Ich hatte kürzlich ein interessantes Erlebnis. Auf einem Konzert traf ich einen Schlosser. Er stand neben mir und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir von seiner Vergütung. Er sagte, dass er als Lehrling – bevor er seine eigene Firma und Erfahrungen mit verschiedenen Schlosstypen hatte – gewisse Dinge anders gemacht hätte. Er brauchte damals mehr Zeit um ein Schloss zu öffnen, weil er oftmals den Mechanismus nicht kannte, an dem er arbeitete. Manchmal zerbrach er das Schloss mit Gewalt wenn er es nicht öffnen konnte und musste den Leuten dann die Kosten für den Austausch und das Ersatzschloss in Rechnung stellen. Wenn er ihnen etwas berechnete, beklagten sie sich nur selten und gaben ihm sogar Trinkgeld.
Trinkgeld fürs Versagen
Das klingt eigentlich ziemlich gut. Aber dann, sagte er, hätten sich die Dinge etwas geändert. Heute ist er sehr gut in seinem Job. Er kann ein Schloss in weniger als einer Minute öffnen. Er macht die Schlösser nicht mehr kaputt, wenn er versucht sie zu öffnen und muss kein Ersatzschloss mehr einbauen. Aber seine Kunden hätten auch aufgehört ihm Trinkgeld zu geben. Und als wäre das noch nicht genug, beschwerten sie sich, dass seine Preise verglichen mit dem Arbeitsaufwand zu hoch wären.
Das Problem liegt in der von uns verinnerlichten Wahrnehmung von Leistung. Unsere Wahrnehmung von Leistung dreht sich oftmals nicht darum, was wir bekommen, sondern vielmehr darum, wie viel Arbeit die andere Person investiert. Im Fall des Schlossers bekam er Trinkgeld für sein Unvermögen. Als er nicht so gut in seinem Job war, bekam er mehr Entlohnung und mehr Trinkgeld. Als er besser wurde, sank bei den Kunden die Wertschätzung für seine Arbeit.
Es gibt sogar empirische Beweise für dieses Phänomen. Wir haben Leute gefragt, wie viel sie bezahlen würden, wenn sie Daten auf ihrem Computer verloren hätten und diese gern wiederhergestellt haben würden. Wie viel würden sie für die Daten eines Tages, eines Monats oder eines Jahres zahlen? Man würde erwarten, dass ihre Zahlungsbereitschaft von der Datenmenge abhängt, die wieder hergestellt werden muss. Um es noch komplizierter zu machen, fügten wir noch eine variable Zeitmenge für die Arbeit der Wiederherstellung ein: eine Minute, eine Stunde, ein Tag oder drei Tage.
Das Gefühl von Fairness
Es stellte sich heraus, dass die Empfindsamkeit der Leute bezüglich der verlorenen Datenmenge nicht sehr hoch war. Sie waren nicht bereit viel mehr für einen großen Datenverlust zu zahlen als für einen kleinen. Die Leute waren aber sehr sensibel, was die gefühlte Fairness des Preises angeht: wie lange würde der Computerexperte brauchen, um die Festplatte zu reparieren? Und wie viel Geld würde er für diese Arbeitszeit bekommen?
Die meisten von uns zahlen sehr wenig für ihren Internetzugang. Wir denken, dass das Internet kostenlos ist. Aber stellen Sie sich einmal selbst diese hypothetische Frage: wie viel wären Sie bereit zu zahlen, wenn Sie annähmen, dass das Internet in Wirklichkeit von kleinen Botschaftern betrieben würde, die Ihre E-Mails an die entsprechenden Empfänger zustellten? Wären Sie unter diesen Umständen nicht bereit, viel mehr zu bezahlen? Ich vermute, Sie würden zustimmen (auch wenn ich zugeben muss, dass das Beispiel eher lächerlich klingt). Aber Sie fragen sich: wie viel unserer Empfindsamkeit bezüglich Leistung ist getrieben vom Nutzen der Dienstleistung oder des fraglichen Produkts (oder der Freude, die wir dadurch bekommen) und wie viel ist getrieben von unserem Gerechtigkeitssinn – einer Wertschätzung des Arbeitsaufwandes, der betrieben wurde. Und wenn es sich um eine Leistung handelt, die wir nicht erkennen – wie im Falle des Schlossermeisters, dessen Fähigkeiten sich verbessert haben – zahlen wir für gewisse Dinge vielleicht zu wenig.
Ich hoffe, Sie zweifeln nicht daran, dass Sie eine Menge Geld für Ihr eigenes Fachwissen verdienen.
















