Vielleicht war es für die Generation Frau vor uns gar nicht so schlimm. Zumindest nicht alles. Sie durften nach dem dritten Kind eine Figur haben, die sich nur mühsam durch Zweimannzelte verhüllen ließ. Ihre Krampfadern erinnerten an Luftaufnahmen aus dem Amazonasgebiet. Jeder Lebensabschnitt hatte einen Anfang und ein Ende.
Seitdem es aber immer mehr Frauen gibt, die von der Stilldemenz direkt ins Klimakterium wechseln, ist nichts mehr, wie es war. Frauen, die jetzt 40 sind, würden ja vielleicht gerne älter und vor allem gesitteter werden – sie haben nur keine Zeit dazu. Es gibt einfach noch zu viel zu tun.
Wir aber haben erst mal das Abi gemacht, dann ging es für ein Jahr als Au-pair nach Frankreich. Nach der Rückkehr mussten wir uns erst wieder finden. Sabbatical heißt das heute. Dem Studium Nummer eins folgte nach sechs Semestern Studium Nummer zwei, weil uns klar wurde, dass man mit Romanistik und Germanistik auf Magister keinerlei Verdienstchancen hat. Nach dem Abschluss folgten drei bis fünf Praktika, drei bis fünf Männer, ebenso viele Wohnungswechsel, bei denen jedes Mal ein bisschen Jugendzimmer mehr auf dem Sperrmüll landete.
Und immer wieder trafen wir uns, tranken Kaffee, Wein, Sekt und redeten
Wir versuchten uns in Familienaufstellungen und Salsakursen, entdeckten, dass Wandern Spaß macht und nicht nur dazu dient, um Kinder gefügig zu machen. Wir kauften uns eine Staffelei, rund dreißig Tuben Ölfarbe und übten uns in freier Malerei. Und immer wieder trafen wir uns, tranken Kaffee, Wein, Sekt und redeten.
Wir redeten über alles. Über neue Rucola-Rezepte und Geldanlageformen, über die neue SPD und den neuen Nachbarn, über moderne Malerei und Modern Dance und irgendwann auch über die Vorteile (kurze Anfahrt) und Nachteile (Sauerei auf dem Parkett) einer Hausgeburt. Bei Mann Nummer sechs haben wir nämlich festgestellt, dass wir die verbliebenen Eizellen fast sämtlich mit Namen kennen und uns noch schnell vermehrt. Und dann sitzen wir wieder zusammen, lassen uns durch anverdaute und ausgespuckte Milch auf sämtlichen Oberteilen nicht irritieren und quatschen wieder. Über alles, was wir noch vorhaben. Angekommen sind wir noch nicht. Wir sind immer auf dem Sprung, wollen kein Nest, höchstens noch auf einen Kaffee mit hoch.
Mag ja sein, dass die Erdanziehungskraft schon partiell unseren Körper erreicht hat, doch den Kopf tragen wir oben. Wir sind interessant. Für die Werbung, weil wir kaufkräftig sind. Für den Arbeitsmarkt, weil keine weitere Schwangerschaft samt Elternzeit droht, und für junge Männer, weil wir keinen Ernährer suchen (und wenn, wäre das bei unserer chronischen Essstörung auch nicht kostenintensiv). Und wir lassen uns nur zu gerne ein auf diese jungen Männer, weil wir gar nicht merken, dass wir ein bis elf Jahre älter sind. Wir tragen die gleiche Jeansgröße wie zum Abi, haben noch immer die ausrangierte Stereoanlage von Papa im Wohnzimmer stehen und können noch immer keinen Hefezopf flechten. Wir müssen uns hinter jüngeren Frauen nicht verstecken, obwohl wir es rein figurtechnisch könnten. Wir nehmen uns ernst und was wir wollen. Wir geben uns gerne und hin und auch unser Bestes.
Kann ja sein, dass wir schon latent Wasser in den Beinen haben, aber wir sind auch immer noch ein bisschen feucht hinter den Ohren. Solange wir uns noch nehmen können, wie wir sind und was wir wollen, muss uns keiner den Rest geben. Alt werden können wir auch noch später. Hoffentlich. Und wir freuen uns schon jetzt auf die süßen Zivis.
















