Die Rettung der Welt

von Bjørn Lomborg5.01.2015Wirtschaft

2015 werden neue UN-Millenniumsziele gesetzt. Das Mindeste ist, nach den Sternen zu greifen.

Im Jahr 2000 hat die UN den Grundstein für die Millenniums-Entwicklungsziele gelegt: 21 meist klar formulierte und erreichbare Ziele in acht Bereichen, darunter Armut, Hunger, Geschlechtergleichheit, Bildung, Kinder- und Müttersterblichkeit.

Diese Zielsetzung ist extrem erfolgreich ­gewesen. Sie hat nicht nur dazu geführt, dass deutlich mehr Entwicklungsgelder zur Verfügung gestellt wurden – sondern die Welt wirklich besser gemacht. Unter anderem wurde damals angekündigt, den Anteil der Hungernden gegenüber dem Jahr 1990 zu halbieren. Der Fortschritt war ­erstaunlich: 1990 hungerten in den Entwicklungsländern 24 Prozent der Menschen. 2012 waren es „nur“ noch 14,5 Prozent und 2015 wird beinahe die angestrebte Halbierung erreicht sein.

Auch wurde versprochen, den Anteil der Armen zu halbieren. 1990 lebten 43 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern mit weniger als einem Dollar am Tag. 20 Jahre später sind es nur noch halb so viele. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, sinkt der Anteil der Armen im Jahr 2015 auf unter 15 Prozent. Das ist spektakulär.

Klare Prioritäten

Doch was folgt als Nächstes? Im kommenden Jahr laufen die Millenniumsziele aus. Die UN hat deshalb schon auf der Earth-Konferenz in Rio 2012 damit begonnen, nachhaltige Entwicklungsziele für 2015 bis 2030 zu skizzieren. Bis die neuen Ziele (hoffentlich) beschlossen werden, wird es noch einen wilden Tanz der Länder, UN-Organisationen und NGOs geben. Im Juli hat eine Expertengruppe einen ersten Vorschlag gemacht und 169 Ziele vorgelegt. Bei so einer Zahl kann einem schwindelig werden – es braucht dringend klare Prioritäten.

Durch die Nachhaltigkeitsziele wird festgelegt, wie der größte Teil der 2,5 Billionen US-Dollar eingesetzt wird, die die Welt bis 2030 zur Entwicklungshilfe einzusetzen gedenkt. Um das Geld effektiv zu verwenden und möglichst vielen Menschen zu helfen, muss sich auf die Ziele konzentriert ­werden, die den größten Nutzen garantieren.

Mein Thinktank, das Copenhagen Consensus, hat in einem Projekt erarbeitet, mit welchen Zielen wir das Beste für einen Dollar kriegen. 62 Teams aus namhaften Ökonomen arbeiten den Rest des Jahres daran, in 19 zentralen Feldern Kosten und Nutzen der Entwicklungshilfe zu kalkulieren.

Die Schätzungen werden nicht nur ökonomische Vorteile umfassen, sondern auch positive Effekte für Gesundheit, gesellschaftliches ­Zusammenleben und Umwelt einbeziehen. Die Ergebnisse lassen wir durch weitere Fachleute prüfen; UN-Vertretungen, NGOs und Unternehmen werden sie kommentieren. Zum Schluss soll ein Panel, das unter anderem zwei Nobelpreisträger umfasst, alle Ziele in Kategorien von „phänomenal“, „gut“, „angemessen“ bis „dürftig“ einordnen.

Wann werden Ziele zu Sehnsüchten?

Phänomenale Ziele werden als Farbe ein dunkles Grün erhalten, angemessene Ziele Gelb und dürftige Rot. So ein eingängiges Schema wird den schwer beschäftigten Entscheidern dieser Welt hoffentlich helfen, die effektivsten Ziele zu wählen. Doch weil die Verhandlungen bereits laufen, haben wir unsere Ökonomen gebeten, uns einen vorläufigen Stand der Dinge zu geben.

Sie finden zum Beispiel, dass die Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose phänomenale Ziele sind. Die Kosten fallen niedrig aus, weil die Lösungen simpel, billig und gut erforscht sind. Die Vorteile dagegen sind groß, nicht nur weil Krankheit und Tod verhindert werden, sondern auch, weil dadurch in den Gesellschaften ein produktiver Kreislauf in Gang kommen kann.

Genauso sollten wir uns darauf konzentrieren, Mangelernährung mindestens zu halbieren. Es gibt robuste Erkenntnisse darüber, dass sich eine gute Ernährung von jungen Kindern ein Leben lang auszahlt: Das Hirn entwickelt sich besser, die akademischen Leistungen steigen und die Produktivität als Erwachsener wird erhöht. Jeder jetzt eingesetzte Dollar bringt künftigen Generationen 60 Dollar ein.

Doch an welcher Stelle werden Ziele zu schlichten Sehnsüchten? Während viele Zielsetzungen löblich sein mögen, können sie sich doch in der Praxis als unrealistisch erweisen – und den Prozess dadurch eher behindern als fördern. Ein Beispiel: Es klänge gut zu fordern, Unterernährung komplett zu besiegen. Doch das wäre zu optimistisch und ineffizient obendrein. So ein absolutes Ziel können wir kaum erreichen, und falls doch, wären so viele Ressourcen nötig, um auch der letzten hungernden Person zu helfen, dass wir dieses Geld ­lieber anderswo einsetzen sollten.

Einige vorgeschlagenen Ziele sind an sich ineffektiv. Dass der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 verdoppelt werden soll, klingt zum Beispiel gut in der Theorie, ist praktisch aber eine sehr teure Methode, den CO2-Ausstoss lediglich sehr moderat zu reduzieren. Es wäre sinnvoller, den Fokus darauf zu legen, armen Menschen einen besseren Zugang zu Energie zu ermöglichen. Diese Methode hat sich bewährt, um Wachstum zu schaffen und Armut zu lindern. Und um die Kohlenstoffemission zu senken, könnten dann die Subventionen fossiler Brennstoffe gekappt werden, die in vielen Ländern der Dritten Welt existieren. Dort wird Benzin teilweise für wenige Cents verkauft, was zur Verschwendung motiviert.

Die schlussendliche Entscheidung über die Ziele für 2015-2030 wird natürlich eine politische sein. Kein Zweifel, die Ökonomie ist nicht die einzige Messlatte, die die Weltgemeinschaft anlegen sollte. Aber Kosten und Nutzen spielen eine wichtige Rolle. Denn wenn gut dokumentierter ökonomischer Rat dabei helfen kann, dass einige dürftige Ziele durch phänomenale ersetzt werden, kann das die Welt verändern.

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