Die Katholiken müssen mit antiquierten Werten aufräumen. Klaus Wowereit

Kerntechnische und andere Irrtümer

Was unterscheidet die Kernreaktoren in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima voneinander? Und was ist Deutschland anders als bei den drei genannten – und havarierten – Atommeilern? Und wie sehen die Alternativen zur Kernkraft von der Kostenseite her aus? Und zur Windkraft: Wer beseitigt die riesigen Betonblöcke im Erdreich, wenn ein Windrad ausgedient hat? Die Energiewende: ein riesiges Rätsel!

Die in Deutschland betriebenen Druck- und Siedewasserreaktoren sind sogenannte Leichtwasserreaktoren, die also mit normalem Wasser und angereichertem Uran betrieben werden. Im Gegensatz dazu gibt es – zum Beispiel in Kanada und Argentinien – Schwerwasserreaktoren, die mit Schwerem Wasser (Deuterium) und Natururan arbeiten. Leichtwasser- und Schwerwasserreaktoren unterscheiden sich nur durch konstruktive Details und können zu Wassermoderierten Reaktoren zusammengefasst werden. Daneben gibt es weitere Reaktortypen, bei den es zu einer Kernschmelze kommen kann. Zu diesen zählen die Graphitmoderierten Reaktoren mit Wasserkühlung, so zum Beispiel der Tschernobyl-Reaktor. Allen diesen Reaktoren ist gemeinsam, dass sie mit langsamen, mit moderierten Neutronen arbeiten. Daneben gibt es andernorts weitere Reaktortypen, die mit „schnellen“ Neutronen arbeiten.

Eine Kernschmelze stellt nach Aussagen eines Lesers, der meinen Blogs kritisierte und den ich hier ausführlich zitiere, einen erheblichen betrieblichen Störfall dar, der aber keine relevanten Auswirkungen auf die Umgebung hat. Auslegungsübersteigende Unfälle („China-Syndrom“) können demnach mittlerweile vollständig ausgeschlossen werden. Tschernobyl ist ein Stück Vergangenheit, ein Leuchtzeichen des gescheiterten des Sozialismus. Und auch des Fehlens sämtlicher Sicherheitseinrichtungen an einer brandgefährlichen Konstruktion war ein Merkmal dieses Scheiterns. Eine Havarie wie in Fukushima schließlich ist bei uns vollkommen ausgeschlossen. Die propagierte Gefahr durch Flugzeugabstürze ist maßlos übertrieben. Selbst die Kosten eines GAUs, wie sie von Greenpeace veranschlagt werden, sind geringer als die Kosten der ‚Energiewende’. Um die Punkte zu belegen, präsentierte mein Leser, er heißt Dieter Glatting, zunächst den Begriff der Kernschmelze und führte dann Erläuterungen an, die ich hier auszugsweise weitergebe und die hier vollständig zu lesen sind.

Begründung: der Stand der Kerntechnik

Eine Kernschmelze sollte zuerst einmal durch ausreichende Sicherheitssysteme sowie einer in allen Situationen gewährleitesteten Stromversorgung verhindert werden. Falls es trotzdem zu einer Kernschmelze kommen sollte, würden die Auswirkungen durch den Sicherheitsbehälter auf den inneren Bereich des Reaktorgebäudes beschränkt bleiben. Der Sicherheitsbehälter besteht im Wesentlichen aus einem kugelförmigen Stahlbehälter. Dieser gibt Druckwasserraktoren ihre charakteristische Form. Bei Siedewasserreaktoren ist die Kugel wesentlich kleiner, womit keine Kugel von außen zu sehen ist. Die Sicherheitsbehälter sind dafür ausgelegt, die bei der Kernschmelze entstehenden Gase sicher einzuschließen. Durch automatisch, ohne Strombedarf von außen, anspringende Wasserstoff-Rekombinatoren wird dabei die Explosionsgefahr gebannt.

Eine solche Explosion richtete die hauptsächlichen Zerstörungen in Fukushima in den Blöcken 1 und 3 an, als sich Wasser bei sehr hohen Temperaturen am Reaktorkern in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegte, also zu „Knallgas“. Durch Wasserstoff-Rekombinatoren wird das Knallgas zuverlässig zu Wasser rekombiniert und der Druck im Sicherheitsbehälter reduziert. Nachdem sich stabile Verhältnisse im Sicherheitsbehälter eingestellt haben und sich die Aerosole weitestgehend niedergeschlagen haben, kann man eine günstige Windrichtung abwarten und den Sicherheitsbehälter über die Aktivkohlefilter entlasten. Damit werden alle gefährlichen Strahler zurückgehalten. Lediglich radioaktive Edelgase, vorrangig Argon, sowie der nicht rekombinierte Wasserstoff werden dann über den Schornstein freigesetzt. Dies stellt keine Gefahr für die Umgebung dar.

Was geschah in Harrisburg und Tschernobyl?

Bei der Kernschmelze in Harrisburg wurde dieses Sicherheitskonzept der Wasserstoff-Rekombination sozusagen im „Heißversuch“ am Bauteil erfolgreich getestet. Die Unfallanalyse ergab jedoch unter anderem, dass bei einem zusätzlichen Stromausfall die Sicherheit nicht gewährleistet gewesen wäre. Dies betraf die Klappen zu den Kaminen und Filtern, die mit Hydrauliksystemen gegen den Druck im Sicherheitsbehälter geöffnet werden mussten – dies verursachte die Explosion in Fukushima Block 2. Daher wurden in der Folgezeit alle westlichen Kraftwerke mit bei entsprechendem Überdruck automatisch öffnenden Ventilen nachgerüstet. Diese wurden in Deutschland als „Wallmann-Ventile“ bekannt. Auf die vielen weiteren Verbesserungen, die aufgrund der Unfall- und Störfallanalysen im Laufe der Jahrzehnte durchgeführt wurden, kann in diesem Rahmen nicht eingegangen werden. Es bleibt festzuhalten, dass durch die Kernkraftwerke in den USA und Europa seit Harrisburg auch bei einer Kernschmelze bei Blackout keine Gefahr ausgegangen wäre.

Bei Tschernobyl handelte es sich dagegen um einen Graphitmoderierten Reaktor mit Wasserkühlung. Dieser Reaktor stand zudem lediglich in einer leichten Werkhalle. Von Einschluss mittels Sicherheitsbehälters also keine Spur. Daher gab es keine Ventile, Kamine, Aktivkohlefilter, Wasserstoff-Rekombinatoren und andere Sicherheitsmaßnahmen nach westlichem Standard. Dazu kam, dass dieser Reaktor schlecht zu regeln war. So wurde eine Vollbremsung versucht, indem man Wasser eingespeiste. Wasser ist jedoch auch ein Moderator und bremst Neutronen daher ab auf Geschwindigkeiten, die die Kernreaktion erst ermöglichen, worauf das Kraftwerk voll durchgestartete. Das ist in etwa so wie wenn man das Gaspedal voll durchtritt, das Pedal hängenbleibt und dabei die Bremse ausfällt. Dies alles bei einem Auto, bei dem der Benzintank vorne auf der Stoßstange montiert ist. Denn jetzt konnten die 2.000 t Graphit ihr Brandpotential voll entfalten. Diese Unterschiede wurden in Deutschland natürlich nie thematisiert, vielleicht aus Unkenntnis, vielleicht weil vielen Kommentatoren ein Feindbild abhandengekommen wäre.

Auch in Fukushima war übrigens einiges anders als in Harrisburg. Da die havarierten Blöcke von General Electric (GE) gebaut wurden, stellt sich natürlich die Frage, was da anders war. Die Antwort ist einfach: Keine funktionierende Notstromversorgung, keine Wasserstoff-Rekombinatoren, keine Aktivkohlefilter, keine Wallmann-Ventile. Im Übrigen ist niemand in Fukushima an Strahlung gestorben, stattdessen gab zahlreiche Tote durch die Evakuierungsmaßnahmen. Die WHO schloss ein erhöhtes Krebsrisiko für die Bevölkerung aus. In Japan werden die Kernkraftwerke seit Fukushima auf den Stand der Technik nachgerüstet – und dann weiterbetrieben.

Auch Brandlasten im Zusammenhang mit einem Flugzeugabsturz können die Betriebssicherheit nicht ernsthaft gefährden. Beim Kraftwerksdesign geht man davon aus, dass bei einem durch Flugzeugabsturz ausgelösten Brandfall jeweils zwei räumlich getrennte Notstromdieselsysteme, Warten und Schaltanlagen ausreichen würden, um die Stromversorgung im Schadensfall zu übernehmen und um das Kraftwerk innerhalb von vier Stunden über Not- und Nachkühlsysteme herunterzuregeln. Da so ein Flugzeugabsturz nicht ganz unbemerkt bliebe, sollte es in den vier Stunden möglich sein, den Brand zu löschen, Ersatzpersonal heranzuführen, die Notsteuerstelle zu besetzen und das Kraftwerk in einen sicheren Zustand zu überführen. Da ein Reaktorgebäude von außen einwirkenden Flammen kaum Angriffsfläche bietet, hat man auf einen detaillierten Nachweis, dass an jeder Stelle die komplette Treibstoffladung eines Jumbos abbrennen könnte, verzichtet. Teilweise wurden weltfremde, unerfüllbare Forderungen gestellt, um eine Sicherheitslücke behaupten zu können, die es so nicht gibt.

Sind Windkraftanalagen wirklich umweltfreundlich?

Und wenn es tatsächlich zu einer massiven Freisetzung von Radioaktivität kommen würde, was nach den vorstehenden Ausführungen eigentlich nur bei einem Meteoriteneinschlag zu befürchten ist, dessen Wahrscheinlichkeit auch auf Zeitskalen von einer Million Jahren extrem gering ist, so veranschlagt beispielsweise Greenpeace die Kosten dafür mit geschätzten 430 Milliarden Euro. Dies ist aber immer noch ein kleiner Betrag im Verhältnis zu den Gesamtkosten der Energiewende, die im übrigen die Versorgungssicherheit nach heutigem Stand der Technik nicht gewährleisten kann. Bei großen Windkraftanlagen bestehen die Fundamente aus tausenden Tonnen an hoch verdichtetem Stahlbeton, deren Beseitigung mit einem deutlich sechsstelligen Betrag zu Buche schlägt – pro Windrad. Die Umweltbilanz eines Windrades wird sich im manchem Fall nicht erbaulich lesen, denn die Rückbaukosten bewegen sich im Falle der Windkraft in ähnlichen Größenordnungen wie diejenigen von Kernkraftwerken – auf das Megawatt an installierter Leistung umgerechnet. Was für ernüchternde Aussichten für die so hochgelobte Energiewende!

Mehr zu den Kosten für den Rückbau von Windkraftanlagen finden Sie hier.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Florian Josef Hoffmann, Florian Josef Hoffmann, Egidius Schwarz.

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