Die CDU ist in wirtschaftspolitischen Fragen weder existent noch seriös. Klaus Wowereit

Mut gehört zum Geschäft

Verlage fühlen sich durch die Umsonst-Kultur bedroht und errichten nach und nach Paywalls – ein guter Schritt, denn Qualitätsjournalismus wird sich auch im Internet bezahlt machen. Nationale Vorstöße in Sachen Leistungsschutzrecht sind hingegen wenig sinnvoll.

Der „Boston Globe“ setzt neuerdings, so war zu lesen, auf eine Paywall auf seiner Internetseite. Die Artikel werden damit zumindest teilweise kostenpflichtig. Der komplette Inhalt der Printausgabe soll den Usern 3,99 Dollar pro Woche wert sein. Die „New York Times“ bietet schon seit Längerem bezahlte Inhalte an. Bisher zählt sie über 220.000 digitale Abonnenten.

Beiße nicht die Hand, die dich füttert

Guten Journalismus gibt es nicht umsonst. Was bei den Printausgaben seit Jahrzehnten Normalität ist, haben die User der Internetseiten bisher nicht verinnerlicht. Die Verlage beginnen zaghaft damit, sich ihre digitalen Angebote teilweise bezahlen zu lassen. Sie sehen sich von einer „Umsonst-Kultur“ in ihrer Existenz bedroht. Auch deshalb setzen sie auf ein Leistungsschutzrecht im Internet. Newsaggregatoren wie die Nachrichtenseiten von Google oder Bing sammeln nicht nur Links zu aktuellen Artikeln, sondern bieten auch kurze Textauszüge, sogenannte Snippets. Hier sehen die Verlage eine Schutzlücke und sich zum Beispiel gegenüber Musikern schlechter gestellt. Ihr Ziel: Die Newsaggregatoren sollen für die Übernahme von Texten bezahlen.

Ein bürokratisches Gebührensystem könnte allerdings schnell an seine Grenzen stoßen und mutet im weltweiten Netz mit seinen unzähligen Angeboten auch nahezu unregelbar an. Zum einen dürfte es in der Praxis schwierig sein, die Leistungen klassischer Medienhäuser und anderer Akteure des Informationssektors, wie Bloggern, auseinanderzuhalten. Zum anderen profitieren Verlage sogar von Snippets, weil User durch sie auf deren Seiten gelotst werden. Google zufolge verhilft Google News jeden Monat zu mehr als vier Milliarden zusätzlichen Klicks auf Verlagsangebote – der Snippet funktioniert also als Appetizer. Verlage können ihre Rechte ohnehin selbst wahren, wie die Beispiele der „New York Times“ und der zum selben Verlag gehörende „Boston Globe“ gerade belegen – siehe oben. Dazu gehört Mut zum unternehmerischen Risiko.

Qualität setzt sich durch

In einem weltweiten Netz erscheinen nationale Alleingänge zudem nicht sinnvoll. Es wäre für die großen Player problemlos möglich, örtlich auszuweichen. Wer von Österreich aus den Link setzen würde, wäre von der neuen Leistungsschutzrechtabgabe befreit.

Geistiges Eigentum muss geschützt werden. Es gibt auch im Netz genügend Beispiele, in denen das Urheberrecht gut und sinnvoll ist. Es ist allerdings ein Unterschied, ob Google millionenfach Bücher einscannt, oder ob Verlage ihrem Geschäftsmodell mehr Profitabilität verschaffen wollen. Die Verlage sichern seit Jahrzehnten Qualitätsjournalismus in Deutschland – dafür werden sie über kurz oder lang auch immer mehr zahlende Kunden im Internet finden. Qualität setzt sich durch. Die Links im Netz sollten allerdings wie bisher kostenlos bleiben.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Peter Ganea, Volker Kauder, Manuel Höferlin.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Das Copyright im Internet

Die Quadratur des Kreises

Big_941382a896 5

Die von den Piraten vorgeschlagene Reform des Urheberrechts ist lächerlich. Die junge Partei kann nicht in Zusammenhängen denken. Sorgen müssen wir uns dennoch nicht machen.

Small_00b0f1c4b2
von Peter Ganea
03.08.2012

Recht auf Kunst

Big_34cd0749af 7

Wir müssen die Sorgen der Künstler genauso ernst nehmen wie die Ängste der Netzgemeinde vor dem Verlust von Freiheit. Fest steht jedoch: Ohne den Schutz des geistigen Eigentums ist die Zukunft von Kunst und Kultur bedroht.

Small_6760eebfac
von Volker Kauder
27.06.2012

Verwert-Mehrwert

Big_78573b09a6

Die Leistungen der Presseverlage sind grundlegend schützenswert – doch eine Verwertungsgesellschaft würde den Wettbewerb verzerren und Innovationen die Luft abschnüren. Die Alternative liegt auf der Hand.

Small_989a86d0e9
von Manuel Höferlin
26.03.2012

Mehr zum Thema: Journalismus, Internet, Leistungsschutzrecht

Kolumne

Medium_e994cea974
von Stefan Gärtner
28.12.2012

Gespräch

Medium_7cbefd312a

Debatte

Leistungsschutzrecht für Verlage

Medium_7970d2cdf8
7

Gleiches Recht für alle!

Informationsfreiheit bedeutet nicht Kostenfreiheit. Schon heute gibt es ein Leistungsschutzrecht für Tonträgerhersteller, Sendeunternehmen und andere Werkmittler. Warum also nicht auch für Verlage? weiterlesen

Medium_4a61d4cd3b
von Burkhard Schaffeld
19.09.2011
meistgelesen / meistkommentiert