Ich war mit einem um zwölf Jahre Älteren verheiratet und als Witwe mit einem um fast zehn Jahre Jüngeren liiert. Der Unterschied lässt sich unter anderem an einem Beispiel festmachen: Für meinen Mann, einen Filmregisseur, war es selbstverständlich, dass ich seine Hemden bügelte. Und obwohl ich kein Mauerblümchen (vielmehr ein Doktor der Philosophie) war, fühlte ich mich bei ihm stets wie ein Schulmädchen, das andauernd dazulernen musste (auch im Bett). Mit meinem jüngeren Freund, einem Grafik-Designer, hatte ich den besten Sex meines Lebens, und er bügelte, falls gut gelaunt, sogar meine Blusen, denn …
Entsorgung alter Rollenbilder
Denn: Die heutigen Jüngeren wurden oft von emanzipierten, berufstätigen Müttern aufgezogen. Sie lebten die Gleichberechtigung, fürchten sich also nicht vor einer souveränen, ehrgeizigen Frau, die aus einer anderen Generation stammt und wenn verliebt, entsorgen sie gemeinsam (obwohl manchmal verunsichert) die althergebrachten Rollenbilder.
Der neue Mann will eine starke Frau, die ihm dank ihrer Erfahrung hilft, seinen Weg selbstsicherer zu gehen, ohne ihn zu bemuttern. Er ist also weder ein Warmduscher, noch ein Muttersöhnchen, wie man unterstellt, und auch kein Gigolo: Clark Gable, Napoleon, Raymond Chandler, Goethe, John Lennon, Balzac, Hugh Jackman (“sexiest man alive”) oder der Olympiasieger im Schwergewichtheben Matthias Steiner waren bzw. sind es jedenfalls keineswegs.
Und doch wecken eine Grauhaarige und ein Jüngerer, die Händchen halten, immer noch ein gewisses Unbehagen. Da ihre Beziehung keine “Versorgungsgemeinschaft” (wie die meisten klassischen Ehen) ist, bringt das Paar die überlieferten Machthierarchien zwischen Mann und Frau ins Wanken, in denen galt: Wer alt ist, hat Geld, hat Macht, hat Kontrolle. Ist “der Alte” die Frau, begeht sie einen Verstoß gegen die Grundregeln der patriarchalischen Gesellschaft.
Manch einer weigert sich dann sogar zu glauben, dass es zwischen den beiden echte Liebe, dieses hehre, reine Gefühl, geben kann, das normalerweise alle Schranken wie Familienfehden, Glaubensunterschiede, Hautfarbe oder soziale Kasten überwindet, vor dem Altersunterschied aber haltmachen soll.
Ein großartiger Beitrag zur Humanisierung
Natürlich nur, wenn die Frau die Ältere ist. Belohnt sich der Ältere mit einer um 40 Jahre Jüngeren wie ein Manager mit Dividenden (siehe SPD-Oldie Franz Müntefering), wird es als ein Zeichen seines Erfolgs, seiner Vitalität und seiner Potenz bewundert. Hat eine 60-Jährige eine Affäre mit einem um 40 Jahre Jüngeren, führt der “Sex-Skandal” zu einer Regierungskrise (siehe Nordirland), und die “irre Alte” begibt sich freiwillig in psychiatrische Behandlung.
Dabei leisten diese Paare einen großartigen Beitrag zur Humanisierung unserer Gesellschaft, indem sie die allgemeine Furcht vor dem Alter bekämpfen. Es ist doch so: Wir leben heute um 20, 30 Jahre länger als unsere Großeltern. Aber das Alter ist ein Tabu und der herrschende Jugendwahn immer aggressiver. Jeder ist bereit zu beichten: Ich bin arbeitslos, schwul, pleite, Alkoholiker. Aber keiner wagt zu sagen: Ich bin alt.
Die Einzigen, die – meiner Meinung nach – mit dem Alter unaufgeregt umgehen, es weder verdrängen noch dämonisieren, sind eben die Yoko-Paare. Allein schon, weil sie das Altwerden auf die Tagesordnung setzen, weil sie darüber reden. Sie “nervt” ihn immer wieder und informiert ihn: Hey, ich bin älter! Und er sagt: Na und? Nein, der Jüngere ist kein Botox-Jungbrunnen. Aber der Prinz, von dem sie als Mädchen träumte und der jetzt ihre Lachfältchen küsst.
















