Die Präsidenten, die von den Europäern am meisten gefeiert wurden, waren vermutlich John F. Kennedy und Barack Obama. Beide werden im Rückblick nicht diejenigen gewesen sein, die durch ihre Handlungen die größten Fußabdrücke in der Geschichte hinterlassen haben. Vielmehr lässt sich vermuten, dass die Begeisterung daher stammte, dass man in den beiden Genannten am ehesten Verwandte erkannt zu haben glaubte.
In einer Reihe mit Ronald Reagan und den beiden Bushs
Gerade bei republikanischen Präsidentschaftskandidaten – und Präsidenten – fehlt dieses Gefühl regelmäßig. Mitt Romney steht dabei in einer Reihe mit Ronald Reagan und den beiden Bushs, aber auch anderen prominenten Namen wie Sarah Palin. Ihnen allen ist gemein, dass sie bemerkenswerte Lücken in Geschichte und Geografie aufweisen, von Fremdsprachen gar nicht zu sprechen. Während man als deutscher Außenminister in solch einem Fall sofort unter Druck gerät, prallen Fehltritte auf diesem Gebiet an amerikanischen Politikern weitgehend ab. Während ein deutscher Kanzlerkandidat vermutlich recht schnell einpacken könnte, wenn er zum wiederholten Male Länder als Nachbarländer bezeichnet, die keine gemeinsame Grenze haben (Iran und Syrien) oder seine außenpolitische Kompetenz damit begründet, dass man von seinem Wohnsitz aus über eine Grenze schauen kann, sorgen solcherlei Aussagen in den USA höchstens für kurzfristige Kratzer.
George W. Bush ist dafür das beste Beispiel: Obwohl schon früh seine Peinlichkeiten gesammelt und als „Bushism of the day“ verbreitet wurden, hielt das die Amerikaner nicht davon ab, ihn zu wählen – und einmal im Amt zu bestätigen. Auch seinen Nachfolgern sind in den liberalen Medien Häme und Spott ebenso sicher, wie auf Twitter. Doch die meisten Anhänger ketten solcherlei Angriffe eher noch enger an die Kandidaten.
Das ist bei näherer Betrachtung nicht verwunderlich. Geografische Kenntnisse stehen bei einem großen Teil der Amerikaner nicht allzu hoch im Kurs. Immer wieder gibt es Umfragen, bei denen ein ernst zu nehmender Prozentsatz der befragten US-Bürger noch nicht einmal die Nachbarländer Kanada und Mexiko auf der Landkarte findet. Vor dem zweiten Irak-Krieg glaubten viele Amerikaner, die USA haben eine gemeinsame Landgrenze mit dem Irak und werden von dessen Raketen direkt bedroht, was eine Invasion aus ihrer Sicht legitim erscheinen ließ. Dabei sollte man aus europäischer Sicht nicht den Fehler machen, die Amerikaner gemeinhin für dumm zu halten. Vielmehr interessieren jemanden, der im mittleren Westen lebt, internationale Angelegenheiten schlichtweg nicht – weil sie ihn in seiner Lebensrealität kaum betreffen. Das mag einem nicht passen, ist aber durchaus legitim. Wie würden die Deutschen denken, wären sie nicht alleine aufgrund der Lage im Herzen Europas fast schon gezwungen, sich mit ihren Nachbarn, die niemals mehr als zwei Autostunden entfernt sind, auseinanderzusetzen?
Auch in Europa verwundert so manche Wahl
Davon abgesehen, braucht man gar nicht so weit zu schauen, um sich über manche Wahl zu wundern. Berlusconi oder Sarkozy, Haider oder Wilders – all diese Namen stehen für Politiker, die mit ihrem Gebaren in Deutschland vermutlich kaum als ministrabel angesehen worden wären oder spätestens nach einigen Wochen ihr Amt wieder los gewesen wären. Nichtsdestotrotz muss man anerkennen, dass auch all diese in freien Wahlen ihre Mandate errungen haben. Und genauso muss man auch mit dem Ergebnis in den Vereinigten Staaten umgehen, falle es nun aus, wie es wolle. Demokratie heißt eben auch, dass man seine Vertreter nach den eigenen Überzeugungen und Interessen wählt, ohne sich von außen hineinreden zu lassen. Das Recht nehmen wir ebenso in Anspruch wie die Amerikaner. Insofern gilt es deren Willen auch entsprechend zu akzeptieren. Selbst wenn der neue Präsident danach auf Pferde und Bajonette setzen oder Bibo und der Sesamstraße den Garaus machen sollte …
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