Anstatt ständig über Grillen zu reden, sobald das Thermometer regelmäßig die 20 Grad Marke überschreitet, könnte man ganz bescheiden eine Decke auf die Wiese legen, Salate, Schinken, Quiches, Obst und alles Mögliche auspacken und sofort genießen!!! Denn Grillen am Spätnachmittag unter freiem Himmel ist nicht immer “soo schön”, wie man es gern behauptet. Genauer betrachtet besitzt diese durchaus charmante Gewohnheit gewisse Unannehmlichkeiten.
Die schweißtreibende Mühe muss sich schon lohnen
Erst einmal muss man viel Geduld aufbringen, denn der Grill braucht einen langen Anlauf, bevor er bereit ist. Dann muss sich immer einer mit dem Barbecue beschäftigen, auf die Gespräche mit den Freunden verzichten, damit rechnen, dass Kohlestaub ins Auge flattert, und, als ob das nicht schon genug schweißtreibende Mühe wäre, sich auch noch dämliche Fragen anhören: “Funktioniert der Grill? Ist das Fleisch schon durch?” Kein Wunder, dass man sich nach so viel Aufwand verpflichtet fühlt, so viel Fleisch zu essen. Die Mühe muss sich schließlich lohnen! Das ist weder gesund noch angenehm bei warmen Temperaturen.
Merkwürdigerweise benutzt man bei diesem sehr populären Hobby noch nicht mal Qualitätsfleisch, sondern meistens diese eintönigen Rostbratwürste oder diese kleinen Würstchen (wie heißen die noch mal? – Nürnberger oder so).
“Komm doch zum Grillen ab 16 Uhr.” Ich glaube, bei der nächsten Einladung werde ich ein Picknick vorschlagen. Als Französin und noch mehr als Pariserin kann ich einiges über diese Erfahrung berichten. In Paris wird der Sommer nicht gleich mit Grillabenden assoziiert. Unsere steifen Parkverwalter erlauben nichts, was die perfekte Ordnung und Ästhetik der Gärten durcheinander bringen würde. Daher ist dieses qualmende Hobby streng verboten. Ein Bild wie das der freudigen türkischen Familien beim Grillen vor dem Schloss Bellevue ist in Frankreich völlig unvorstellbar. Meine Landsleute haben keine andere Wahl, als Picknicke zu organisieren, wenn der Sommer da ist. Jeder Zentimeter des Seine-Ufers und jedes noch so kleine Rasenstück der Stadt wird dann zu diesem Zweck ausgenutzt.
Man breitet eine Decke aus, jeder bringt etwas mit: der eine Salat, der zweite Schinken, der dritte Käse und natürlich Wein. So ist man auch gar nicht so sehr auf Fleisch fixiert. Man isst von allem ein bisschen, was das Herz begehrt und den Gaumen erfreut.
Komisch, diese Deutschen
Andere Vorteile, die sich aus dieser Wahl ergeben: Weder muss man mit dem Grill kämpfen, noch trägt man weiter dazu bei, die Umwelt mit CO2 zu verpesten. Komisch, diese Deutschen. Sie wollen sich immer gern als Ökoprofis darstellen, scheinen aber bei dieser Gewohnheit ihr grünes Gewissen völlig zu vergessen. Vielleicht reduziert man auch das Krebsrisiko bei etwas rückläufigen Grillaktivitäten. Ganz abgesehen von diesen nutzvollen Effekten macht Picknick einfach Spaß. Wann tauschen Sie denn ihr nächstes Barbecue gegen dieses unkomplizierte Hobby aus?





















Jetzt müssen wir Deutsche uns schon als Grillfanatiker beschimpfen lassen und als Ökoprofis a.D. Wahrscheinlich war die in Berlin lebende Autorin mit ihren Picknickdeckchen zu oft im Mauerpark oder VP Friedrichshain unterwegs und hat viel Grillqualm inhaliert. Ob Sie schon mal in den USA war?
Außerdem finde ich es schwierig gleich mal die CO2 Bilanz an Hand der genannten Fakten festzumachen. Klar liegt es Nahe, dass der dunkle, kohlenstoffreiche Grillqualm mehr CO2 freisetzt als die Picknicktruppe. Wie viel denn? Woher kommt denn die Picknick-Decke? Genäht in Bangalore und rübergeflogen? Und dann schön die Buttercroissants im Picknickkorb. Butter hat eine doppelt so schelchte CO2 Bilanz wie Rindfleisch. Und meistens liegen ja Schweinesteaks auf dem Rost, die sind im Verhältnis zu Butter fast schon unbedenklich. Hier mal die Studie, vielleicht für künftige Berichte als Vorspeise zu empfehlen: http://www.oeko.de/oekodoc/328/2007-011-de.pdf