Die Menschen interessieren sich zu wenig für Europa. Anthony Grayling

Zero Tolerance

Die Argumente für die Legalisierung von Drogen sind altbekannt, sie geistern seit über zehn Jahren durch die Öffentlichkeit – immer in einer neuen Verpackung. Falsche Argumente werden durch eine häufige Verwendung nicht richtig, zumal sie von Suchtforschern längst widerlegt wurden.

drogenlegalisierung, opium, deutschland, sucht

Der Standpunkt, die Prohibition sei gescheitert, weil immer noch Menschen Drogen konsumieren, spielt in der Debatte um eine Legalisierung aller Drogen eine zentrale Rolle. Als Beleg dafür wird der Opiumkrieg in China herangezogen. Dieser wurde von Großbritannien zur Einführung, Verbreitung und Marktdurchsetzung von Opium geführt, weil die Briten ihre hohen Tee- und Seidenrechnungen aus dem Chinahandel nicht in harter Währung bezahlen wollten.

Stattdessen drückten sie Opium aus Indien in den Markt. Es handelte sich also um eine Marktöffnungsstrategie mit dem Ergebnis, dass Armut, Verzweiflung und Todesfälle durch exzessiven Opiumgebrauch an der Tagesordnung waren. China versank im Opiumrausch. Dies als Beispiel für eine gescheiterte Prohibition heranzuziehen, verdreht in abenteuerlicher Weise die historischen Tatsachen.

Eine legale Verfügbarkeit steigert die Nachfrage

Ein weiteres Argument besagt, dass trotz der internationalen Drogenkontrollpolitik rund 200 Millionen Menschen weltweit, das entspricht 5 Prozent der Erwachsenenbevölkerung, illegale Drogen konsumieren. Diese geschätzten internationalen Zahlen werden erst dann nachvollziehbar, wenn man sie mit den in Deutschland erhobenen Zahlen vergleicht: In Deutschland rauchen rund 30 Prozent der Erwachsenenbevölkerung. Weniger als ein Prozent konsumiert sogenannte harte Drogen und rund 5 Prozent der Erwachsenenbevölkerung konsumieren sogenannte weiche Drogen. Eine legale und damit leichtere Verfügbarkeit von Suchtmitteln erhöht immer auch deren Nachfrage.

Wollen wir durch eine Legalisierungspolitik in Zukunft 30 Prozent statt einem Prozent Konsumenten? Welche Botschaft gibt ein Staat mit der Legalisierung? Heißt das, du darfst, kannst und sollst? Wer kommt für die Folgeschäden auf? Das Gesundheitssystem oder der Steuerzahler? Der Rausch wird also privatisiert und die Folgen der Sucht sozialisiert?

Komasaufen darf nicht die Regel sein

Schon diese wenigen Anmerkungen zeigen, dass die Befürworter einer Legalisierung von Drogen nicht nur international isoliert sind, sondern sich auch in der Sache auf einen Holzweg begeben haben. Noch abenteuerlicher ist der Vorschlag, dass der Staat durch Legalisierung, strenge Kontrolle und die Erhebung von Steuern endlich Geld für die Prävention hätte. Müssen wir also in Zukunft für genügend Abhängige sorgen, damit genügend Geld für die Prävention da ist?

Die Bundesrepublik Deutschland geht deshalb einen anderen Weg. Der Zugang zu legalen und illegalen Suchtmitteln muss insbesondere für die Jugend erschwert werden, Nichtrauchen der Normalfall werden und Komasaufen nicht mehr die Regel. Wir setzen uns als Verband für eine verlässliche Finanzierung der Prävention ein und dafür, dass der Zugang zur Gesundheit für alle ermöglicht wird. Deswegen brauchen wir mehr Informationen und mehr Präventionsangebote. Abseitige Debatten sind hierfür der falsche Weg.

Leserbriefe

  • Avatar
    Martin Wedel – 28.05.2010 - 13:53

    Drogen können nicht verlogen sein, sie sind einfach Stoffe, die bestimmte – wünschenswerte und weniger wünschenswerte – Wirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Nur Menschen oder von Menschen gemachte Politik können der Verlogenheit bezichtigt werden. Frau Caspers-Merk ist vielleicht von dem, was sie schreibt überzeugt, aber die von ihr verteidigte Drogenpolitik ist in höchstem Maße unglaubwürdig, ineffektiv und hat teils dramatische Konsequenzen für Menschen, die unter ihr zu leiden haben.

    Menschen auf der ganzen Welt werden so bspw. dazu gezwungen, das Rauschmittel ihrer Wahl in schlechtester Qualität unter menschenunwürdigen Bedingungen zu erwerben.

    Frau Caspers-Merk Menschenbild ist zudem sehr fragwürdig. Von mündige Menschen scheint sie keinen Begriff zu haben, wenn sie postuliert, durch eine Freigabe von Drogen würde es plötzlich 30 Prozent statt einem Prozent Konsument_innen geben. Nachdem in den Niederlanden Cannabis nach bestimmten Regeln freigegeben wurde, ist der Konsum keineswegs sprunghaft angestiegen.

    Udo Vetter vom lawblog (http://bit.ly/1lqviZ) hat die kürzlich von John Gray in der ZEIT (http://bit.ly/oYZro) für die Legalisierung von Drogen vorgebrachten Argumente wie folgt zusammen gefasst:

    - Etliche Länder (u.a. Mexiko) versinken nicht in der Drogensucht, sondern im Krieg der Drogenkartelle.
    - Die Kosten und Opfer der Drogenprohibition übersteigen bei weitem jedes gesundheitliche Risiko.
    - Das Drogenverbot kriminalisiert an sich rechtschaffene Menschen.
    - Die künstlich überhöhten Preise sorgen für Beschaffungskriminalität.
    - Das größte gesundheitliche Risiko ist nicht der Drogenkonsum, sondern durch die Verfolgung bedingte mangelnde hygienische Verhältnisse, die Gefahr von Überdosen und durch verunreinigte Drogen.
    - Drogenkonsum und Produktivität im bürgerlichen Beruf schließen sich nicht unbedingt aus.
    - Es gibt keinen moralischen Konsens mehr zur Ächtung von Drogen.
    - Die Gewinne aus dem illegalen Drogenhandel finanzieren andere Verbrechen und den internationalen Terror.

    U.a. diese Argumente kann Frau Caspers-Merk nicht widerlegen. Letztlich steht sie für einen überholten Ansatz in der Drogenpolitik, der nur durch das Apellieren an Vorurteile, staatliche Repression und das Verdrängen von Argumenten – siehe http://bit.ly/bV1gyy – aufrechterhalten werden kann…

    Sie fragen „Doch darf ein Staat dieses Tabu brechen?“. Ja, natürlich darf er es. Schließlich sind alle derzeit bestehenden Drogengesetze auch von Staaten erlassen worden.

    Weiterhin sehr lesenswert: “Drogenpolitik – die letzte Bastion der Planwirtschaft” (www.bisdro.uni-bremen.de/FSQUENSEL/bossong_scheerer.pdf)

  • Theeuropean-placeholder
    lukasz – 28.05.2010 - 18:08

    haha… frau kasperle ist ja gar nicht auf die wesentlichen argumente eingegeangen, sondern auf irgendwelche, die sie vermutlich in den 60er jahren mal von ein paar bekannten gehört hat, die dann aber nicht mit ihr spielen wollten – frau kasper, die welt hat sich weiter gedreht! lassen sie sich von ihrem sohn oder so vielleicht mal ein paar webseiten oder e-mails mit aktuellen informationen ausdrucken!

    ferner empfehle ich die stilberaterin von angela merkel – angela wirkt seit stilberatung viel weniger hässlich als früher! http://www.theeuropean.de/casper

    ;)

  • Theeuropean-placeholder
    pfui! – 07.06.2010 - 07:52

    Pfui!
    auch wenn ich die Meinung von Fr. Marion Caspers-Merk keineswegs teile, so hat sie ein Recht darauf und hat auch das Anrecht, in einer Diskussion ohne persönliche Diffamierung angesprochen zu werden.
    Wer nur mit solchen ‘Argumenten’ zu debattieren versucht, andere verunglimpft, ist selbst nicht debattenfähig und diskreditiert sich.

  • Theeuropean-placeholder
    Du bist ein Troll – 14.02.2011 - 12:08

    Troll!
    Wer so argumentiert, wie Frau Caspers-Merck, hat es durchaus verdient.
    Troll! Troll! Troll!

  • Theeuropean-placeholder
    Robert Ruhrgold – 28.05.2010 - 21:49

    “In Deutschland rauchen rund 30 Prozent der Erwachsenenbevölkerung. Weniger als ein Prozent konsumiert sogenannte harte Drogen und rund 5 Prozent der Erwachsenenbevölkerung konsumieren sogenannte weiche Drogen. Eine legale und damit leichtere Verfügbarkeit von Suchtmitteln erhöht immer auch deren Nachfrage.

    Wollen wir durch eine Legalisierungspolitik in Zukunft 30 Prozent statt einem Prozent Konsumenten?"

    Diese selten dumme Suggestivfrage, bzw. Schlussfolgerung ist eine Beleidigung für mich als Leser! Ich Frage mich warum solch ungebildeten Kleingeistern hier eine Plattform geboten wird. Eine Debatte setzt, nach meinem Verständnis, ein gewisses Hintergrundwissen vorraus. Über ebendieses scheint die Adressantin nicht zu verfügen. Meine Literaturempfehlung: “Paul Samuelson – Volkswirtschaftslehre” . Der Autor, seines Zeichens Nobelpreisträger, beschreibt dort äussert nüchtern und logisch, streng der ökonomischen Theorie der Neoklassik folgend, wie sich eine Legalisierung von Drogen volkswirtschaftlich niederschlägt…

  • Theeuropean-placeholder
    lukasz – 29.05.2010 - 13:29

    @Robert – danke für den Tipp!

    Und wegen ‘ungebildeten Kleingeistern’ – ich finde es nicht schlecht, dass sie hier zu Wort kommen. Sie sind nunmal leider ein Teil der Realität. Uns mag es unsinng vorkommen, aber ich Wette, Frau Caspers hat in ihrer Region einiges an ‘standing’/ Respekt und ist auch Meinungsbildend/ ein Meinungsführer. Vielleicht ist ihre offen kundgetaene Meinung ja ein Anstoss für den einen oder anderen mit ihr in den Dialog zu treten und sie positiv zu beeinflussen oder auch Herausforderung für den einen oder anderen sich zu Engagieren nach dem Motto – ‘hey, bevor die das Sagen hat, mache ich es lieber selbst’.

    Für Europa! ;)

  • Theeuropean-placeholder
    andrew – 31.05.2010 - 04:17

    Drogen sind gesundheitsschädliche Stoffe, die Physisch und Psychisch abhängig und Krank machen.
    Deswegen sollten und dürfen Sie meiner Meinung nach auch nicht Legalisiert werden.

  • Theeuropean-placeholder
    Lars Döhmann – 02.07.2010 - 15:34

    Zumindest manche sind doch legal: morgens um 7 Uhr läuft die Bierwerbung, obwohl in Deutschland jedes Jahr rund 40 000 Alkoholtote zu beklagen sind.
    Welcher Jugendliche findet denn Aussagen zu Drogen glaubwürdig, wenn der Selbstversuch beim Rauchen eines Joints praktisch ohne gravierende Wirkung ist?
    Nicht zuletzt sollten die Medien endlich aufhören, tödliche Drogen und Cannabis/ Hasch in einem Atemzug zu nennen. An Hasch ist noch nie jemand gestorben und es gibt keine tödliche Dosis.
    Der Staat lässt sich die Prohibition, den Verzicht auf Handel und daraus resultierende Mehrwertsteuer und Strafverfolgung jährlich mehrere Miiliarden kosten, die er an den Alkoholikern verdient.

  • Theeuropean-placeholder
    Markus – 07.11.2011 - 01:05

    Hallo andrew!
    Ich berichtige dich mal.
    Drogen sind gesundheitsschädliche Stoffe, die physisch und psychisch abhängig machen KÖNNEN! Man unterscheidet zwischen Experimentierkonsum, Gelegenheitskonsum, Gewohnheitskonsum und Abhängigkeitskonsum. Drogensucht entsteht (fast) immer mit einem Problemhintergrund. Die familiäre Situation, das soziale Umfeld, die Bildung sowie die allgemeinen Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Sucht. Demzufolge ist die Droge für labile Menschen weitaus gefährlicher als für unauffällige Menschen. Und zu Frau Marion Caspers-Merk kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Es steht nichts Sinnvolles in ihrem Beitrag. Ihre Argumentation war schon immer einseitig und oberflächlich. Sie ist resistent gegen Aufklärung und Wissenschaft. Auch die Alkoholprohibition hatte zur Folge, dass der Konsum durch Alkohol gesunken ist, allerdings waren die Nebenfolgen schlimmer….die organisierte Kriminalität hatte zu der Zeit ihren Ursprung.

Aus der Debatte

Drogenlegalisierung

Drogenkrieg in Mexiko

89523826 1

Drogen machen nur einen Teil des organisierten Verbrechens aus. Was wir brauchen, sind keine Debatten über Legalisierung, sondern tiefgreifende politische weiter...

Kopie_von_foto_del_dr
von Edgardo Buscaglia
26.09.2010

Drogensucht und organisiertes Verbrechen

88815815 1

Mexiko steht am Rande eines Bürgerkriegs. Die mächtigen Kartelle morden Tausende Menschen und verdienen gleichzeitig Millionen mit dem Verkauf von Drogen. Statt mehr Soldaten fordert Mexikos Ex-Präsident Vicente Fox: Legalisiert die Drogen!

Vicente_fox
von Vicente Fox
25.09.2010

Abhängig in Deutschland

Neil_sequeira_rauch_droge_nikotin 24

Die Bilanz der deutschen Drogenpolitik ist verheerend: 282.419 Straftaten im Zusammenhang mit harten Drogen, über 1.000 Drogentote pro Jahr. Die Regierung muss umlenken und endlich neue Konzepte entwickeln. Eine Enquete-Kommission wäre ein Anfang.

Nesko_kjf007_1_
von Wolfgang Nešković
03.06.2010

Mehr zum Thema: Drogenlegalisierung, Opium, Deutschland

Kolumne

Eberhardlauth
von Eberhard Lauth
04.06.2011

Debatte

Drogenkrieg in Mexiko

89523826

Drogenkrieg in Mexiko

Drogen machen nur einen Teil des organisierten Verbrechens aus. Was wir brauchen, sind keine Debatten über Legalisierung, sondern tiefgreifende politische Reformen. Nur durch die Bekämpfung von Kor... weiterlesen

Kopie_von_foto_del_dr
von Edgardo Buscaglia
26.09.2010

Debatte

Drogensucht und organisiertes Verbrechen

88815815

Drogensucht und organisiertes Verbrechen

Mexiko steht am Rande eines Bürgerkriegs. Die mächtigen Kartelle morden Tausende Menschen und verdienen gleichzeitig Millionen mit dem Verkauf von Drogen. Statt mehr Soldaten fordert Mexikos Ex-Prä... weiterlesen

Vicente_fox
von Vicente Fox
25.09.2010
meistgelesen / meistkommentiert