Das kommunistische System Kubas ist gescheitert. Joseph Ratzinger

Wir nennen es Generationenvertrag

Natürlich müssen Kinderlose mehr in die sozialen Sicherungen investieren. Schließlich brauchen wir das Humankapital der Familien.

Dürfen wir Kinderlose höher zur Kasse bitten als Eltern, die selbst Kinder großziehen? Ja, dürfen wir. Denn ohne diese Kinder der nächsten Generation brechen alle unsere sozialen Sicherungssysteme zusammen. Es profitiert also die ganze Gesellschaft – warum also sollten die Eltern einseitig die Kosten des Systems tragen, den profitablen Nutzen aber mit den Kinderlosen teilen?

Wir brauchen das Humankapital der Familien

Kaum ist der Vorschlag der „Jungen Gruppe“ der CDU-Abgeordneten ausgesprochen, Kinderlose mit einer Sonderabgabe zu belegen, ist die Entrüstung groß. Wieso eigentlich? Wir erlauben uns ja auch sonst Unterscheidung von Besteuerungssätzen je nach Leistungsvermögen oder Familienstatus. Wir fördern Familien, weil es gut investiertes Geld ist und wir ihr Humankapital brauchen. Es grenzt ja schon nahezu an Verzweiflung, wie sehr sich die Familienpolitik bemüht, die Geburtenrate im Land zu erhöhen. Längst hat man dabei das Ideal der traditionellen Familie aufgegeben zugunsten jeder nur erdenklichen Patchwork-Konstellation, Hauptsache mit Kind – und übersieht dabei, dass nach wie vor die meisten Kinder in Deutschland bei verheirateten Eltern wohnen und die meisten Kinder immer noch in der Ehe gezeugt werden. Der Logik der Statistik folgend müsste man also die Menschen zum Heiraten bewegen, damit sie überhaupt und sogar mehr als die üblichen 1,36 Kinder bekommen. Doch wir diskutieren lieber über die Abschaffung des Ehegattensplittings.

Bevor der Aufschrei zu laut wird: Ja, es gibt ungewollt Kinderlose. Aber ob nun gewollt oder ungewollt – auch sie bekommen später ihre Pflege und ihre Rente aus den Händen derjenigen Kinder bezahlt, die sie nicht großgezogen haben. Wir nennen es einen Generationenvertrag, der allerdings nur funktioniert, wenn die nächste Generation auch tatsächlich geboren wird. Kinderlose haben ihr ganzes Leben lang mehr Geld zur Verfügung als Eltern, um sogar noch zusätzlich privat vorzusorgen – was in Familien in der Regel an chronischem Geldmangel scheitert.

Es geht schlicht und ergreifend um Gerechtigkeit

Das Münchner Ifo-Institut hat vorgerechnet, dass jedes Kind im Laufe seines Lebens der Gesellschaft einen fiskalischen Vorteil von über 150.000 Euro beschert. Diese Summe werde auch durch alle Leistungen der Gesellschaft an Familien bei Weitem nicht aufgerechnet. Im Gegenzug investieren Eltern für jedes einzelne Kind im Schnitt 120.000, Euro bis es aus dem Haus ist.

Es geht hier weder um „Bestrafung“ von Kinderlosen, noch um „Belohnung“ von Eltern, sondern schlicht und ergreifend um Gerechtigkeit. Es ist doch erstaunlich, dass wir es geschafft haben, innerhalb von vergleichsweise wenigen Generationen ein uraltes System zu pervertieren, in dem Kinderreichtum einst als Alterssicherung galt, während es heute das größte Armutsrisiko darstellt, dem man sich aussetzen kann. Nun, es ist nicht als Naturgewalt über uns gekommen, sondern als Gesetz – das man auch ändern kann.

Für alle Empörten noch der Hinweis: Auch das Bundesverfassungsgericht hat bereits im „Pflegeversicherungsurteil“ 2001 angemahnt, die Beitragssätze für Eltern und Kinderlose im Sinne der Gerechtigkeit unterschiedlich zu berechnen, da Eltern zusätzlich zu ihren Geldzahlungen einen „generativen Beitrag zur Funktionsfähigkeit eines umlagefinanzierten Sozialversicherungssystems leisten“. Man empfahl auch, alle anderen sozialen Sicherungssysteme unter dem gleichen Aspekt zu überprüfen. Leider ist das Urteil nicht das Papier wert, auf dem es verfasst wurde, solange es nicht auch umgesetzt wird.

Mit schönem Gruß an die Kanzlerin: Nein, unser aktuelles System ist nicht alternativlos, es bieten sich viele Möglichkeiten, endlich die Leistung von Eltern angemessen zu berücksichtigen. Man muss es nur wollen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Albert Wunsch, Albert Wunsch, Florian Josef Hoffmann.

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