Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen. Wolfgang Schäuble

Vorbild Süd-Sudan

Palästinenserpräsident Abbas verbaut den Weg zum Frieden. Mit seinen Forderungen nach Anerkennung durch die UN spielt er mit dem Feuer und legt den Grundstein für neue Gewalt - und all das für reine Symbolpolitik.

Die Offensive von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zur Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die UN ist mit hohem Risiko behaftet. In der Praxis wird die Anerkennung durch die UN nicht dazu beitragen, das Los des palästinensischen Volkes zu verbessern. Positive Entwicklungen in der palästinensischen Wirtschaft und Infrastruktur wurden bisher allein durch den Dialog zwischen Palästinensern und Israelis erreicht. Abbas hat jedoch den Verhandlungstisch zu Gunsten einer törichten politischen Taktik verlassen. Dadurch verdammt er sein Volk zu Stagnation und verbaut die Aussicht auf Frieden – und könnte sogar den Grundstein für erneute Gewalt legen.

Mehr Fortschritt durch mehr Verhandlungen

Abbas behauptet, sein einseitiges Vorgehen sei eine Reaktion auf israelische Versäumnisse im Friedensprozess. Dabei liegen die Vorteile von Verhandlungen klar auf der Hand: So haben direkte Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern in den vergangenen zwei Jahren zur Entfernung Dutzender israelischer Straßensperren im Westjordanland geführt. Zudem bewegte der Fortschritt am Verhandlungstisch Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu 2009 zur Umsetzung eines Bau-Moratoriums in diesen Gebieten. Das Westjordanland, das gemeinsam von israelischen und palästinensischen Behörden verwaltet wird, verfügt über ein gesundes Wirtschaftswachstum von 8 Prozent. Netanjahu bekennt sich seit zwei Jahren öffentlich dazu, einen palästinensischen Staat zu unterstützen, und drängt auf neue Friedensgespräche. Dem arabischen Fernsehsender Al-Arabiya sagte er, dass „alles auf dem Tisch liegt“. Vor diesem Hintergrund ist es schwer auszumachen, was Abbas bei den Vereinten Nationen über Symbolik hinaus zu erreichen hofft. Sogar der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajad warnte davor, dass die UN-Abstimmung illusorisch sei und nur Enttäuschung mit sich bringen würde.

Die größte Angst ist, dass sich tiefe palästinensische Frustration in Wut und eine neue Welle tödlicher Gewalt wandeln könnte. In den vergangenen zwei Monaten haben sich die israelischen Sicherheitskräfte auf heftige Auseinandersetzungen im Zuge der UN-Abstimmung vorbereitet. Israel schätzt die möglichen Folgen enttäuschter palästinensischer Erwartungen realistisch ein: Die Zweite Intifada, die im September 2000 ausbrach, kostete Tausende von Menschenleben auf beiden Seiten. Sie war das Resultat gescheiterter Friedensgespräche in Camp David. Ahnungsvoll hat der Generalsekretär der Arabischen Liga vor Kurzem Abbas vor der „inhärenten Gefahr“ der UN-Abstimmung gewarnt und eine Kursänderung angemahnt.

Die Kosten der Symbolpolitik

Sollte Abbas weiterhin die Zusammenarbeit mit Israel zu Gunsten einer zahnlosen UN-Anerkennung zurückstellen, wird er auch die Aussichten auf einen zukünftigen palästinensischen Staat gefährden. Zusammenarbeit und Verhandlungen mit Israel sind von entscheidender Bedeutung. Sie würden die Tür zu bislang unbekannten Investitionsmöglichkeiten für die palästinensische Wirtschaft öffnen, eine Wirtschaft, die in besorgniserregendem Maße auf fremde Hilfe angewiesen ist. Genauso wichtig ist es, die in der Region knappen Wasser-Ressourcen zu teilen – zum Wohle beider Völker.

Abbas wäre gut beraten, sich ein Beispiel an der Unabhängigkeitserklärung Süd-Sudans zu nehmen. Die erfolgreiche Staatsgründung war das Ergebnis sechs Jahre währender Gesprächen zwischen verfeindeten Bürgerkriegsparteien. Nun errichtet die sudanesische Regierung im Süden Grenzen und sendet Botschafter in die Welt. Im Gegensatz dazu wählte der Kosovo 2008 den einseitigen Weg zur Unabhängigkeit, ohne die Zustimmung europäischer Staaten und des benachbarten Serbiens einzuholen. Der Konflikt mit Serbien ist noch immer nicht beigelegt.

Abbas läuft Gefahr, sein eigenes Volk, die Region und den Traum vom Frieden in eine unsichere Zukunft zu führen – alles nur für eine höchst symbolische UN-Anerkennung, die die Probleme zwischen Israelis und Palästinensern nicht lösen kann.

Übersetzung aus dem Englischen.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    paulibahn – 14.09.2011 - 11:57

    tausende von toten auf beiden seiten? sudan und kosovo als beispiele und mahnung an die palästinenser? ich hab selten so einen schwachen und unrichtigen kommentar gelesen.

  • Theeuropean-placeholder
    felix – 14.09.2011 - 12:28

    Ja, Tausende tote auf beiden Seiten. Und ja, Sudan und Kosovo als Beispiele. Was daran schwach und richtig sein soll, ist mir schleierhaft.
    Mit dem Beispiel von Sudan und Kosovo wird lediglich aufgezeigt, welche Folge unilaterale Schritte bzw. Verhandlungen haben können – nicht mehr und nicht nicht weniger.
    Und Tausende Tote gab es auf beiden Seiten! Da muss kein Fragezeichen hinter stehen…

    Aber irgendwelche Punkte, die man kritisiert, muss man ja finden, wenn Texte eine andere Meinung widerspiegeln nicht wahr? Dementsprechend: Selten so einen unreflektierten Leserkommentar gelesen.

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 14.09.2011 - 12:40

    Man sollte die Geschichte kennen bevor man urteilt.
    Ich erinnere nur an: http://www.theeuropean.de/jost-kaiser/6507-linker-antisemitismus

  • Theeuropean-placeholder
    Ben – 14.09.2011 - 13:36

    So einseitig kann dieser Kommentar nicht stehen gelassen werden.
    Abbas selbst hat in den letzten Monaten keine Gelegenheit ausgelassen, um darauf hinzuweisen, dass fuer ihn an Verhandlungen kein Weg vorbeifuehrt. Der Gang zu den UN ist die Folge der seit Jahren um keinen Millimeter fortschreitenden Verhandlungen. Dass dabei von Seiten Israels “alles auf dem Tisch” liege, ist weit entfernt von der Realitaet – es reichen ein Blick auf die rasante Entwicklung des Siedlungsbaus oder ein Klick auf YouTube zur Rede von Netanjahu im Mai vor dem US-Kongress. Unilateralismus ist dem Prozess nicht zutraeglich, aber im Vergleich zum unilateralen Schaffen von “facts on the ground” durch die israelische Politik kann der Gang vor die Weltorganisation UN fast schon als “Mulilateralismus pur” bezeichnet werden.
    Und die zweite Intifada war tatsaechlich ein Desaster mit zahlreichen Opfern auf beiden Seiten. Wenngleich es natuerlich unterschiedliche Angaben gibt, so stehen bis zu 1000 Toten auf isrealischer Seite ca. 3500 getoetete Palaestinenser gegenueber.
    Genau dies ist im Uebringen auch der Grund, weshalb kaum ein Beobachter von der Gefahr einer gewaltsamen Eskalation ausgeht, vor der hier gewarnt wird.

  • Theeuropean-placeholder
    P. Feldmann – 15.09.2011 - 08:05

    Herr HEil, Ihr Artikel bleibt im Ganzen so sentenziös wie er beginnt. Zitat:“Positive Entwicklungen in der palästinensischen Wirtschaft und Infrastruktur wurden bisher allein durch den Dialog zwischen Palästinensern und Israelis erreicht.”

    Wo sehen Sie konkret ein Recht, das die Palästinenser den Israelis abringen konnten und das nicht als Gnadengabe bei irgendeiner polit. unliebsamen Entwicklung wieder von israel.Seite in Frage gestellt wurde? Neuestes Beispiel die Androhg. der formalen Kündigung der Osloer Verträge, inhaltl. hat man diese bereits seit der ERmordung Rabins Schritt für Schritt aufgegeben (unter Netanjahus erster Regierung).
    Ich sehe seit mehr als 15 Jahren KEINE Entwicklung, die ich auch nur annähernd einen FRIEDENSprozess nennen würde: die Richtung heißt “Großisrael”, die Taktik Apeasement.
    Israel hat sich an keine der UN-Resolutionen gehalten, ja stellt sich durchgehend über sie. usw. ad libitum…
    Aber die Ereignisse sind ja nun sehr in Fluss geraten- manchmal bedarf es eben doch symbolischer Akte in der Politik (entgegen Ihrer Behauptung)
    mfG PF

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