Ein zwangspensionierter, älterer Herr macht einen Spaziergang. Anstatt allerdings den bekannten Weg einzuschlagen, den er schon seit Lebzeiten geht, kommt er aufgrund einer spontanen Eingebung auf die Idee, heute einmal dahin zu gehen, wo er noch nie war. Dort angekommen, will er einkehren, wird aber vom Hof gejagt wie ein „räudiger Hund“, wie er es selbst ausdrückt. Bis hierher hört sich das nach einem echten Skandal an – die Bösen scheinen schnell ausgemacht. Doch so einfach ist es in diesem Fall nicht, denn der ältere Herr heißt Thilo Sarrazin, der Spaziergang führte ihn nach Kreuzberg und anstatt alleine zu gehen, brachte der Frührentner ein Kamerateam mit.
Zwischen Geltungsbedürfnis und dem Wunsch nach Provokation
Vermutlich war nicht alles, was sich Sarrazin im Kreuzberger Kiez anhören musste, jugendfrei und druckfähig. Aber hätte man damit nicht rechnen müssen? Was für einen Empfang erwartet jemand, der seinem Nachbarn vor die Füße gespuckt hat, wenn er dann später ungefragt bei dessen Geburtstagsparty auftaucht? Was treibt Thilo Sarrazin, der noch voriges Jahr zugeben musste, dass er Kreuzberg, Neukölln oder Wedding nur vom Durchfahren und aus Statistiken kennt, plötzlich in Begleitung eines Kamerateams auf Erkundungstour zu gehen?
Ich bin mir sicher: Pure Neugierde ist es nicht. Meine Vermutung liegt eher irgendwo zwischen Geltungsbedürfnis und dem Wunsch nach Provokation. Es war ihm einfach zu ruhig geworden um sich selbst. Was will Sarrazin mit seinem Spaziergang bezwecken, außer dass er von ihm sowieso schon geschlagene Wunden wieder aufreißt? Welchen Nutzen verspricht er sich von der Aktion für die weiterhin zu führende Debatte? Oder kommt er bald mit seinem zweiten Buch zum Thema und bereitet den großen Knall schon einmal vor?
Ich glaube mit jedem Tag weniger daran, dass das Dimensionen sind, in denen Sarrazin denkt. Er spielt inzwischen gerne das Spiel, dass er schon zuvor gerne gespielt hat, nämlich das des unkorrumpierbaren „Agent Provocateur“, der sich auch alleine in den Wind stellt. So trat er als Finanzsenator und später auch als Bundesbanker auf. Dass er dabei aufgrund seiner Biografie, die ihn seit 1975 nicht mehr aus dem öffentlichen Dienst hinausgeführt hat, alles andere als glaubwürdig wirkt mit seinem „Ich gegen das Establishment“, das bleibt vermutlich eine Fußnote. Dass er darüber hinaus in seinen eigentlichen Tätigkeitsfeldern in den vergangenen Jahren eher kleine Fußstapfen hinterlassen hat, sollte vielleicht schon einmal mit in die Debatte gebracht werden. Zentral ist aber am Ende vor allem die Erkenntnis, dass sein Kampf nun, nach bald einem Jahr, Deutschland deutlich mehr geschadet als genützt hat. Denn diejenigen, die sich früher schon nicht integrieren wollten, wollen dies auch heute noch nicht. Diejenigen allerdings, auch aus meinem persönlichen Umfeld, die bestens integriert mit Top-Abschlüssen von deutschen Universitäten weit überdurchschnittliche Einkommen erwirtschaften, sprechen inzwischen auch von „Ihr und Wir“, was noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre, oder verlassen einfach die Bundesrepublik, die ihnen seit Jahrzehnten Heimat war. Dazu sollte sich Herr Sarrazin mal die passenden Statistiken besorgen. Doch Thilo, der Zahlenspieler, verschließt lieber weiter die Augen, jagt die „großen Brüder“, die als Vorbilder hätten dienen können, außer Landes und zieht den Graben für die, die bleiben, noch ein kleines Stückchen tiefer.
Da wäre Mallorca-Thilo so richtig in seinem Element
Wäre Sarrazin doch etwas typischer deutsch, als er es leider zu sein scheint. Dann würde er sich inzwischen mitsamt seiner Frau und seinen angesparten Millionen auf Mallorca tummeln, wie es so viele andere Rentner auch tun – in heiteren bunten Badehosen und mit einem lustigen Hut auf, vielleicht einem Mitbringsel von seinem Ausflug nach Kreuzberg mit einem aufgedruckten „I love Bärlin“ – und könnte sich dort mit den Problemen der Zuwanderer auseinandersetzen. Vor allem die Deutschen fallen dort nämlich in der Kriminalitätsstatistik negativ auf. Da wäre Mallorca-Thilo so richtig in seinem Element. Hier hingegen könnten wir uns dann auch endlich wieder daranmachen, die Gräben zuzuschütten und konstruktiv an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten … allein, mir fehlt derzeit der Glaube.















Was für ein Schmähartikel voller Häme und Hetze gegen Sarrazin!
Gleich zu Beginn seines Pamphlets versucht der Autor, Sarrazin verächtlich zu machen durch die Verwendung eines beleidigenden Vokabulars wie ‘zwangspensionierter Frührentner’; ein semantischer Schnitzer, da ein Pensionär kein Rentner sein kann.
Thilo Sarrazin hat keine Gräben aufgerissen, wie der Autor fälschlicherweise behauptet, sondern er hat mit seinem Buch eine erstklassige Aufklärungsarbeit geleistet. Sarrazin hält einem links-liberalen Mainstream und den verblendeten Gutmenschen zu einer seit über 40 Jahren falschen Einwanderung den kritischen Spiegel vor.
Seit Anfang der 70er Jahre argumentiere ich gegen die Zuwanderung aus den islamischen Ländern, weil mir damals schon als junger Abiturient klar war, das eine solche ungezügelte und ungesteuerte Immigration zu genau den Problemen führen wird, über die wir seit Sarrazins Buch endlich frei in der Öffentlichkeit heiß und kontrovers diskutieren können.
In der Vergangenheit sind kritische Stimmen aus dem Volke gegen diese massive Zuwanderung mit der moralischen Einschüchterungskeule (Nazi, Rassist, Ausländerfeind) durch die (fast) gleichgeschalteten Massenmedien niedergeknüppelt worden. Jeder, der in der Vergangenheit den Kopf inklusive des Verstandes aus diesem Sumpf selbstverschuldeter Unvernunft hervorhob, riskierte den moralischen Selbstmord.
Der öffentliche Diskurs wurde in den vergangenen Jahrzehnten von den Illusionisten und Multi-Kulti Traumtänzern beherrscht. Jetzt endlich seit Sarrazins Buch wendet sich das Blatt. Gott sei Dank!
Professor Wehler hat lange vor Sarrazins Buch folgendes Fazit zur Masseneinwanderung von Türken und Arabern gezogen; er schreibt fast wörtlich:
„Die Zu- und Einwanderer haben eine Bringschuld zu erfüllen, der sie sich in den meisten Fällen entzogen haben. Wir haben uns in den letzten 50 Jahren eine neue Unterschicht ins Land geholt. Die Arbeitsmigration speziell aus der Türkei und den arabischen Ländern ist schon seit langem ein Subventionsgeschäft für den deutschen Sozialstaat, und die Nachgeborenen der dritten und vierten Generation zeigen kaum Anstalten, diese Disproportionalität in der Beanspruchung unserer Sozialsysteme zu beenden.“
Sarrazins Buch ist im Grunde genommen eine Art bürgerliche Kampfschrift für Erziehung und Bildung, Fleiß und Disziplin, Eigenverantwortung und Leistungsprinzip, Realismus und Pragmatismus. Sein Buch ist eine Art Forschungsbericht, welches letztlich bekannte Forschungsergebnisse von Soziologen, Intelligenzforschern, Genetikern, Demographen referiert und diskutiert. Einige seiner Kronzeugen sind beispielsweise die Arbeiten der Entwicklungspsychologen und Intelligenzforscher Heiner Rindermann und Detlef Rost; ferner der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg.
Ein paar Monate nach dem Erscheinen des Buches haben so renommierte Wissenschaftler wie z.B. der der Historiker Hans-Ulrich Wehler, der Politikwissenschaftler Erich Weede sowie auch Rost und Rindermann positiv zu Sarrazins Buch Stellung bezogen (in der FAZ).
Die Argumentation des “Wer sich in Gefahr begiebt kommt darin um” ist eines Liberalen unwürdig. Punkt.
“Diejenigen, die bestens integriert mit Top-Abschlüssen von deutschen Universitäten weit überdurchschnittliche Einkommen erwirtschaften” sollten sich lieber für ihre Landsleute fremdschämen, statt sie zu verteidigen. Wenn ein großer Teil der Türken und Araber von Grundsicherung lebt und die einheimische Bevölkerung terrorisiert, statt in diesem Land etwas beizutragen, braucht man sich über ein schlechtes Image nicht zu wundern.
Die Deutschen auf Mallorca schaffen wenigstens Arbeitsplätze, auch wenn Fremdschämen natürlich auch dort gerechtfertigt ist.
Jeder ist zu etwas nütze: Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen: In diesem Sinne darf der Autor gern weiter schreiben, sollte aber Abstand davon nehmen, ernst genommen zu werden.