Vor Kurzem fand ich heraus, wie es ist, arm zu sein. Ich war zum Glück nicht lange ohne Geld, aber ich bin trotzdem ziemlich ins Schwitzen gekommen und habe gemerkt, welche Belastung Geldmangel sein kann.
Ich war für einen Monat außer Landes. Während dieser Zeit war meine Kaskoversicherung abgelaufen. Als ich zurückkam, habe ich bei meiner Versicherung angerufen und gebeten, dass sie doch bitte den Vertrag verlängern. “Nein”, kam die Antwort übers Telefon. “Sobald Ihr Vertrag ausgelaufen ist, können Sie ihn nicht per Anruf verlängern. Sie müssen schon persönlich bei uns im Büro vorbeikommen.” Damals war ich in Princeton, meine Versicherung saß 450 Kilometer nördlich davon in Boston. Ich habe mich also in den Zug gesetzt und bin Richtung Boston gefahren. Ich kam an, bevor die Versicherung abends dichtmachte, und wollte nur schnell einen Scheck ausstellen und meinen Vertrag verlängern.
Nichts geht mehr
Das ging schon wieder nicht. Neue Verträge können nicht per Scheck bezahlt werden. Die Versicherung wollte ihn nicht annehmen, weil ich in ihren Augen doch gerade erst bewiesen hatte, dass ich meine Verträge und Finanzen nicht unter Kontrolle hatte. Einem verantwortungsbewussten Menschen wäre aufgefallen, dass die Kaskoversicherung fast abgelaufen war. “Na gut”, sagte ich, “nehmen Sie Kreditkarten?” “Natürlich nicht”, kam die Antwort. “Sie müssen bar bezahlen.”
Ich kann mit meiner Kreditkarte am Automaten nicht mehr als 800 Dollar pro Tag abheben. Die Versicherung kostete aber 3000 Dollar (natürlich hatten sie bei der Gelegenheit auch gleich meine Beiträge erhöht). Ich konnte also nicht bezahlen. Zum Glück hatten die Angestellten eine Lösung parat, die genau auf mein Problem zugeschnitten zu sein schien. Es gab ein Finanzierungsprogramm für Menschen wie mich. Interessanterweise kostete es jedoch 100 Dollar, um dieses Programm zu beantragen, plus 20 Prozent Zinsen auf die Ratenzahlungen. Doch ich hatte keine andere Wahl. Ich habe also die 100 Dollar gezahlt, seufzend die Preissteigerung um 20 Prozent akzeptiert und mich wieder in den Zug nach Princeton gesetzt.
Natürlich bin ich nach ein paar Tagen zu Sinnen gekommen, habe die Finanzierung gecancelt und meine Schulden bezahlt. Aber hier ist die Moral von der Geschichte: Sobald man in finanziellen Dingen einen Fehler macht, bekommt man alle möglichen Gebühren aufgedrückt, sieht sich mit allen möglichen Schwierigkeiten konfrontiert und muss letztendlich immer deutlich mehr bezahlen.
Solidarität mit den Säumigen
Wenn ich in einer prekären finanziellen Lage gewesen wäre, hätte dieses Finanzierungsprogramm mir den Rest gegeben. Es wäre viel schwieriger (oder sogar unmöglich) für mich gewesen, meine Finanzen zu ordnen. Ich glaube, dass wir so regelmäßig mit Menschen umgehen, die wirklich arm sind. Wir drücken ihnen immense Gebühren und Strafen auf, ohne uns darum zu scheren, ob sie dieses Geld denn überhaupt aufbringen können. Wir machen ihnen das Leben schwer.
Was können wir dagegen tun? Ich glaube, dass es darum geht, unsere Regeln für Mahnungen und Strafzahlungen zu überdenken. Alle Finanzinstitutionen (Versicherungen, Banken, Kreditkartenfirmen) akzeptieren das bisherige Modell ohne Nachfragen. Wir sollten uns aber Gedanken machen, wie wir Verantwortung und Gebühren sozialisieren können. Wenn jemand pleitegeht, hat das doch auch einen Effekt auf das Umfeld desjenigen. Viele leiden, nicht nur einer. Wir sollten also vermeiden, Menschen aufgrund von Zusatzgebühren und starren Regeln in den Bankrott zu treiben. Strafzahlungen sind nicht nur bedrohlich für den Einzelnen, sondern können schädlich für ganze Familien oder die Gesellschaft allgemein sein.




















