Meine Kunden sind so vielschichtig wie ihre Wünsche, mit denen sie zu mir kommen. Und das ist gut so. Am liebsten sind mir Auftraggeber, die sagen: “Hier sind die Schlüssel, machen Sie mal.” Das kommt in der Realität leider selten vor. Aber in dem Fall des – zu Unrecht von seiner Gattin verlassenen und nunmehr wieder – Junggesellen war’s so. Der Auftrag wurde lediglich präzisiert, indem er mir noch sagte: “Jede Frau, die hier reinkommt, soll denken: Wow, hat der Typ einen geilen Geschmack!” Nichts ist leichter als das, antwortete ich, und los ging’s.
Das Objekt: ein Traum von einem Altbau im Westen Berlins. 280 Quadratmeter, davon die Hälfte leer, da ja die Exfrau ihren Anteil an Mobiliar mitgenommen hatte. Nach der Erstellung eines Farb- und Lichtkonzeptes ging es darum, die bereits vorhandenen Möbel, zum Teil auch Antiquitäten, in ein Gesamtkonzept mit einzubeziehen. Von einer Bibliothek bis hin zur Umgestaltung der Kaminecke blieb kein Wunsch offen. Das Ergebnis: ein auberginefarben gestrichenes Esszimmer, flankiert von Wänden der ineinander übergehenden Räume in zwei verschiedenen Graunuancen. Und ein begeisterter Kunde.
Die Tristesse der DDR-Architektur hatte etwas Bedrückendes
Neulich bin ich in eine eher bescheidene Ecke Berlins gefahren. Die Tristesse der DDR-Architektur mit ihren Plattenbauten und kleinen Siedlungshäuschen hatte etwas Bedrückendes. Irgendwie kam mir die Gegend suspekt vor. Wahrscheinlich gucke ich als Krimi-Freund zur viel “Tatort”. Egal, dachte ich mir und hinterließ in deutlichen Lettern sichtbar auf dem Beifahrersitz deponiert die Nachricht: Bin in der XYZ-Straße Nummer sowieso im Dachgeschoss. Als ich dann von der freundlichen Kundin in Empfang genommen wurde und sie mir ein wenig verlegen ihr kleines Reich präsentierte, wurde ich geradezu überwältigt von meinem schlechten Gewissen. Aber nach der einstündigen Beratung, in der es um Farben und das Neuarrangement der vorhandenen Möbel ging, war ich zufrieden und die Kundin glücklich.
In der Nähe des Wannsees hat sich ein junges Paar den Wunsch des ersten Eigenheims verwirklicht. Dass es sich dabei um eine Doppelhaushälfte handelte, sah ich erst, als ich mein Auto parkte. Es war ein besonders netter Termin, da ich sympathische Menschen traf. Dass sich daraus nicht viel mehr als ein Beratungshonorar ergab, war okay, denn es war ein ehrlicher Termin. Keine vollmundigen Versprechungen von großartigen Folgeaufträgen, aus denen dann nichts wird.
Raum ist in der kleinsten Hütte
Kürzlich kaufte ein Kunde bei mir sehr edle Stehlampen mit Seidenschirmen, die von Halbedelsteinen und echten Straußeneiern geziert wurden. Ihm gefiel außerdem eine großformatige Fotoarbeit auf Leinwand des Künstlers Axel Crieger. Er entschied spontan und investierte viel. Geliefert wurde in die vornehmste Gegend Berlins in ein gigantisches, schlossähnliches Anwesen. Bei Aufträgen dieser Art bin ich bei der Lieferung anwesend, traf aber nicht auf meinen Kunden, sondern auf seine Frau. “Stellen Sie’s da hinten ab und nehmen Sie die Umverpackung wieder mit”, sagte sie knapp und ließ mich stehen. Es gibt halt solche und solche Termine.
Ach übrigens, gerade erhielt ich die Nachricht, dass sich mein Junggeselle eine neue Bleibe zugelegt hat. Natürlich beste Lage, aber leider um die Hälfte kleiner als der vorherige Altbau. “Macht nichts”, kommentierte er meine Bedenken, die anrollende Möbellawine der neubestellten Ware betreffend. “Ich habe die daneben liegende Wohnung gleich dazugekauft, sozusagen als Zwischenlager.” Wie heißt es noch gleich? Raum ist in der kleinsten Hütte.
















