Sie ärgert sich über diesen hippeligen Mann, der sie ständig unterbricht und die Gewohnheit hat, regelmäßig die Tagesordnung völlig durcheinanderzubringen. Er regt sich über ihre abwartende Haltung, ihr Zögern, ihren Hang zum Nachdenken statt zum Handeln auf. Diese beiden konnten das Eis trotz aller gemeinsamen Herausforderungen nicht zum Schmelzen bringen. Die Rede ist von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy.
Ihr persönliches Verhältnis spiegelt die Beziehung beider Gesellschaften wider. Zwar fasziniert Berlin eine wachsende Zahl von Franzosen und Paris bleibt eine Referenz in den Köpfen vieler Deutscher – dennoch lösen sich die Bindungen zwischen beiden Völkern immer mehr. Auf der bilateralen Ebene sind die Beziehungen intensiver denn je, das deutsche Kino findet immer mehr Anhänger in Frankreich, und die Band Tokio Hotel versetzt französische Teenager in Trance. Aber diese Phänomene wiegen nicht schwer in der Balance des deutsch-französischen Verständnisses.
Die Neugier für den anderen wird nicht angeregt
Die Distanz wächst jeden Tag mehr, weil vor allem die Sprache des Nachbarn immer weniger gelernt wird. Ohne sie gibt es keinen Zugang zu der Kultur und Gesellschaft des anderen. Die Kriege des 20. Jahrhunderts haben die älteren Generationen verpflichtet, sich für die deutsch-französische Freundschaft einzusetzen. Für die jüngeren Generationen spielen diese Ereignisse keine Rolle mehr. Die pompösen deutsch-französischen Regierungstreffen und die Anzahl der Vorschläge, die dort verbreitet werden, können nicht dagegenhalten. Wer kann sich schon für die Förderung von Elektro-Autos oder ein Abkommen beim Zivilrecht – zwei von den 80 Vorschlägen des letzten deutsch-französischen Ministerrats – wirklich begeistern? Es ist zwar bürgernah, weckt aber nicht die Neugier auf den Nachbarn.
Gleichzeitig nimmt die demografische Entwicklung beider Länder eine völlig gegenläufige Richtung. Während Frankreich Europameister bei der Geburtenrate ist, sinkt die Bevölkerungszahl hierzulande seit 2003. Die Deutschen altern in überschnellem Tempo. Wenn diese Tendenz sich weiter fortsetzt, wird Frankreich in der Mitte dieses Jahrhunderts mehr Einwohner haben als Deutschland. Eine Entwicklung, die nicht nur Auswirkungen auf die sozialen und wirtschaftlichen Systeme hat, sondern auch auf die Mentalitäten und den Alltag. Wenn Kinder ein Selbstverständnis auf der einen Seite des Rheins sind, bilden sie mehr und mehr nur eine Lebensart unter vielen auf der anderen Seite. Während französische Kommunalpolitiker sich den Kopf zerbrechen, um immer mehr Kinder in Krippen oder Tagesstätten unterzubringen, müssen in Deutschland Kindergärten geschlossen werden.
Es herrscht vor allem Indifferenz
Lange war Deutschland in den Augen vieler Franzosen ein potenziell bedrohliches Land – Symbol der Kriege des 20. Jahrhunderts. Der friedliche Charakter der Bevölkerung und die kulturelle Strahlkraft Berlins haben dieses Bild zwar zum großen Teil verändert. Dennoch herrscht heute aber vor allem Indifferenz. Es stellt sich die Frage, ob dies nicht schlimmer ist als Misstrauen angesichts der aktuellen Herausforderungen.




















Dieser Artikel kann nur von einem französischen Mitbürger(in) verfasst worden sein. Es ist d e r Hoffnungsschimmer, den die französische Nation hat. Deutschland durch die Geburtenzahl überrollen zu können und ihre Wichtigkeit zumindestens somit noch repräsentieren zu können. Ansonsten sind die Franzosen von Minderwertigkeitskomplexen gezeichnet und dies wird auch in jeder Radiodiskussion immer wieder hervortreten. Jeder wirtschaftliche Rückschlag, jeder Bedeutungsverlust wiegt schwer und lässt die Nation erzittern. Von deutsch-französischer Freundschaft ist wenig zu spüren. Wichtig allein ist, den Deutschen in irgendeiner Form Paroli bieten zu können und über den kleinsten Vorsprung jubeln zu können.
Wichtiger als deutsch-französische Freundschaft ist doch die Einsicht, daß beide Nationen jeweils zu schwach sind, um den Kontitent zu dominieren. Beide haben es versucht, beide sind gescheitert. Erst nach 1945 ist der Gedanke, daß beide Länder es mal zusammen versuchen sollten, konsensfähig geworden. Diese Einsicht hat Westeuropa über 60 Jahre Frieden und Wohlstand beschert und Krieg zwischen westeupäischen Ländern zu etwas Undenkbaren gemacht. Wir müssen die Franzosen nicht lieben und sie uns auch nicht (wobei es natürlich auch nciht schadet). Viel wichtiger ist, dass wir in der BEvölkerung die Einsicht wach halten, dass wir zur Kooperation verdammt sind. Erbfreunde eben.
Sehr geehrter Herr Ihr Name
Zu Ihrem Beitrag:
“Wichtiger als deutsch-französische Freundschaft ist doch die Einsicht, daß beide Nationen jeweils zu schwach sind, um den Kontitent zu dominieren.”
Sorry das ich Ihren Beitrag völlig daneben finde, ich meine die Chance von anderen Kulturen und Menschen lernen zu dürfen ist eigentlich das höchste Gut, das sich ein Mensch je erarbeiten kann.