Als ich in den 1970er-Jahren die Original-Tapes aufnahm, hatte ich ja keine Ahnung, dass das Leben endlich ist. Karl Bartos

Ostern: Von Tod und Leben

Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi sind der Kern des christlichen Glaubens. Besonders intensiv ist daher die Osterfeier. Warum feiern Christen Ostern?

Weihnachten ist voll wunderbarer Traditionen. Den Advent über bereitet man sich an besinnlichen Abenden auf das „Fest der Liebe“ vor. Die Kinder fiebern auf den Abend der Bescherung hin, können den glänzenden Christbaum und die verpackten Geschenke kaum erwarten. Die Weihnachtslieder sind Gassenhauer, jeder kennt sie. All das gibt es an Ostern nicht. Nun, der Osterhase bringt vielleicht auch ein Geschenk – mit Weihnachten aber kann man das nicht vergleichen. Und wer kennt schon Osterlieder?

Kern des Glaubens: Tod und Auferstehung

Trotzdem ist für die Christen nicht Weihnachten das wichtigste Fest, sondern Ostern. 40 Tage lang bereiten sie sich in der Fastenzeit auf dieses Fest vor. Dabei geht es nicht um besinnliche Abende, Glühwein und Geschenkekauf. Es geht darum, das Herz auf Ostern vorzubereiten, sich wieder neu mit dem eigenen Glauben zu beschäftigen. Für alle Christen, egal welcher Konfession, gibt es einen entscheidenden Punkt ihres Glaubens: Jesus Christus, der Sohn Gottes, starb in Jerusalem am Kreuz. Nachdem er drei Tage lang tot im Grab lag, erstand er von den Toten. Er kehrte ins Leben zurück. Die Christen glauben, dass Jesus damit nicht nur seinen eigenen Tod überwunden hat, sondern für alle Menschen die Auferstehung und damit ein Leben nach dem Tod ermöglicht hat.

Feiern ohne Sekt?

Entsprechend gewichtig feiern die Christen die Tage um Ostern. Das beginnt mit dem Palmsonntag, eine Woche vor Ostern. Wenn Christen ihren Glauben feiern, nennt man das Liturgie. Auf den ersten Blick mag das mit Feiern nicht sonderlich viel zu tun haben. Zu Feiern gehören Luftschlangen, Sektgläser und ausgelassene Laune. In einem katholischen Gottesdienst wird man das wohl vergeblich suchen müssen. Und trotzdem ist das ein Feiern: Denn die Christen bringen freudig ihren Glauben zum Ausdruck. Das geht auch ohne Sekt.

Einzug in Jerusalem

Die Liturgie der Kirche hat eine lange Tradition. Über Jahrhunderte entwickelten sich besondere Texte und Riten. Vieles, was die Christen an Ostern feiern, hat sich in Jerusalem entwickelt. Dort konnten die Christen das Leiden und Sterben Jesu mit ganz besonderen Orten verbinden, von denen man wusste oder glaubte, zu wissen, dass sich dort die entscheidenden Stationen im Leben Jesu ereignet hatten. Am Palmsonntag etwa feiert die Kirche den Einzug Jesu nach Jerusalem. Er wurde wie ein König in der Heiligen Stadt empfangen, obwohl er selbst wusste, dass er schon in wenigen Tagen am Kreuz gewaltsam sterben würde. Die Christen in Jerusalem versammelten sich außerhalb der Stadt und zogen dann feierlich in die Stadt hinein, auf dem Weg, auf dem Jesus auf einem Esel hineingeritten sei.

Heute treffen sich Christen am Palmsonntag deswegen nicht in der Kirche, sondern davor. Dort segnen sie Palmblätter oder andere Zweige in Erinnerung daran, dass die Bürger aus Jerusalem Zweige auf den Weg vor Jesus legten. So versucht man, das zu vergegenwärtigen, was vor knapp 2.000 Jahren in Jerusalem geschah.

Das größte Liebeszeichen

Am Gründonnerstag denkt die Kirche an den letzten Abend im Leben Jesu. Er wusch seinen Aposteln die Füße. Das war in der Antike der niedrigste Dienst, den nur die geringsten Sklaven zu verrichten hatten. Indem Jesus das tut, zeigt er, wie sehr er die Menschen liebt. Danach feierte er ein letztes Mahl mit seinen Jüngern und bezeichnete dabei das Brot als seinen Leib und den Wein, der getrunken wurde, als sein Blut. Bis heute tut das die katholische Kirche in jeder Messfeier, denn sie glaubt, dass Jesus ganz gegenwärtig und anwesend ist, wenn das Brot mit seinen Worten gebrochen und der Weinkelch mit seinen Worten erhoben wird. Nach seinem Mahl ging Jesus in einen nahegelegenen Weinberg. Dort betete er und bekam Angst angesichts des drohenden Todes.

In katholischen Gottesdiensten wäscht deswegen der Priester zwölf Männern und Frauen die Füße, um so die große Liebeserklärung Jesu gegenwärtig zu machen. In Jerusalem gingen die Christen nach dem Gottesdienst zu jenem Ölberg, in dem Jesus schon gebetet hatte. Dort beteten sie die ganze Nacht und blieben wach. Deswegen beten heute überall auf der Welt Christen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, um gemeinsam mit Jesus wach zu bleiben und sich an seine Angst in dieser Nacht zu erinnern.

Kreuz: Schmerz und Heil

Am folgenden Karfreitag gedenken die Christen des Todes Jesu. Der biblischen Überlieferung zufolge starb er am Nachmittag gegen 15 Uhr. Deswegen trifft man sich um diese Uhrzeit. In katholischen Gottesdiensten steht an diesem Tag das Kreuz Christi ganz im Mittelpunkt: Durch seinen Tod sind die Menschen erlöst. Deswegen verehren Christen auch das Kreuz, das zwar ein Zeichen größter Gewalt und unerträglichen Schmerzes ist, aber eben auch das Zeichen des Heiles und der Rettung.

Ein neuer Morgen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, bestenfalls vor Aufgang der Sonne, feiern die Christen dann ihre Osternacht. Als am Sonntagmorgen Frauen ans Grab kamen, war Jesus schon aus dem Grab auferstanden, er hatte den Tod besiegt. Deswegen feiert man dieses Fest zum Zeitpunkt seiner Auferstehung am frühen Morgen. Während der Gottesdienst gefeiert wird, geht die Sonne auf – ein Zeichen dafür, dass durch die Auferstehung Jesu Licht ins Dunkel von Tod und Sünde gekommen ist. Durch Jesus bricht ein neuer Tag und damit ein neues Leben an.

Liturgie ist kein Theaterspiel

Die Feier der Ostertage ist besonders intensiv. Jahrhundertealte Traditionen spiegeln sich wider. Den Christen ist es besonders wichtig, das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu ganz gegenwärtig werden zu lassen. Dabei geht es aber nicht um ein Nachspielen. Liturgie ist kein Theaterspiel, das möglichst detailgetreu die einzelnen Stationen Jesu darstellen will. Es geht darum, sich das Geschehen vor 2.000 Jahren vor Augen zu führen, mehr aber noch die Bedeutung dessen, was geschah. Und weil an diesen Ereignissen für die Christen die Frage nach Leben und Tod hängt, ist Ostern weit wichtiger als Weihnachten. Auch ohne Geschenke.

Quelle: f1rstlife

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Harald Jung, Andreas Püttmann, Gert Pickel.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Katholische-kirche, Ostern

Debatte

Papst Franziskus fordert

Medium_0c6cf3a514

Familie bleibt das Fundament unserer Gesellschaft

Gleichzeitig dürfen wir die Familien nicht vergessen, die aufgrund von Armut, Krieg und Migration zerrissen sind. Viel zu häufig sehen wir das Drama von Kindern, die alleine die Grenzen von Süd nac... weiterlesen

Medium_9f4074ec62
von Papst Franziskus
10.01.2018

Debatte

Klöckner kritisiert Kirche

Medium_c8cad35e45

Ein Hauch von Kanzelparagraph

Die Äußerungen über das Verhältnis von Kirche und Politik von Julia Klöckner sind ein starkes Stück, vor allem für eine so profilierte und exponierte Christdemokratin. weiterlesen

Medium_3f1f68414a
von Andreas Plöger
02.01.2018

Debatte

Das Krebsgeschwür der Selbstbezogenheit

Medium_0c6cf3a514

Papst Franziskus kritisiert die Kurie

Gestattet mir, dass ich hier kurz auf eine andere Gefahr zu sprechen komme, das heißt auf diejenigen, welche Vertrauen missbrauchen oder die Mütterlichkeit der Kirche ausnutzen, bzw. die Personen, ... weiterlesen

Medium_9f4074ec62
von Papst Franziskus
29.12.2017
meistgelesen / meistkommentiert