Es hilft nichts, das Recht auf seiner Seite zu haben. Man muss auch mit der Justiz rechnen. Dieter Hildebrandt

Kampf der Giganten

Die Dotcom-Blase hat die Giganten geformt, die nun um die Vormachtstellung kämpfen. Es ist die Schlacht um die Vormachtstellung eines sich ankündigenden goldenen Zeitalters - Angst vor einer Blase müssen wir deshalb im Moment nicht haben.

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Selbst wenn manche Investoren heute außerordentliche Profite machen, sollten wir die immer höheren Preise für die Übernahme neuer IT-Unternehmen nicht vorschnell mit der Dotcom-Blase der 90er-Jahre gleichsetzen. Die damalige Technologie-Blase war ein großes Experiment, welches jedes Mal zur Hälfte des Verbreitungsprozesses einer neuen technologischen Revolution stattfindet: Dabei zeigt sich, welche Produkte von Konsumenten akzeptiert und welche abgelehnt werden, welche Firmen führen und welche folgen – oder nicht überleben. Auf diese Art und Weise werden auch neue Infrastrukturen installiert und finanziert, bevor sie eigentlich profitabel sind. Investoren setzen dabei auf mehrere Firmen mit unterschiedlichen Qualitäten, in der Hoffnung, mit einer oder zwei von ihnen ein Vermögen zu machen. So entsteht eine Blase und schlussendlich ein Aktiencrash, den die gesamte Wirtschaft zu spüren bekommt. Siegreich gehen daraus nur wenige Giganten hervor.

Wer dominiert das kommende goldene Zeitalter?

Nun erleben wie die nächste Phase: Den Kampf dieser Giganten und das Entstehen von Oligopolen, welche das kommende goldene Zeitalter bestimmen. Giganten entscheiden, welche Firmen sie kaufen und wie viel sie dafür bezahlen, um sicherzugehen, dass ihre Konkurrenten sie nicht erwerben. Das ist allerdings kein halb blindes Wetten wie zu Zeiten der Blase, sondern eine Abfolge von wohlüberlegten Entscheidungen dieser reichen Firmen, um weiterhin an der Spitze mitzuspielen. Hohe Preise basieren dabei nicht auf Illusionen, sondern auf dem potenziellen Wert dieser Unternehmen für die Konkurrenz. So kämpfen die neuen Giganten in einem komplexen strategischen Spiel um mehrere Schlüsselbereiche einer Industrie, welche sie selbst definieren werden.

An dem Spiel nehmen auch „Angels“ und Venturekapitalisten teil, doch auch das lässt uns nicht von einer Blase sprechen (außer vielleicht in einem kleinen, lokalen Kontext): Ermutigt von den vielen Übernahmen, bereiten sie kleine Unternehmen für ihre Übernahme vor. Darunter fallen auch Börsengänge, denn einige der großen Schattenbanken (wie Goldman Sachs) investieren in Unternehmen, die anschließend gigantische Profite an der Börse bringen. Im Großen und Ganzen sind die aktuellen Ereignisse jedoch keine wachsende Blase, sondern ein großes Schachspiel, das die führenden Unternehmen der IT-Revolution formt, ihre Rangfolge bestimmt und auch zeigt, wie sie in Zukunft konkurrieren werden.

Aus der Geschichte lernen

In der Vergangenheit fand so ein Prozess bereits öfter statt. Während der zweiten industriellen Revolution gab es in Großbritannien die sogenannte Eisenbahnamalgation, ein Kampf um die wichtigsten Routen für ein starkes Transportnetz. Während der dritten Revolution entstand U.S. Steel aus den zahllosen Übernahmen kleiner und großer Stahlfirmen, als schließlich 60 Prozent der Industrie in den Händen von J.P. Morgan war. Auch aus den diversen amerikanischen Automobilkonzernen, die den Börsencrash von 1929 überstanden, wurden zum Schluss die großen vier. Jeder dieser Fälle ist anders, aber der Vorgang ist derselbe wie heute: Die Kernfirmen der IT-Revolution stecken ihre Bereiche ab und sind dabei bereit, stets größere Preise für einen neuen Juwel in ihrer Krone zu zahlen.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 26.05.2011 - 10:43

    persönlich denke ich dazu nur es gab Ende der 70èr Leute die in Videorecorder von Beta, Video2000 oder VHS investiert haben. Letztlich alle mußten sich wegen der veralteten Technologie entschädigungslos davon trennen.

    Heutzutage gibt es immernoch Spekulanten und Investoren die immernoch in RWE, EON und Vattenfall investieren, gut so totes Kapital läßt sich wenigsten von der Steuer abschreiben und naja witzig RWE baut weiter lustig AKW`s in http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-05/20263072-update-rwe-loest-akw-streit-in-niederlanden-und-plant-neubau-015.htm

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 26.05.2011 - 10:55

    kleiner Anhang, was RWE angeht:

    Jürgen Großmann hat eine Rabatzrede gegen den Atomausstieg gehalten. Der RWE-Chef warnt vor einer Bedrohung des Wirtschaftsstandorts Deutschland – und der Demokratie. Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass die Brennelementesteuer vor dem Aus steht.
    Info

    Berlin – Harte Worte fielen bei einer Tagung des CDU-Wirtschaftsrates in Berlin: RWE-Chef Jürgen Großmann hat die CDU von Kanzlerin Angela Merkel wegen des geplanten Atomausstiegs scharf kritisiert. Der Fokus der Politik auf ein festes Abschaltjahr beim Atomausstieg sei falsch, sagte Großmann. Die Bundesregierung solle keine fixen Termine für eine Zukunft nennen, “in der keiner der heutigen Entscheider noch regieren wird”.

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    Großmann schlug der Bundesregierung stattdessen vor, die Projekte der Energiewende alle drei Jahre zu überprüfen. So könne bei Bedarf Tempo gemacht oder gebremst werden. Als Zeitrahmen für die Atomlaufzeiten sprach der Manager von der “Kernkraft bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts”. Grundsätzlich sei eine Energiewende zwar zu schaffen – aber nur gemeinsam in Europa, nicht mit einem deutschen Alleingang. Er warnte vor einer “Ökodiktatur”.

    Großmann sagte, die Deutschen wollten alles zeitgleich: möglichst grünen und möglichst billigen Strom. Die CDU reagiere auf Bedürfnisse, mache aber nicht auf Konflikte aufmerksam. Er stellte in Frage, ob dadurch “der wirtschaftliche Erfolg generiert werden kann, der für wirtschaftliche Stabilität, möglicherweise sogar für unsere Demokratie nötig ist”.

    FDP und SPD gegen “Kuhhandel” mit der Brennstoffsteuer

    Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass die Brennelementesteuer vor dem Aus steht. Die Nachrichtenagentur dpa und die “Financial Times Deutschland” berichten übereinstimmend, die Abschaffung der milliardenschweren Brennelementesteuer sei im Gespräch, damit die Konzerne mehr in Ökoenergien investieren können.

    CSU-Chef Horst Seehofer teilt diese Einschätzung. Man könne nicht die Laufzeiten von Atomkraftwerken verkürzen und Öko-Investitionen verlangen und gleichzeitig die Energiekonzerne mit so einer Abgabe belasten, sagte der bayerische Ministerpräsident der “Süddeutschen Zeitung”. “Die Brennelementesteuer ist unserer Auffassung nach vom Tisch.”

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    Die Opposition witterte einen “Deal” mit den Atomkonzernen und betonte, nur mit einer Fortführung der milliardenschweren Steuer sei ein Konsens beim Atomausstieg machbar.

    Auch in der FDP und bei Unions-Haushältern gibt es Widerstand. “Die FDP hat keine Pläne zur Abschaffung der Kernbrennstoffsteuer”, sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kauch. Laut Koalitionsvertrag seien die Versorger an den Kosten der Sanierung des Endlagers Asse zu beteiligen. “Ein schlichter Verzicht darauf ist nicht möglich.”

    Sollte die Steuer gekippt werden, dürfte Merkels angestrebter Konsens mit der Opposition schwierig werden. “Auf diesen Kuhhandel der Bundesregierung lassen wir uns nicht ein”, sagte der Vorsitzende der SPD-Energiekommission, Thorsten Schäfer-Gümbel. “Die hochprofitable, aber subventionsverliebte Atombranche muss für die Folgekosten ihres eigenen Wirtschaftens zur Kasse gebeten werden.”

    lgr/dpa

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 26.05.2011 - 12:44

    Ich denke man sollte einen fairen steuerfinanzierten Langzeit Urlaub der auf Fukushima`s AKW`s für unsereren Vorreiter der Deutschen Atomwirtschaft Herrn Doktor Jürgen Großmann finanzieren.

    Strahlend sieht der bestimmt besser aus und begreift hoffentlich was er unseren Kindern letzlich antut, ansonsten wäre auch Tschernobil ein ebenso trauriges Urlaubsziel.Kinder mit entstellungen aufwachsen zu sehen ist echt kein spaß, man sollte Amerikanische Verhältnisse anlegen was Körperverletung angeht. Zuletzt 14 Millionen Dollar für eine Fehloperation am linken Handgelenk gut es war eine gute Klavierspielerin.

    Nur mal im ernst wir wünschten uns das Lohnniveau von Amerika haben aber die Spendenlust als Sozialamt von Europa für die Fehler anderer einzustehen und diese zu finanzieren.

    In Deutschland wundert sich die Politik warum kein Mensch mehr bereit ist Kinder in die Welt zu setzen? Kinder sollten in einem sicherem Umfeld aufwachsen, mit soetwas wie Zukunftsperspektive bei dem Rentenbetrug und Krankenversicherungsbetrug an uns “Alten” ist ja wohl der letzte Rest an Vertrauen in die Regierung verspielt.

  • Theeuropean-placeholder
    Siegfried Fischer – 27.05.2011 - 19:33

    Bereits 1952, als ich noch bis zum Jahre 1962 in Hiroshima und Nagasaki lebte und arbeitete, stockte mir wiederholt der Atem, wenn ich in meinem Lebensumfeld z.B. auf Menschen ohne Gesichter und mit grausamen Verbrennungen stieß. Aus dieser Erfahrung kann ich Ihnen versichern, daß ich mich selbst nach 10 Jahren in der Umgebung dieser Strahlenopfer noch fehl am Platze fühlte, weil mir immer wieder ver-
    deutlicht wurde, daß es eine verantwortung lose Handlung war,Menschen unbeherrschbaren Energien auszusetzen, wofür bis heute keine valide Rechtfertigung existiert.

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 28.05.2011 - 00:01

    Naja mein Mitleid was Wirtschaftspekulanten, Erpresser der Demokratie angeht die auf kosten Deutscher Steuerzahler und deren Gesundheit sich selbst nur bereichern wollen hält sich extrem in Grenzen ich meine Herrn Doktor Jürgen Großmann Vorstandsvorsitzender von RWE der fröhlichst einen weiteren Neubau eines AKW`s in den Niederlanden mitbauen will und das auch noch mit Zuzahlungen durch die EU.

    Sorry aber da wünscht man sich das es soetwas wie einen möglichst schnellen Ausstieg aus der EU und dem Euro gibt.

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