Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. Joseph Ratzinger

Einblick in die Weihnachtsschmiede

Susanne Lettner traf Claudia Helming um über ihr erfolgreiches und ausgefallenes Unternehmen zu reden. Claudia Helming ist Gründerin und Geschäftsführerin des Start-ups Da-Wanda. Da-Wanda ist Europas größter Anbieter für selbstgemachte Dinge.

Auf der Online-Plattform DaWanda mit Sitz in Berlin verkaufen Kreative und Designer ihre Unikate seit 2006, mittlerweile ist es Europas größter Anbieter für selbstgemachte Dinge. Die Idee hatten Claudia Helming und Michael Pütz zu Weihnachten, als sie ein handgefertigtes Weihnachtsgeschenk basteln wollten, aber das Ergebnis zu wünschen übrig ließ. So überlegten sich beide eine Plattform für Menschen zu schaffen, die gerne etwas Kreatives und Handgemachtes verschenken wollen, jedoch nicht die handwerklichen Fähigkeiten dafür besitzen. Und schon gründeten sie das Start-Up Unternehmen DaWanda und wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. DaWanda ist ein virtueller Marktplatz und ein Social-Commerce-Plattform, die es mittlerweile in sieben Sprachen gibt. Ihr Konzept kreative, individuelle Unikate statt Massenware anzubieten, hat sich bewährt und DaWanda ist eine beliebte Anlaufstelle und ein paralleler Marktplatz für Menschen, die Wert auf verantwortungsbewussten Konsum und individuelle Entwürfe legen. Besonders junge Designern bietet DaWanda die Chance sich zu präsentieren und ihre Entwürfen an ein Publikum zu bringen – von Kleidung, Schmuck, Accessoires, Taschen, Babyartikel, Spielzeug bis zu Möbeln. Der Do-it-yourself-Trend ebnete den Weg und es gelang damit Claudia Helming und Michael Pütz ein Business daraus zu machen. Zu finden sind auf DaWanda nur handgemachte, individualisierte, aufgearbeitete, restaurierte, veredelte oder nach Maß angefertigte Produkte, wie ebenso hochwertige industrielle Produkte, die mindestens 20 Jahre alt sind (Vintage-Artikel).

Susanne Lettner: DaWanda ist ein Online-Marktplatz für ausgefallene und handgemachte Geschenke. Wie seid ihr auf die Idee gekommen DaWanda zu gründen?
Claudia Helming: Es gab tatsächlich einen Anlass: Zu Weihnachten 2005 waren Michael Pütz und ich, damals schon mein Kollege und heute ebenfalls Geschäftsführer bei DaWanda, auf der Suche nach einem besonders persönlichen, individuellen Geschenk für Familie und Freunde. Wir kamen auf die Idee, Matroschkas, die russischen Puppen zum Ineinanderstecken, selbst zu basteln. Das Ergebnis war eine absolute Katastrophe. Gemeinsam haben wir uns gefragt: Was machen eigentlich Menschen, die etwas ganz Kreatives, Individuelles verschenken möchten, aber selbst nicht das nötige Geschick dazu haben? So kam uns die Geschäftsidee, für diese Menschen ein Angebot zu schaffen. DaWanda ging am 3.12.2006 online – dass der Erfolg dann so durch die Decke gehen würde, hätten wir damals selbst nicht gedacht.

Heute haben wir 320.000 Verkäufer und 6 Millionen Mitglieder – Tendenz steigend

Susanne Lettner: Wie war die Resonanz im ersten Jahr und wie hat sich DaWanda im Lauf der Zeit entwickelt?
Claudia Helming: Im ersten Monat kamen nur knapp 100 Bestellungen zusammen. Das hat unseren Glauben an die Idee aber keineswegs gemindert. Dann begann recht schnell eine ‚Aufwärtsspirale‘: Je mehr Kreative angefangen haben, bei uns zu verkaufen, desto mehr Mitglieder haben wir hinzu gewonnen. Nach einem Jahr hatten wir 50.000 Mitglieder und 7.000 Shops gewonnen. Selbstgemachtes hielten damals immer noch viele Menschen für hässlich oder weniger wertig. Heute haben wir 320.000 Verkäufer und 6 Millionen Mitglieder, Tendenz immer noch steigend. Individuelle Unikate werden heute stärker nachgefragt denn je – wir haben zu einem wahrnehmbaren Imagewandel von Selbstgemachtem beigetragen.

Täglich kommen 16.000 Produkte dazu

Susanne Lettner: Was ist deiner Meinung nach das Besondere an DaWanda?
Claudia Helming: DaWanda steht für Individualität, Trends und verantwortungsbewussten Konsum. Spaß und Kreativität stehen im Vordergrund. Das Angebot ist unglaublich breit gefächert. Heute verkaufen 320.000 Hersteller insgesamt rund 5,3 Millionen Produkte aus aus Mode, Schmuck, Accessoires, Artikel für Baby und Kind bis hin zu den Bereichen Kunst und Wohnen Wohnen – und täglich kommen rund 15.000 Produkte dazu. Für jeden Geschmack, Anlass, für den großen oder kleinen Geldbeutel – man findet immer eine passende Kostbarkeit. Besonders wichtig für unsere Community ist natürlich der Austausch untereinander. Zum einen auf der Plattform selbst, wo Käufer mit den Verkäufern in Kontakt treten, oder sich untereinander über Produkte austauschen. Aber auch unsere Social Media-Kanäle wie zum Beispiel unser Blog oder unsere Facebook-Seite sind für uns wichtige Kanäle. Wir sind ein Social Commerce-Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes.

Susanne Lettner: Gibt es bestimmte Bestsaler? Und wenn ja, welche sind das?

Claudia Helming: Immer beliebt ist lässige Streetwear-Mode, also Hoodies, Longsleeves, T-Shirts, Kapuzenkleider oder Jerseybundröcke. Mode aus Jersey wird generell sehr gerne gekauft. Auch Schmuck im Vintagestil ist ein Dauerseller. Dazu gehören zum Beispiel Medaillionketten oder Kettenuhren oder Anhänger mit Nostalgiemotiven. Und nicht zuletzt ist auch individuelle Kindermode, die nicht von der Stange kommt, eine konstant stark nachgefragte Kategorie.

Susanne Lettner: Gibt es ein Produkt aus der DaWanda Kollektion, an das du sehr gerne zurück denkst?
Claudia Helming: Da gibt es zahlreiche Beispiele! Aber jetzt zur Weihnachtszeit fällt mir dazu das Geschenk ein, das ich meinen Eltern vor Jahren gemacht habe: ein Vogelhäuschen, das aussieht wie eine Überwachungskamera. Sie waren begeistert.

Susanne Lettner: Bist du mit Berlin als Standort zufrieden?
Claudia Helming: Die Medien haben Berlin ja erst kürzlich wieder verstärkt als ‚the Place to be’ für Start-ups gehypt. Sicher nicht zu Unrecht. Berlin ist eine Stadt, die mit den faszinierendsten internationalen Metropolen konkurriert. Hier entstehen neue Trends, internationale Trends werden schneller aufgegriffen als anderswo. Dass die Lebenshaltungskosten immer noch vergleichsweise günstig sind, macht die Stadt besonders attraktiv für junge Künstler und Designer aus ganz Europa und darüber hinaus. Wo sonst sollte ein Portal, das von Kreativität so sehr lebt wie DaWanda, seinen deutschen Hauptsitz haben?

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