Das ist nun mal die Frage des Glaubens und daran kann man auch nichts ändern. Manne Dumke

Erhebt euch, Teutonen

Den Deutschen ist eine ungewohnte und ungeliebte Rolle zugefallen: Als letztes großes europäisches Land scheint die Merkel-Nation noch potent genug, Europa aus der Krise zu holen. Jetzt muss Berlin für sich und andere Verantwortung erheben.

Ein Gespenst geht um. Zurückgekehrt aus uralten Zeiten, als es Angst und Schrecken verbreitete. Nach Jahrzehnten entspannender Ruhe bemächtigt sich dieser böse Geist wieder vieler Köpfe. Man fürchtet ihn, hält ihn für egoistisch, arrogant und höchstgefährlich. Denn er will, so lautet der Verdacht, den anderen seinen Willen aufzwingen, sie unterwerfen und beherrschen. Erst Europa, dann vermutlich die ganze Welt. Das ist das Ziel, und die Währungs-, Schulden- und Sinn-Krise dient als willkommenes Mittel zum Zweck. Also nehmt euch in Acht vor diesem schauerlichen Gespenst namens Deutschland.

Ja, da ist er wieder, der hässliche Germane. Angehöriger eines Volkes, das nur sich selbst im Sinn hat. Aus dem Vorbild Deutschland ist innerhalb kurzer Zeit ein Zerrbild geworden. Griechen, Franzosen, Briten und Italiener – sie fühlen sich bedroht, unterstellen Berlin und der regierenden Kanzlerin Nationalismus und einen kaum kaschierten Eroberungsdrang. Wie konnte es nur dazu kommen? Wo ist die Bewunderung geblieben für ein Deutschland, das doch fast klaglos den braven Zahlmeister des Kontinents gibt? Und wird nicht permanent von Merkel und ihren Ministern gefordert, die Führungsrolle in diesen unübersichtlichen Zeiten zu übernehmen? Sogar der Internationale Währungsfonds und die USA fordern teutonische Tatkraft ein. Das passt doch nicht zusammen. Oder doch? So stehen wir nun selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Wo ist das Ich-halte-mich-aus-allem-raus-Deutschland?

Noch vor knapp einem Jahr sah die Welt aus hiesiger Sicht viel rosiger aus. Da war Deutschland beliebt, sehr beliebt, laut einer Umfrage der BBC sogar der beliebteste Staat weltweit. Eine heitere Nation, die düstere Zeiten verantwortungsvoll „aufgearbeitet“ und eine Teilung hinter sich gelassen hatte. Gelobt für ein erfolgreiches, weil weitgehend krisenresistentes Wirtschaftsmodell. Ein fortschrittliches Land, die Gegenwart im Blick und der Zukunft zugewandt.

Doch ein paar kleine taktisch-politische Fehltritte später zählt das alles nur noch wenig. Nun schießen Verdächtigungen und Vorurteile ins Kraut. Und manch einer wünscht sich das alte, das langweilige, das biedere, etwas devote und zwergenhafte Ich-halte-mich-aus-allem-raus-Deutschland zurück. Aber daraus wird nichts. Und das ist auch aus Sicht unserer Nachbarn eine gute Nachricht.

Denn das demokratische Deutschland, so formulierte es jüngst der Autor Reinhard Mohr im Magazin „Cicero“ treffend, ist erwachsen geworden. Es nützt keinem in Europa, wenn sich die Bundesrepublik kleiner macht, als sie ist. Im Gegenteil. Wer so gut und stark dasteht wie derzeit Deutschland, muss gewillt sein – jenseits von auftrumpfender Überheblichkeit –, Verantwortung zu übernehmen. In Vogel-Strauß-Manier wegducken, das war einmal. Jetzt gilt es, mit einer AAA-Bonität im Rücken in der ersten Reihe mitzugestalten.

Dazu bedarf es allerdings großer Besonnenheit und Klugheit. Berlins jüngster Vorstoß, einen Sparkommissar für Griechenland einzusetzen, oder die Verweigerungshaltung gegenüber Euro-Bonds zeugen nur vermeintlich von Souveränität und Weitsicht. Sie sind vielmehr dazu angetan, gängige Ressentiments zu bedienen: Deutschland geriere sich quasi als Besatzer und lasse gleichzeitig die nötige Solidarität für ein gemeinsames Vorgehen gegen die Euro-Krise vermissen. Das mag an den Haaren herbeigezogen sein. Dennoch bedarf es beim Beackern eines derart heiklen Terrains wie der Währungsunion deutlich mehr Fingerspitzengefühls, auch wenn die Wünsche des finanzstärksten Geldgebers nur allzu verständlich sind. Und die Dramatik der Finanzkrise ist wahrlich nicht dazu angetan, vertrauensbildend zu wirken. Aber aus gegenseitigem Vertrauen besteht genau die Währung, die Europa dringender denn je benötigt.

Egoismus und einsame Entscheidungen sind fehl am Platz

Eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, sich von überkommenen Vorbehalten endgültig zu verabschieden. Für die EU-Staaten bedeutet das, nicht hinter jedem Vorschlag aus Berlin den ersten Stiefelschritt auf dem Weg ins Vierte Reich zu wittern. Bei allem berechtigten Eigeninteresse hat das Deutschland von heute sehr wohl das Gemeinwohl Europas im Blick. Schließlich profitiert man von der EU, wirtschaftlich und politisch. Blanker Egoismus und einsame Entscheidungen sind da fehl am Platz. Alles und alle sind längst mit allem und allen verbunden. Ob es uns passt oder nicht – jeder weiß um die Gegebenheiten.

Deutschland wiederum muss lernen, was es mit sich bringt, eine selbstbewusste Nation zu sein: eigene Stärken und Schwächen kennen und Verantwortung übernehmen – für sich und andere. Kein leichtes Unterfangen auf dem spiegelglatten Parkett der Diplomatie mit ihren zahllosen politischen Fallstricken. Und Deutschland tut sich sichtlich schwer damit, nicht ins Schlingern zu geraten. Da fehlt es nach wie vor an Mumm, Courage und Selbstvertrauen. Warum so zurückhaltend? Die Zeiten der zaudernden Großmacht sind ebenso vorbei wie die der Angst verbreitenden, herrschsüchtigen Gespenster.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    derblondehans – 02.02.2012 - 07:40

    An Europa und den Rest der Welt: wenn ihr leben wollt wie die Deutschen, müsst ihr arbeiten wie die Deutschen.

    Für Deutschland muss gelten: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

  • Theeuropean-placeholder
    BiBo – 02.02.2012 - 09:51

    Zitat: “Gelobt für ein erfolgreiches, weil weitgehend krisenresistentes Wirtschaftsmodell. Ein fortschrittliches Land, die Gegenwart im Blick und der Zukunft zugewandt”

    Tja, wenn man so will, ist Deutschland gut durch die Krise gekommen, weil hier die Menschen sich NICHT gegen die Entwicklung gestemmt haben, NICHT einen zumindest gefühlten Einkommensverlust hingenommen und eine hohe Steuerlast abgeschüttelt haben. Mit anderen Worten, hiesige Entwicklungen waren in anderen Ländern nicht möglich, weil dort dann der Müll nicht mehr abgeholt wurde und die Züge still standen.

    Zum anderen, man könnte ja auch populistisch sagen, solange die anderen von der Entwicklung Teutoniens profitieren, sind wir beliebt, kommen wir der Erwartungsaltung nicht nach, ist Deutschland das böse nationalistische Land.

    Ich finde, ja, Deutschland hat eine moralische Verpflichtung den anderen Ländern zu helfen, schon allein aus unserer Historie. Aber zwingend notwendig sind dabei aber auch Mechanismen, die eine Vollkaskomentalität der anderen Länder beseitigen. Nach dem Motto, bekommen wir es nicht hin, weil wir wieder schludern, ZACK zahlt es der Deutsche. Ähnlich dem Denken im Finanzsektor, Bonus für Zockerei bei mir, Risiko beim Steuerzahler, weil systemrelevant.

  • Theeuropean-placeholder
    neon-golden – 02.02.2012 - 19:55

    Deutschland hat keine Verpflichtung aus seiner Historie heraus. Das ist blanker Unsinn, von den Aliierten nach dem Krieg erfolgreich in die Hirne gesetzt.
    Ich bin etwas über 40.
    Ich hatte mit Krieg und Nazis nichts zu tun.
    Ich fühle mich anderen Nationen, die auf unsere Kosten leben wollen absolut nicht verpflichtet!!!!

  • Theeuropean-placeholder
    90210qwe – 02.02.2012 - 10:16

    Stoppen Sie zu täuschen. Kommt schon auf hahaped und stellt es sicher!

  • Theeuropean-placeholder
    erick – 02.02.2012 - 11:11

    Nase voll von seinem hahaped!

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 03.02.2012 - 18:08

    erstaunlich peinliche Beiträge von Herrn neon-golden, bei derblondehans bin pro Nazisprüche ja mittlerweile gewohnt.

    Aber was schon witzig ist Nazis trauen sich nie mit bürgerlichen wahren Namen in die Foren. Ein Wahrer Preuße und Nationalsozialist sollte sich seines Namens doch nicht schämen?

    Unabhängig davon das Deutschland absolut unverzeihbare Kriegsverbrechen an mehreren Millionen Menschen verübt hat, für die man sich nur aufrichtig Entschuldigen kann, sollte man wenn man auf die Gegenwart schaut sehen das letztlich nur unser gemeinsames Europa friedlich vorankommt.

    Sicher wir Gründer Europas wurden als einer wegen mangelndem Demokratie Verständnis nie befragt ob wir den Euro oder die EU wollen.

    Wir wurden nie befragt wer in die EU darf, soll.

    Es ist für mich eher ein Problem asozialer repräsentativer Demokratie wie den eigentlich überfälligen Anspruch auf direkte Demokratie.

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