England wird sich von der weltweiten Entwicklung nicht entkoppeln können. Harald Christ

„Mobilfunk ist Motor für Entwicklungsländer!“

Die Verbreitung von Kommunikationstechnologien insbesondere der Mobilfunk eröffnet den Menschen in Entwicklungsländern ganz neue Möglichkeiten. Neben der Verbreitung von Informationen hat die Digitalisierung Auswirkung auf das Gesundheitssystem, die Landwirtschaft und den Zahlungsverkehr. Die Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestags, Dagmar Wöhrl, sieht im stetigen Ausbau der Infrastruktur eine große Chance auch für die Entwicklungshilfe.

Frau Wöhrl, die digitale Vernetzung ist in hochtechnisierten Industrienationen wie Deutschland weit fortgeschritten. Wie ist die Situation in der Dritten Welt?
In den meisten Entwicklungsländern ist die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien, also von Festnetz-, Mobilfunk- und Internetverbindungen, noch immer sehr gering. Die letzten zehn Jahre lassen allerdings vermuten, dass insbesondere Mobiltelefone in Zukunft zu einer weiteren Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt beitragen werden. Zwischen 2002 und 2007 nahm die mobile Kommunikation in Afrika stärker zu als in Asien. Heutzutage hat beispielsweise etwa die Hälfte aller Kenianer eine SIM-Karte und im Jahr 2011 gab es auf dem gesamten afrikanischen Kontinent 70 Millionen neue Handynutzer.

Wie wichtig ist eine moderne Kommunikationsinfrastruktur, zum Beispiel in Afrika?
Selbstverständlich sind ein Leben in Sicherheit sowie eine gesicherte Versorgung für viele der ärmsten Menschen Afrikas zunächst überlebenswichtiger. Die stärkere Verbreitung von Mobiltelefonen in Entwicklungsländern wird allerdings das Wachstum und die weitere Entwicklung dort vorantreiben, denn Handys machen Märkte transparenter, ermöglichen bargeldlosen Zahlungsverkehr und erleichtern die rasche Weitergabe von teilweise lebenswichtigen Informationen.

Wie können neue Technologien den Menschen dort helfen?
Die Digitalisierung hat äußerst vielfältige Auswirkungen auf die Menschen in Entwicklungsländern. „M-Farm“ in Kenia und „Infotrade“ in Uganda übermitteln die aktuellen Marktpreise für Agrarprodukte direkt aufs Handy. In Nigeria können sich Menschen per SMS über Echtheit und Verfallsdatum eines Medikaments informieren. Außerdem haben knapp 1,7 Milliarden Menschen nach wie vor kein Bankkonto, was allerdings für die Bekämpfung von Armut durchaus wichtig ist. Hierfür gibt es beispielsweise das Mobile-Banking-System M-PESA von Vodafone und Safaricom.

Was muss in Sachen Telekommunikation und Vernetzung in diesen Ländern Ihrer Meinung nach vorrangig verbessert werden?
Eine starke digitale Vernetzung schafft neue Verhältnisse zwischen Menschen, Unternehmen und Regierungen. Um weiterhin positive Veränderungen voranzutreiben, muss die Infrastruktur für eine breite digitale Vernetzung weiterentwickelt und ausgebaut werden. Hierfür wären zusätzliche Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit hilfreich, um die Menschen auf das digitale Zeitalter vorzubereiten und um ihnen die Nutzung insbesondere von Mobiltelefonen zu erleichtern.

Wie kann Deutschland helfen? Gibt es schon entsprechende Projekte?
Es gibt bereits zahlreiche Initiativen. Die derzeitige Herausforderung für Deutschland ist eine verbesserte Koordinierung und eine bessere Abstimmung auf lokale Anforderungen. Durch meine Arbeit als Abgeordnete weiß ich sehr gut, wie wichtig und hilfreich moderne Kommunikationsmittel sein können. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass wir in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auch weiterhin eine nachhaltige Digitalisierung der Entwicklungsländer begleiten.

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