Ich habe viele Studien durchgeführt, um zu zeigen, wie wir uns vom Versprechen einer kostenlosen Sache verleiten lassen. Vor ein paar Wochen hat ein Nachtclub in New York eine Party damit beworben, dass es dort Tattoos umsonst gäbe. Das war natürlich eine Gelegenheit, die wir nutzen mussten. Würden sich die Besucher verführen lassen, sich Tattoos stechen zu lassen, nur weil sie kostenlos waren?
Wir kamen in einen großen Raum in einem ehemaligen Industriegebäude. Drei Biertische standen hintereinander von der einen Wand bis zur Mitte des Raums. Daneben ein kleiner Tisch mit Stühlen und einer billigen Lampe als Tattoostudio. Unsere Assistentin lief mit Notizbuch herum – sie sah inmitten der Partybesucher sehr offiziell aus und war auch mit Abstand am saubersten. Sie bot dem Tattookünstler an, die Namen der Leute in der Warteschlange aufzunehmen. In fünf Stunden (von 21 Uhr bis zwei Uhr morgens) haben sich 76 Leute bei ihr für kostenlose Tattoos angemeldet.
Wer sind diese Menschen?
In der Warteschlange standen etwa gleich viele Männer und Frauen. Das Alter lag zwischen 18 (eigentlich hätte diese Person gar nicht in den Club hineingedurft) und 47, der Altersdurchschnitt lag bei 27. Wir haben die Wartenden auch gefragt, wie betrunken sie waren, als sie sich für ein Tattoo entschieden. Auf einer Skala von eins bis elf lag der selbst geschätzte Wert bei 2,64 (wir haben später herausgefunden, dass es vielleicht besser gewesen wäre, den Alkohollevel zum Zeitpunkt der Befragung als Wert zu nehmen).
Die gewünschten Tattoos waren sehr kreativ. Jemand wollte die Wörter “Holy Snacks” auf die Innenseite der unteren Lippe tätowiert haben. Ein 27-Jähriger wünschte sich einen Nintendo Controller auf die Rippen. Es gab den Wunsch nach einem Penis-Tattoo, und mehrere Menschen fragten nach Tattoos mit dem Wort “unendlich”, entweder in Englisch oder auch in Suaheli. Vier Leute wussten nur, dass sie eine kostenlose Tätowierung haben wollten (hatten aber keine Ahnung, welche), und fünf Leute hatten sich für ein Symbol entschieden, aber nicht für eine Stelle auf ihren Körpern.
Als wir die Leute fragten, ob sie sich das Tattoo auch stechen lassen würden, wenn es nicht umsonst wäre, haben 68 Prozent verneint. Wir haben dann auch gefragt, ob sie vorher wussten, dass es auf der Party diese kostenlosen Tattoos gäbe. 90 Prozent haben das bejaht und wurden von uns mit zwei weiteren Fragen konfrontiert: Haben Sie sich schon vor Beginn der Party entschieden, sich ein Tattoo stechen zu lassen? (85 Prozent hatten sich schon festgelegt, 15 Prozent entschieden sich erst auf der Party.) Und wie hätten Sie selber die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, dass Sie sich wirklich für ein Tattoo anstellen würden? (Der Durchschnitt lag bei 65 Prozent.)
Langfristige Kosten und Sorgen
Während unsere Assistentin die Wartenden befragte, kam eine andere Tattookünstlerin zu uns. Sie hatte nichts mit der Party zu tun und war scheinbar eher Konkurrenz für den offiziell angeheuerten Künstler. Sie sah es wohl als ihre Aufgabe an, uns in drastischen Worten über den Mangel an Hygiene und die möglichen Gefahren für die Gesundheit der Wartenden zu informieren. Sie erzählte uns, dass dreckige Papiertücher herumgereicht würden und es überhaupt kein Desinfektionsmittel gäbe. Die Gefahr für eine HIV- oder Hepatitis-Infektion stieg ihrer Meinung nach dadurch deutlich an. Ich kann schlecht beurteilen, ob sie mit all diesen Dingen recht hatte. Aber es macht uns auf jeden Fall deutlich, dass der wirkliche Preis eines Tattoos nicht vor Ort bezahlt wird, sondern möglicherweise erst durch spätere Infektionen. Oder auch mit dem Ärger über missglückte Tattoos fällig wird.
Es hat den Anschein, als ob das Versprechen eines kostenlosen Tattoos wirklich einen Effekt auf uns hat. Im Idealfall würden wir die langfristigen Konsequenzen – medizinische und auch ästhetische Fragen – abwägen. Das würde dazu führen, relativ wenig Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Geldpreis zu legen. Auf jeden Fall würden wir uns nicht vom Versprechen des Kostenlosen verleiten lassen. Aber leider sieht die Realität wieder einmal anders aus (zumindest in der New Yorker Clubszene). Die Macht des Wortes “kostenlos” kann uns zu schlechten Entscheidungen verleiten. Wenn Sie sich also das nächste Mal in einer solchen Situation befinden, stellen Sie sich doch vor, dass es eben doch etwas kostet. Selbst wenn es nur ein Dollar ist – würden diese geringen Kosten Ihr Verhalten verändern? Wenn ja, dann ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass die ursprüngliche Entscheidung keine besonders gute ist.



















