zu machen?

Es bedarf eines langen Atems

Es gibt hierzulande wenige Köpfe, die diese Fragen beantworten können. Zu ihnen gehört unser Autor Willi Kaczorowski. Zehn Jahre war er in der strategischen Beratergruppe eines Technologieunternehmens als Brückenbauer zwischen der öffentlichen Verwaltung und den Anwendern von vernetzter Informations- und Kommunikationstechnologie tätig. Das Buch richtet sich daher auch insbesondere an Praktiker in Städten und Gemeinden und besticht durch seine Lesbarkeit und Logik im Aufbau. Kaczorowski geht es vor allem um die Zukunft der öffentlichen Daseinsvorsorge im digitalen Zeitalter. Welchen Beitrag kann die Informations- und Kommunikationstechnologie leisten, wenn es um Herausforderungen wie den demografischen Wandel, Umweltschutz, Verschuldung, Bürgerbeteiligung und Standortwettbewerb geht?

Der Autor unternimmt ein politisch-strategisches Innovationsprogramm. Eine smarte Stadt muss vier große Ziele erreichen: Partizipation bzw. Inklusion, finanzielle und ökologische Nachhaltigkeit, Innovation und Standortsicherung und operative Exzellenz. Gemeint ist vor allem ein effizienterer Umgang mit Ressourcen. Umgesetzt werden diese Ziele in sechs Handlungsfeldern: (smarte) Verwaltung und Politik, Bildung, Wertschöpfung, Mobilität, Leben, Energie und Umwelt. Die Umsetzung wird länger als eine Wahlperiode dauern, gibt Kaczorowski zu bedenken. Sie erfordert einen langen Atem und die Bereitschaft zu ständiger Korrektur.

Deutschen Städten fehlt die Vision

Die deutschen Städte haben hier enormen Nachhol- und Handlungsbedarf, wie der „Smart City Index“ von Boyd Cohen seit 2011 zeigt. Auf der Rangliste der europäischen Smart Cities liegen die deutschen Städte Hamburg und Berlin auf Rang 8 und 9. Spitzenreiter ist Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt hat ambitionierte Klimaziele und will ihren Strombedarf in den nächsten zehn Jahren vollständig durch Wind und Biomasse decken. 75 Prozent aller Wege sollen in der Stadt zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt werden.

In Deutschland ist es zuletzt ruhig geworden um die Vision der smarten Stadt. Übergreifende und langfristige Veränderungen haben es hierzulande schwer. Dem vorliegenden Aktionsplan sind daher viele Leser zu wünschen.

Willi Kaczorowski: Die smarte Stadt – Den digitalen Wandel intelligent gestalten
Boorberg 2014. 226 Seiten. € 24,90.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Daniel Dettling: Mythen und Fakten zu Ehe

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