Geld regiert die Welt, da kann man nix machen - Daran glaube ich nicht. Franz Müntefering

Falsche Freunde

Ein Maschmeyer ist kein Problem für Deutschland – von seiner Sorte gibt es in diesem Land allerdings diverse Menschen.

Manchmal lohnt es sich ja, ein Thema sacken zu lassen und sich dann noch einmal etwas intensiver und mit etwas Abstand damit zu beschäftigen. Das soll an dieser Stelle mit dem Fall Maschmeyer, der ja irgendwie auch ein Fall Wulff ist, geschehen.

Hätte Christian Wulff nicht vor einigen Wochen die Konsequenzen aus seinen Verfehlungen gezogen, spätestens mit dem Tag, an dem Carsten Maschmeyer sein Buch „Selfmade“ veröffentlicht hat, wäre der Schritt unvermeidlich gewesen. Ohne das Buch selbst gelesen zu haben, machen schon die in den Medien breitgetretenen Bemerkungen des Autors deutlich, dass seine Nähe zu aufstrebenden Politikern alles andere als zufällig war – und noch weniger uneigennützig. Im Gegenteil: Carsten Maschmeyer formuliert abstrakt, was konkret oft genug in einem Vorgang endet, den man wohl Korruption nennen würde.

Suche nach Luxus, Glanz & Glamour

„Kontaktschulden“, dieses eine Wort steht dafür, wie Politik oft genug funktioniert – und wie sie eigentlich nicht funktionieren dürfte. Was im Privatleben noch legitim sein mag, nämlich Menschen einen vermeintlichen „Gefallen“ zu tun, von dem man sich zu gegebener Zeit eine mehr oder minder konkrete Gegenleistung erwartet, ist schon im beruflichen Umfeld schwierig bis strafbar. Spätestens wenn man Politiker ist, egal ob nun haupt- oder ehrenamtlich, sollte man sich bewusst sein, dass die Nähe zu Menschen mit solch einer Mentalität das pure Gift für alle Überzeugungen – und langfristig auch für die Karriere ist.

Oft wurde in den vergangenen Wochen kritisiert, dass an Politiker in Teilen überzogene Erwartungen angelegt werden, die auch der einzelne Bundesbürger kaum in der Lage wäre zu erfüllen. Dabei wird übersehen, dass es gerade in der Causa Wulff nicht in erster Linie darum ging, dass jemand sich in privaten Beziehungen verstrickt hat. Das wäre dann vielleicht nicht unbedingt verzeihlich, wohl aber noch am ehesten verständlich. Denn wer möchte schon seinen Sandkastenfreund vor den Kopf stoßen oder seiner arbeitslosen Schulfreundin die Chance auf einen Neuanfang verwehren, auch wenn dazu Gesetze und Richtlinien „großzügig interpretiert“ werden müssen? Nein, das Problem ist das, dass Christian Wulff sich ganz bewusst auf der Suche nach Luxus, Glanz und auch ein wenig Glamour gegenüber Carsten Maschmeyer und anderen tief in die „Kontaktschulden“ begeben hat. Er hätte nicht nur wissen müssen, dass deren Sympathiebekundungen und Einladungen nicht in erster Linie seiner Person galten. Sondern er wusste es. Und damit ist er nur Sinnbild für einen gewissen Politikertypus, den Deutschland nicht braucht.

Wenn jemand die Nähe eines aufstrebenden Politikers sucht, der vorher dessen ärgsten Gegner (in diesem Fall hieß dieser Gerhard Schröder) unterstützt, fast schon alimentiert hat, und öffentlich als dessen Freund auftrat, ist Vorsicht geboten. Wenn man solcherlei „Freunde“ qua Amt vererbt bekommt, gilt es, Abstand zu halten. Wer das versäumt, der muss damit leben, dass auf Dauer der Druck von allen Seiten steigt – sowohl von Seiten desjenigen, der ein „Kontaktguthaben“ aufgebaut hat, auf das er irgendwann zugreifen will, als auch von der Öffentlichkeit, die irgendwann beginnt, unangenehme Fragen zu stellen.

Gnadenlose Berichterstattung

Ein altes Sprichwort sagt: „Zeig mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist!“ Spätestens mit der Veröffentlichung seines Buches müsste es rings um Carsten Maschmeyer eigentlich ziemlich einsam werden, denn nun sollte jeder seiner vermeintlichen Freunde verstanden haben, wie er diese „Freundschaft“ einschätzen sollte. Es ist nicht zu abzusehen, dass diese Erwartung wirklich eintritt, denn die Verlockungen sind für den einen oder anderen wohl doch zu groß. Ein Maschmeyer wäre ja noch kein Beinbruch für Deutschland, das Problem ist allerdings, dass es da draußen viele von der Sorte gibt, die sich mit ihrem Geld oder dem der Firma, die sie vertreten, die Nähe zur Macht kaufen (wollen).

Nur durch absolute Transparenz, durch gnadenlose Berichterstattung der Medien und durch eine Ächtung derjenigen, die auf diese Art und Weise versuchen, die Politik in ihrem Sinne zu manipulieren bzw. die bereit sind, sich manipulieren zu lassen, ist es zu vermeiden, dass unser Staat käuflich wird. Das mag im Einzelfall hart sein. Aber es dient der Abschreckung. Wer Angst haben muss, durch Fehlverhalten alles zu verlieren, wird sich sehr genau überlegen, wem gegenüber (und ob überhaupt) er „Kontaktschulden“ eingeht und falls dies geschehen ist, wie weit er zu gehen bereit ist, um den Saldo wieder auszugleichen.

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