Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, hat am 13. Juli 2011 in Bonn zwei geplante Forschungsprojekte vorgestellt, mit denen „verlässliche Informationen zu den Fällen des Missbrauchs, zu Vorgehensweise und Motiven der Täter und den Opfererfahrungen“ wissenschaftlich aufgearbeitet und vor allem eine „wirksamere Prävention von sexuellem Missbrauch“ ermöglicht werden sollen. Eine knappe Woche später präsentierte der Münchner Kardinal Dr. Reinhard Marx ein zusammen mit der Päpstlichen Universität Gregoriana geplantes internationales Internetportal zur Prävention von Missbrauch, das zum Jahreswechsel ans Netz gehen soll.
Eine Frage der Macht und Ämter
Sicher, es ist zu begrüßen, dass – wie schon lange angekündigt – jetzt endlich alle 27 deutschen Bistümer einer Studie über sexuelle Kindesmisshandlungen durch Kleriker zugestimmt haben. Doch sollten, so ist kritisch festzustellen, über die Untersuchung von Einzelfällen hinaus auch die möglichen strukturellen Ursachen in der römisch-katholischen Kirche und die tieferen Zusammenhänge von Macht, Sexualität und Missbrauch in den Blick genommen werden, die zu sexualisierter Gewalt und ihrer oft jahrzehntelangen systematischen Vertuschung führen. Das müsste dann auch Fragen der kirchlichen Amts- und Machtstruktur einschließen. Denn jeder Fall von sexualisierter Gewalt ist zunächst ein Machtmissbrauch. Auch der Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema Sexualität und Homosexualität ist vermutlich ein wesentlicher Teil des Problems.
Im Unterschied zu Irland, wo die Regierung die Studien in Auftrag gegeben hat und jetzt starke Vorwürfe gegen den Vatikan erhebt, handelt es sich bei den deutschen Studien nicht um wirklich unabhängige Studien; sie wurden von den Bischöfen selbst initiiert – und dies erst nach langem Zögern. Welche negativen Auswirkungen das auf den Umfang der auswertbaren Akten haben könnte, darüber lässt sich nur spekulieren. Der Bericht, den die Rechtsanwältin Dr. Westpfahl im Dezember 2010 über ihre Untersuchungen im Erzbistum München und Freising vorlegte, hat neben anderen schockierenden Erkenntnissen auch umfangreiche Aktenvernichtungsaktionen aufgedeckt.
Die Spur führt bis zu Luther
Psychologen und Seelsorger, die seit vielen Jahren mit Kleriker-Tätern arbeiten, warnen vor einer einseitigen Schuldabwälzung auf Einzeltäter und vor der Flucht der Kirchenleitung aus ihrer Verantwortung für die Entstehung, für die Konsequenzen und für die allseitige Aufarbeitung der Verbrechen. Das enthebt die Täter in keiner Weise ihrer Verantwortung. Die Täter sollten aber auch bezüglich ihres Befindens im kirchlichen System eingehend befragt werden – und nicht nur wie Objekte auf mögliche psychische Störungen hin untersucht werden.
Die katholische Kirchenleitung muss sich endlich auch der historischen Dimension dieser Verbrechen stellen. Das Phänomen sexueller Kindesmisshandlungen ist kein Phänomen der jüngsten Vergangenheit. Bereits 1510 beklagte Luther bei seinem Rombesuch vergleichbare Missstände. Neu ist nur, dass die UN-Kinderrechtskonvention aus dem Jahr 1989 das Bewusstsein der Öffentlichkeit verändert hat. Aber wie können Bischöfe, die heute noch „gewisse Disziplinlosigkeiten“ „im Leben und Denken der Kirche – manchmal dem Trend der Zeit folgend“ als Ursache mutmaßen, jemals in der Lage sein, die für eine nachhaltige Prävention notwendige Selbst- und Systemkritik aufzubringen?






















Sehr geehrter Herr Weisner,
Ihr Artikel suponiert, dass es in der katholischen Kirche so etwas wie eine systematische Begünstigung zur Kindesmisshandlung (hierunter auch sex.Missbrauch) gebe. Im letzten Absatz Ihres Artikels benennen Sie aber die eigentliche Dimension des Phänomenes: “Das Phänomen sexueller Kindesmisshandlungen ist kein Phänomen der jüngsten Vergangenheit. Bereits 1510 …” sic! Man darf hinzufügen, dass Kindesmissbrauch kein Phänomen der westlichen Kultur ist.
Und damit muss man die Frage nämlich andersherum angehen: Handelt es sich bei dem Missbrauch Wehrloser(Verzweckung von Menschen) nicht insgesamt um eine anthropologische Konstante ? Eine anthropologische Konstante, die auf die bestialische NAtur des Menschen verweist und gegen die das zivilisatorische Projekt der humanisierung des Menschen ja gerade angeht.
Aufgabe des Christentums, wie jeder mir bekannten Religion, ist es doch gerade die Verzweckung des Menschen durch den Menschen aufzulösen und den Wert jedes Menschen gerade in seiner Selbstzweckhaftigkeit (mit Kant gesprochen) als Grund seiner Würde zu definieren.
Ihrem Verweis auf Kant ist ja durchaus zuzustimmen. Nur leider ist mit ‘Würde’ bei der katholischen Kirche kein Blumentopf zu gewinnen.
Wenn man jenen fundamentalen Satz des Grundgesetzes (“Die Würde des Menschen …”) tatsächlich in vollem Umfang zur Anwendung bringen würde, handelt es sich bei der katholischen Kirche mit seiner Ausgrenzung von Frauen, Homosexuellen, Geschiedenen und Unangepassten um eine verfassungsfeindliche Organisation.
Glücklicherweise steht dieser Bewertung ja die freie Religionsausübung im Wege – Ironie aus!
Ihr Kommentar entspricht der zeitgemäßen Anti-Religiösen Haltung. Bezgl. der Begriffs der Würde und Nichtverzweckbarkeit des Menschen (im Sinne Kants*) nennen Sie mir eine Instanz in dieser Gesellschaft, die so vehement für diese Werte eintritt wie die katholische Kirche! Das von Ihnen zitierte Grundgesetz ist in seiner Herleitung der Werte derivatär- es beruft sich eben auf die von Ihnen kritisierten Quellen. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass man zwar unser Rechtsstaatsgebilde u. seine Sozialstrukturen aus der christlichen Religion ableiten kann, aber nicht im Umkehrschluss Kirche im Grundgesetz begründen. Das Grundgesetz ist eine schlichte Grundlegung eines praktisch politisches Gesetz (deutlich NUR Menschenwerk). Kirche spielt sich auf ganz anderer Ebene ab und ist in gewissem Sinn Abbild transzendenter Gegenwelt zum Faktischen.
*Kant, der im Übrigen Religion zwar kritisch aber als essenziell ansah und gläubiger Christ war- obwohl er mit der Obrigkeit wg. seiner Religionsauffassung kollidierte!)
Ach, Herr Feldmann,
kommen Sie doch nicht immer wieder mit dem Märchen von der Catholic als Hüterin oder gar als Erfinderin der Menschenrechte – und Menschwürde.
Religionen interessieren sich nicht für die Menschenwürde – der katholische Gott – in Ihrem Falle – hat die Menschen erschaffen, damit sie ihn anbeten, auf den Knien vor ihm liegen und ihn fürchten!
Die Behauptung, Gott habe den Menschen ja die Freiheit gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden ist nicht bloß Ettikattenschwindel, sondern barer Unsinn. Wer die Liebe des Herrn nicht annehmen will, der wir in der Hölle schmoren! Was ist denn das für ein Liebe, was ist denn das für ein Gott, der angewiesen ist auf die Gebete von so kleinen Menschlein?!
Dieser Gott ist ein Abbild der der Herrscherneurosen seiner Erschaffer, seines Klerus, seiner Neurotiker und Psychotiker, die ihn erschwurbelt haben, um sich ihr kleines Leben zu erklären und zu verklären. Gott ist das Produkt hysterischer Lebensangst!
Es ist gelinde gesagt eine Frechheit, auch noch zu behaupten, das Christentum (Sie meinen damit natürlich Ihre rechthaberische Catholica) habe Sozialsysteme und Rechtsstaat entwickelt.
Wer sich wie Ratzinger als Gottes Stellvertreter auf das Phantom des Naturrechtes beruft, der kann überhaupt nichts im Sinn haben mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.
Und die modernen Sozialsysteme leiten sich aus dem Konsens ab, daß der Mensch ein Recht habe, in Notlagen, im Alter etc. versorgt zu werden. Bei den Christen handelt es sich nur um Almosen und Mitleid, das man vor sich herträgt wie eine Monstranz, um seinen lieben Gott zu beeindrucken. Das abscheulichste Beispiel für katholische Verlogenheit wenn es um Soziales geht, ist wohl Mutter Teresa, die längst als übelste Heuchlerin, Menschenverächterin und Sadistin entlarvt ist.
Und kommen Sie mir nicht mit all jenen Menschen, die sich unter dem Dach der Kirche für andere engagieren – deren echtes Engegement wird von der Kirche ausgenutzt, um die Staaten zu plündern. Aber das ist noch ein anderes Kapitel.
Ich habe es allerdings satt, daß Katholiken immer und immer wieder Unwahrheiten über Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verbreiten. Diese Ideen entstammen vorchristlicher Zeit und sind, seit das Christentum Staatsreligion im römischen Reich wurde, systematisch unterdrückt worden. Bis zur Renaissance, die sich auf die Antike berief, vergingen 1000 Jahre finsteres Mittelalter. Dann endlich konnte an unterdrückte und vernichtete Philosophie und Wissenschaft angeknüpft werden. Und auch das wurde nochmals 300 Jahre von der katholischen Kirche bekämpft bis die französische Revolution und die Erklärung der Menschrechte ein Fanal setzten!
Selbst noch der Antimodernisteneid, den alle Kleriker kurz nach dem 1. Weltkrieg gezwungen waren zu schwören, erweist sich im 20. Jahrhundert als Zuckung der Menschenfeindlichkeit der katholischen Kirche.
Und lesen Sie mal den von Johannes Paul II. neu herausgegebenen Katechismus – da finden Sie mit jeder Zeile Menschenfeindlichkeit, die Lügen von der Erfindung der Menschenrechte usw. usf. durch die Kirche und letztendlich immer und immer wieder den Totalitätsanspruch der Catholica über alle und alles – neuerding mal wieder schreihälsig vom Bischof Williamson hinausposaunt.
Und kommen Sie mir nicht, der sei ja ein Pius-Bruder: Ratzinger wird sie heimholen in sein Kirchenreich. Denn diese Brüder haben bereits theokratische Verfassungen für die europäischen Staaten ausgearbeitet. Es ist übrigens, als hätten die Ungarn ihre neue, katholisch beseelte Verfassung zu Teilen dort abgeschrieben.
Wir müssen uns Sorgen machen über den Irrsinn des islamischen Anspruchs auf Weltherrschaft. Der katholische ist längst nicht abgeschafft.