Der Mythos staatlicher Souveränität hilft Unternehmen, uns zu bescheißen. Thomas Piketty

Die Wohlfühllügen von Greenpeace & Co.

Seit Jahren wird die Entwicklung von genetisch verändertem goldenen Reis von reichen Westlern verhindert. Millionen Kinder starben in dieser Zeit. Wir müssen uns endlich fragen, wer daran zumindest Mitschuld trägt.

Vorigen Monat haben Aktivisten auf den Philippinen ein Versuchsfeld mit modifiziertem „goldenen Reis“ zerstört. Unterstützt von Organisationen, die es zwar gut meinen, aber in die falsche Richtung steuern, ruinieren diese Leute die Chance, jährlich 680.000 Tote zu vermeiden. Moralisch ist das unvertretbar.

Goldener Reis ist genetisch so modifiziert, dass er Vitamin A enthält. Was wichtig ist, weil etwa drei Milliarden Menschen auf Reis als Grundnahrungsmittel angewiesen sind, dabei aber Gefahr laufen, eine Vitamin-A-Unterversorgung zu erleiden. Die WHO schätzt, dass solch ein Mangel jährlich zwischen 250.000 und 500.000 Kinder erblinden lässt. Die neusten, von „The Lancet“ veröffentlichten Studien gehen davon aus, dass jedes Jahr 668.000 Kinder unter fünf Jahren an einem Vitamin-A-Mangel sterben.

Sollen sie doch Vitamin-Kuchen essen

Dennoch verhöhnen Aktivisten von Greenpeace bis Naomi Klein den Versuch, goldenen Reis zu nutzen, um diesen Missstand zu beheben. Eine beliebte Behauptung ist dabei, dass man täglich bis zu sieben Kilogramm goldenen Reis essen müsse, um genügend Vitamin A zu sich zu nehmen. Das ist schlichtweg falsch. Zwei kürzlich erschienene Studien zeigen, dass schon 50 Gramm bis zu 60 Prozent der benötigten Tagesdosis decken können – mehr als bei Spinat.

Doch Greenpeace empfiehlt armen Farmern lieber, sie sollten mehr vitaminreiche Gemüse einkaufen. Für reiche Westler ist dieser Rat natürlich billig. Offensichtlich hat das den Vitaminmangel der vergangenen 20 Jahre nicht gelindert. Nein, dieser Rat gleicht vielmehr dem Vorschlag, sie sollten doch vitaminreichen Kuchen essen.

Allgemein bekennen Aktivisten, sich um die Gesundheit der Menschen und die Umwelt zu sorgen. Und doch zerschlagen sie die Testfelder, die genau dazu beitragen sollen, dass das gerettet wird, worum sie vorgeben, sich zu sorgen.

Mehr noch. Das leichtfertige Zerstören des „Frankenfood“ wird von keinerlei wissenschaftlicher Erkenntnis gestützt. Im Gegenteil wurde wieder und wieder bestätigt, dass genmanipulierte Nahrungsmittel sicher und oft besser für die Umwelt sind. Die US National Academies stellen fest: „Bis heute konnte kein negativer Effekt von genetisch veränderter Nahrung auf die menschliche Gesundheit nachgewiesen werden.“

Verbraucher auf der ganzen Welt verunsichert

Die American Association For The Advancement Of Science drückt es noch deutlicher aus : „Die Wissenschaft ist eindeutig: Die Verbesserung von Pflanzen durch moderne Molekulartechniken ist sicher.“ Und die EU-Kommission resümiert aus 25 Jahren Forschung: „Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass von genmanipulierten Lebensmitteln höhere Risiken für Umwelt oder Gesundheit ausgehen als von konventionellen Pflanzen oder Organismen.“

Vielmehr beschreiben die US National Academies genetisch veränderte Pflanzen als stärker umweltfreundlich: „Allgemein hat der Anbau genmanipulierter Pflanzen weniger negative Effekte auf die Umwelt als konventionelle Produktionen.“

Doch die dubiosen Behauptungen der Gegner haben die Verbraucher auf der ganzen Welt verunsichert und auf den Philippinen zur Vernichtung der Felder geführt. Die dortigen Aktivisten gaben denn auch zu, von „Warnungen“ durch Wissenschaftler und Bauernführer angestachelt worden zu sein. Greenpeace macht keinen Hehl daraus, derartige Ängste bewusst geschürt zu haben: „Auf den Philippinen unterstützen wir die Ablehnung gegenüber goldenem Reis in der Mindanao-Region. Wir werden unsere Kampagne gegen den Anbau genveränderter Reissorten fortsetzen und den öffentlichen Widerstand fördern.“

Millionen unnötige Tote

Ohne jeden Anflug von Ironie nennt Greenpeace den goldenen Reis nun einen Misserfolg, weil nach „fast 20 Jahren Entwicklungsarbeit noch immer kein Einfluss auf die Häufigkeit von Vitamin-A-Mangel“ beobachtet werden könne. Ja, klar. Nur liegt der Grund dafür genau in dem unwissenschaftlichen Widerstand, den reiche gut meinende Westler organisiert haben.

Mit ihren immer neuen und immer falschen Beschuldigungen haben sie es geschafft, die Entwicklung von goldenem Reis um mehr als zwölf Jahre zu verzögern. Während dieser Zeit starben rund acht Millionen Kinder an Vitamin-A-Mangel. Wer Felder zerschlägt und die Entwicklung von goldenem Reis weiter verzögert, fügt dem möglicherweise weitere Millionen unnötiger Toter hinzu.

Wir müssen uns jetzt fragen: Sind all diese Anti-Gen-Aktivisten nicht zumindest teilweise mit verantwortlich für die Millionen gestorbenen Kinder?

Übersetzung aus dem Englischen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Bjørn Lomborg: Priorität Nummer 17

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