Der Erzähler ist der Herr der Zeit. Rüdiger Safranski

Mut gehört zum Geschäft

Verlage fühlen sich durch die Umsonst-Kultur bedroht und errichten nach und nach Paywalls – ein guter Schritt, denn Qualitätsjournalismus wird sich auch im Internet bezahlt machen. Nationale Vorstöße in Sachen Leistungsschutzrecht sind hingegen wenig sinnvoll.

Der „Boston Globe“ setzt neuerdings, so war zu lesen, auf eine Paywall auf seiner Internetseite. Die Artikel werden damit zumindest teilweise kostenpflichtig. Der komplette Inhalt der Printausgabe soll den Usern 3,99 Dollar pro Woche wert sein. Die „New York Times“ bietet schon seit Längerem bezahlte Inhalte an. Bisher zählt sie über 220.000 digitale Abonnenten.

Beiße nicht die Hand, die dich füttert

Guten Journalismus gibt es nicht umsonst. Was bei den Printausgaben seit Jahrzehnten Normalität ist, haben die User der Internetseiten bisher nicht verinnerlicht. Die Verlage beginnen zaghaft damit, sich ihre digitalen Angebote teilweise bezahlen zu lassen. Sie sehen sich von einer „Umsonst-Kultur“ in ihrer Existenz bedroht. Auch deshalb setzen sie auf ein Leistungsschutzrecht im Internet. Newsaggregatoren wie die Nachrichtenseiten von Google oder Bing sammeln nicht nur Links zu aktuellen Artikeln, sondern bieten auch kurze Textauszüge, sogenannte Snippets. Hier sehen die Verlage eine Schutzlücke und sich zum Beispiel gegenüber Musikern schlechter gestellt. Ihr Ziel: Die Newsaggregatoren sollen für die Übernahme von Texten bezahlen.

Ein bürokratisches Gebührensystem könnte allerdings schnell an seine Grenzen stoßen und mutet im weltweiten Netz mit seinen unzähligen Angeboten auch nahezu unregelbar an. Zum einen dürfte es in der Praxis schwierig sein, die Leistungen klassischer Medienhäuser und anderer Akteure des Informationssektors, wie Bloggern, auseinanderzuhalten. Zum anderen profitieren Verlage sogar von Snippets, weil User durch sie auf deren Seiten gelotst werden. Google zufolge verhilft Google News jeden Monat zu mehr als vier Milliarden zusätzlichen Klicks auf Verlagsangebote – der Snippet funktioniert also als Appetizer. Verlage können ihre Rechte ohnehin selbst wahren, wie die Beispiele der „New York Times“ und der zum selben Verlag gehörende „Boston Globe“ gerade belegen – siehe oben. Dazu gehört Mut zum unternehmerischen Risiko.

Qualität setzt sich durch

In einem weltweiten Netz erscheinen nationale Alleingänge zudem nicht sinnvoll. Es wäre für die großen Player problemlos möglich, örtlich auszuweichen. Wer von Österreich aus den Link setzen würde, wäre von der neuen Leistungsschutzrechtabgabe befreit.

Geistiges Eigentum muss geschützt werden. Es gibt auch im Netz genügend Beispiele, in denen das Urheberrecht gut und sinnvoll ist. Es ist allerdings ein Unterschied, ob Google millionenfach Bücher einscannt, oder ob Verlage ihrem Geschäftsmodell mehr Profitabilität verschaffen wollen. Die Verlage sichern seit Jahrzehnten Qualitätsjournalismus in Deutschland – dafür werden sie über kurz oder lang auch immer mehr zahlende Kunden im Internet finden. Qualität setzt sich durch. Die Links im Netz sollten allerdings wie bisher kostenlos bleiben.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Till Kreutzer, Peter Ganea, Volker Kauder.

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