Der Mensch kann nicht in einem einzelnen Lebensbereich recht tun, während er in irgend einem anderen unrecht tut. Mahatma Gandhi

Der ewige Guido

Guido Westerwelle ist der Klotz am Bein der deutschen Außenpolitik. Inhaltsleer irrlichtert er durch die Welt und schadet dabei neben der eigenen Partei auch dem internationalen Bild der Bundesrepublik.

Guido Westerwelle bringt die Nation wieder einmal gegen sich auf. Selbst diejenigen, die in der Frage, wie man sich in der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat verhalten solle, auf seiner Seite standen, kommen mehrheitlich nicht umhin, Westerwelles seltsamen Triumphzug dieser Tage peinlich zu finden. Der Pathos, den der Außenminister dabei anbringt, passt allerdings bei einem genaueren Blick ins Bild. Guido war sich selbst schon immer am nächsten. Und wenn ihn schon sonst keiner feiern will, dann feiert er sich selbst. Obwohl noch gar nicht so alt hat er damit einen Wesenszug mit Helmut Kohl, Heide Simonis und sogar Gaddafi gemein: Er erkennt nicht, dass seine Zeit abgelaufen ist und es besser wäre, endlich zu gehen.

Sich selbst am nächsten

Bald ist es ein Jahr her, dass ich das erste Mal gefordert habe, dass sich die FDP von Guido Westerwelle emanzipiert. Lange – zu lange – zog sich der Prozess hin, bis auch bei den maßgeblichen Akteuren die Erkenntnis reifte, dass es unter einem Parteivorsitzenden Guido Westerwelle nicht weitergeht. Aus unerfindlichen Gründen traute man sich dann nicht, die Ära Westerwelle endgültig zu beenden – und muss jetzt feststellen, dass der Außenminister der Partei und der deutschen Außenpolitik weiterhin wie der vielzitierte „Klotz am Bein“ hängt.

Das Scheitern des Politikers Guido W. war dabei seit langem absehbar. Dafür gibt es zwei Gründe, die beide in der Persönlichkeitsstruktur des Außenministers angelegt sind. Zum einen fehlt ihm die Fähigkeit, sich Themen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu nähern, die es zumindest in einer Regierungsrolle braucht. Als Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, als Generalsekretär der FDP und auch als Bundesvorsitzender einer Oppositionspartei wurde das zwar auch immer wieder offenbar, fiel aber nicht allzu stark ins Gewicht, weil für alle drei Positionen galt: Plakativ reicht, mehr wird sowieso nicht wahrgenommen.

Zum anderen ist die Art der Kommunikation, die Guido Westerwelle präferiert, nicht die, die als Außenminister gefragt ist. Während es dort in erster Linie gilt, Demut zu zeigen und auch einmal den geeigneten Moment zu finden, um nichts zu sagen, scheint Westerwelle auch hier immer noch in seinem alten Rollenschema gefangen, ging es doch früher immer in erster Linie darum, möglichst laut zu trommeln, um überhaupt gehört zu werden.

Vom Staubsaugervertreter zum Wirtschaftsprüfer

Man muss es so hart sagen: Guido Westerwelle ist in seinem Amt eine absolute Fehlbesetzung. Ihm fehlte von Anfang an der notwendige inhaltliche Tiefgang und die Nähe zum Thema. Beide Punkte, gepaart mit dem ihm eigenen kranken Ehrgeiz, sind auch die Gründe für die Ausgestaltung eines Koalitionsvertrages, der voll von Prüfaufträgen zwar dazu taugte, auf einem Parteitag fleißig die vor der Wahl versprochenen Punkte mit „versprochen – gehalten“ abzuhaken, seit bald zwei Jahren aber im Praxistest schlimmer versagt als die A-Klasse von Mercedes vor einigen Jahren im Elchtest. Guido Westerwelle verhält sich wie ein erfolgreicher Staubsaugervertreter, der plötzlich zum Wirtschaftsprüfer geworden ist: In der Theorie hat er wohl verstanden, dass die Stelle andere Anforderungen hat und er wird auch nicht müde, jedem zu erzählen, was für unglaubliche Fortschritte er selbst macht. In der Realität allerdings zieht er weiterhin seinen Stiefel durch – und fährt damit auch als Beifahrer die FDP weiterhin gegen die Wand – und was viel schlimmer ist: die deutsche Außenpolitik gleich mit dazu.

Dass Angela Merkel sich genauso wenig wie die FDP selbst dazu durchringen kann, dem traurigen Schauspiel ein Ende zu setzen, ist tragisch, vermutlich aber auch sinnbildlich dafür, dass auch sie die Fäden nicht mehr wirklich in der Hand hält. Guido Westerwelle deckt mit seinen Harakiri-Aktionen nicht nur die eigene Schwäche auf, sondern lässt auch überdeutlich werden: Es herrscht Kanzlerinnendämmerung in Berlin. Dass die beiden dabei gemeinsam von genau dem Mann harsch kritisiert werden, den sie vor einem Jahr unter dem Kopfschütteln weiter Teile der Bevölkerung auf den Bundespräsidentenschild gehoben haben, spricht dabei für sich. Wenn das kein Weckruf für die Koalitionsparteien ist, was soll dann noch fruchten?

Dabei bin ich weiterhin davon überzeugt, dass es auch in den Unionsparteien und insbesondere innerhalb der FDP kluge Köpfe gibt, die sehr viel besser sind als der Ruf ihrer Parteien. Solange diese es allerdings nicht schaffen, sich endlich aus dem Schatten des inhaltsleeren Lautsprechers Westerwelle zu lösen und nicht nur über einen Neuanfang zu reden, sondern Fakten zu schaffen, sind sie Mitschuld daran, dass man derzeit erleben kann, wie eine Partei sich durch Nichtstun faktisch selbst abschafft.

Leserbriefe

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    Gudrun Bircher – 25.08.2011 - 08:46

    WW hat richtig gehandelt, sich nicht militärisch in Libyen zu engagieren. Eine Abwägung ist immer ein schwieriger Schritt, aber man sollte so fair sein und diesen Schritt respektieren. Gerade wenn man als Leser überhaupt keine Ahnung von dem Thema hat. WW hat fähige Leute in unterschiedlichen Funktionen und Ämtern, die ihn beraten und er entscheidet aufgrund seiner Berater und seiner moralischen und ethischen Werte. Zu meinen, man wüsste die Libyen-Frage besser als er, finde ich höchst anmaßend.

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    kleinErna – 25.08.2011 - 10:36

    Sie haben das Thema verfahlt, meine Liebe. Es geht hier nicht um eine einzelne Aktion (die Libyen-Abstimmung, die mit keinem Wort erwähnt wurde,
    wobei auch hier die Reaktion der “Weltgemeinschaft” gegen Ihre These spricht!), sondern es geht um die “Position” und die “Person” Außenminister Westerwelle und hier ist dem, was Christoph Giesa schreibt, sachlich weder etwas abzusprechen, noch etwas hinzuizufügen.

    Emotional und satirisch (jeweils untermauert mit Fakten) könnte man das Ganze allerdings noch erheblich höher hängen und ausschlachten.

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    Patricius Calopedarius – 25.08.2011 - 11:04

    Sehr geehrter Herr Giesa,
    wie auch Sie habe ich mich die letzten 2 Jahre intensiv mit der Person Westerwelle beschäftigt und kann Sie bestätigen, dass Herr Westerwelle als Außenminister völlig deplaziert ist. Demzufolge ist ihren Aufsatz aus meiner Sicht wenig hinzuzufügen. Einzig den provokanten Vergleich beziehungsweise die Gleichstellung einer Charaktereigenschaft oder Wesenzugs mit einen derzeitig wohl scheidenden und menschenverachtenden Diktator aus Lybien finde ich überspitzt, aber dies ist wohl geschmackssache. Weiterhin bin ich ebenfalls der Meinung, trotz andereem Parteianhang, dass CDU/FDP noch sehr gute und kompetente Köpfe in ihren Reihen haben, welche sich, so scheint es mir, noch zu sehr bedeckt halten oder nur im Hintergrund fungieren wollen.

  • Theeuropean-placeholder
    Leser – 25.08.2011 - 11:58

    Ich möchte widersprechen
    ……………………
    ……………………
    ……..geht nicht. Es stimmt ja alles!

  • Theeuropean-placeholder
    na und ? – 25.08.2011 - 12:47

    Die Kritik an der Person Westerwelle finde ich zunehmend peinlich. Nicht, weil ich Herrn Westerwelle für in irgendeiner Form für geeignet hielte, ein politisches Amt zu bekleiden. Nein, wer Herrn Westerwelle dieser Tage kritisiert, kann sich der hundertprozentigen Zustimmung des gesamten Volkes sicher sein. Toll, Bravo !!! Das Problem ist mit Sicherheit nicht Herr Westerwelle als Einzelperson; wäre dem so, könnte man in der FDP ja schnurstracks eine bessere Alternative benennen. Tut man aber nicht, weil man schlicht keine hat; Sie verzichten ebenfalls darauf, belassen es eher dabei nebulös “kluge Köpfe” meinen erkannt zu haben. Am Ende meinen Sie noch sich selbst ?! Wenn ich mir Ihr Foto betrachte, auf dem Sie in dunkles Gewand gehüllt die (vermutlich) teure Uhr zielgerichtet in die Kamera gestreckt und das Haar dynamisch mit Gel in Form gebracht, verschmitzt lächeln, weiß ich wieder, weshalb ich mich vor etwa 10 Jahren nach einer kurzen Phase geistiger Umnachtung, aus der FDP verabschiedet habe. (An dieser Stelle noch als Hinweis: Nein, ich wähle heute keine Partei links jenseits der Mitte, fühle mich also nach wie vor dem bürgerlichen Lager verpflichtet. Nur Politik, die will ich nicht mehr machen. Wenn ich mich für heiße Luft interessiert hätte, hätte ich bei Zeiten einen Vertrieb für Haartrockner aufgebaut.)

  • Theeuropean-placeholder
    – 25.08.2011 - 14:13

    @Gudrun: Ich vermute, Sie haben meinen gar nicht gelesen, weil sie dann schon im ersten Satz hätten merken müssen, dass es um das Thema gar nicht ging.

    @Patricius: Natürlich will ich Guidos Wesen nicht mit dem Gaddafis gleichsetzen, es ging mir nur um diesen einen Punkt. Mir war schon klar, dass das überspitzt ist. Aber das ist eben die Freiheit des Kolumnisten ;-)

    @Na und? Dass sie aus der Partei ausgetreten sind passt ja insofern, als Ihre Zeilen nicht auf eine besonders liberale Grundhaltung schließen lassen. Was Sie aus meinem Foto alleine auf meine Persönlichkeit schließen können, ist schon interessant. Vielleicht helfen Sie mir: Was sagt denn dann über mich aus, dass ich am Wochenende am liebsten mit Kapuzenkurve im Fußballstadion unterwegs bin? Und dass es in der FDP keine Alternativen gäbe kann nur jemand sagen, der tatsächlich keine Ahnung hat. Vermutlich gibt es im Europaparlament keinen profilierteren und respektierteren Außenpolitiker als Graf Lambsdorff, der von heute auf morgen in der Lage wäre, die Lücke zu füllen. Insofern würde ich sagen: Vielleicht versuchen Sie sich ja selbst als Haartrockner… ich würde nicht daran zweifeln, dass Sie da mehr Karrierechancen hätten, als in der Politik… irgendwas kann ja jeder gut.

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