Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen. Helmut Schmidt

Wie gefährlich sind Fake News wirklich?

Die sozialen Medien wachsen zu mächtigen Deutungsburgen moderner Wahlkämpfe heran. Die öffentliche Meinungsbildung ist Fake News, Social Bots und Cyberwarattacken ausgesetzt. Was gilt es zu tun? Eine analytische Übersicht.

Wahlkämpfe werden zusehends in sozialen Medien entschieden. Die New York Times bezeichnet die sozialen Netzwerke daher als die wahren neuen Massenmedien, doch gibt es dafür bisher kein tragfähiges Business Modell, dafür es gibt schlicht und einfach gar kein Modell. Die derzeitigen Wahlen – ob Brexit-Referndum, US-Wahlen oder die jetzige Bundestagswahl – erfolgen also in einer Übergangsphase zwischen zusammenbrechenden klassischen Medien, die zumindest nominell glaubwürdig waren und neuen Medien, die noch nicht für ihre Erbschaft wirklich bereit sind.
Soziale Medien weisen Wahlverwandtschaft zu den Grundprinzipien der Bürgergesellschaft wie Selbstorganisation, Eigenverantwortung, Partizipation und freie Association auf. Sie können Öffentlichkeit für die eigenen Themen gezielt aufbauen, informieren, vernetzen und für die eigenen Ziele aktivieren. Engagierte machen sich die sozialen Netzwerke zunutze und starten z. B. eigene Kampagnen, können damit Massen mobilisieren. Die Konsequenz kann eine Machtverschiebung sein. Zivilgesellschaftliche Organisationen können Transparenz erzeugen und durch gesteigerte Responsivität ihre Glaubwürdigkeit erhöhen. Braucht eine bestehende Organisation Unterstützung in Form von Kompetenz oder in Form finanzieller Ressourcen, kann dies direkt in das Netzwerk kommuniziert werden. Die sozialen Medien können also nicht nur zur Erweiterung der Öffentlichkeitsarbeit sondern auch zur Bewusstseinserweiterung genutzt werden.

Eine besondere Bedeutung hatten sozialen Medien im amerikanischen Wahlkampf 2016 und beim Referendum über den Brexit. Was war neu? Erstmals wurde mit Cambridge Analytica ein Spezialist aus der Werbung, „Programmatic Advertising“, im Wahlkampf eingesetzt. Unter „Programmatic Advertising“ versteht man das automatische Einbuchen, Ausliefern und „Real Time“ optimieren von Werbung. Das Schlüsselwort in der Politik heißt „Programmatic Campaigning“. Im Vorgehen sieht das wie folgt aus: Persönliche Daten der Nutzer werden analysiert und verknüpft, daraus ergeben sich persönliche Wählerprofile. Aus diesen wiederum werden individualisierte auf Zielpersonen zugeschnittene Botschaften verfasst und gesendet. „Programmatic Campaiging“ dient der Meinungsmache. Nachrichten werden in unzählige Nanomessages zerstückelt. Gerade junge Eliten in den USA beziehen ihre Informationen aus „Snippets“ (Partikeljournalismus), die technologische Entwicklung verwebt den Snippetjournalismus mehr und mehr mit Mitteilungen und „Messages“. Die Personalisierung, das „Micro Targeting“, wird auch 2017 im Bundestagswahlkampf ein großes Thema werden. Technisch funktioniert es wie folgt: Die Nutzer werden via ID Nummer ihrer Internetadressen mit Hilfe von „Cookies“, die keine Kekse sind, sondern Spionagesoftware, ausspioniert. Beim Smartphone ist das auch die Geräte Identifikationsnummer oder die Handynummer. Es werden die Webseitenbesuche und auch die Kommentare analysiert. Datenexperte Alexander Nix und andere Datenexperten erklären allerdings dazu, dass Big Data zunehmend politische und kommerzielle Kampagnen verändern werden, aber betonen auch, dass sie keinen schlechten Kandidaten retten.

Präsident Trump scheint aber weiterhin auf die Wirkung zu setzen, da er Maßnahmen zur Deregulierung des Internets ergreift. Amerikanische Internetanbieter dürfen künftig Browserdaten verkaufen.
Im Zusammenhang mit dem amerikanische Wahlkampf und dem Brexit tauchte auch vermehrt der Begriff der „Fake News“ auf. Die aus dem Deutschen bekannte „Zeitungsente“ gab und gibt es immer schon. Im Presserecht ist dazu die Verpflichtung zur Wahrheit festgehalten, damit die Sorgfalt zur Vermeidung falscher oder irreführender Meldungen. Es besteht die Pflicht Falschmeldungen zu korrigieren, meist in Form von einer Gegendarstellung. Ein strafbewehrtes allgemeines Verbot von Falschmeldungen besteht dagegen in der Regel genauso wenig wie ein Gesetz gegen die Äußerung von Unwahrheiten außerhalb der Presse. Straftaten, die gegen das Gebot der Wahrhaftigkeit verstoßen sind auch in den Massenmedien verboten. Gegen Falschmeldungen gibt es einen zivilrechtlichen Anspruch auf eine Berichtigung. Was ist nun das „Neue“? „Fake News“ sind absichtlich lancierte, veröffentlichte Aussagen bzw. Falschmeldungen, sie werden viral verbreitet, sind laut netzpolitik.org ein Aktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerilla, um Journalisten durch gezielte „Fakes“ zu falscher Berichterstattung zu verleiten. Die „Fakes“ werden v.a. durch Webseiten verbreitet, die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden. Es geht den Betreibern um Werbeeinnahmen über Facebook und Google Adsense. Ein politischer Hintergrund entsteht dadurch, dass die erfundene Nachricht reale Ängste oder eine tatsächlich vorhandene Wut aufgreift. Sie bedient sich der Dynamik in den sozialen Medien, die Reflexe wie Empörung herausfordern und Reizthemen behandeln. In Deutschland weiter verbreitet sind dagegen ideologisch geprägte Meldungen „Hybrid-Fakes“, die eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt sind.

Der Ruf nach Gegenmaßnahmen wird laut. mimikama.at, politifacr.com unterziehen „Faktenchecks“. Facebook arbeitet mit dem Recherchenetzwerk und Portal „Correctiv“, den Firmen, die den Poynters international Fact Checking Code of Principles unterzeichnet haben wie Snopes, PolitiFact, Factcheck.org und ABC News zusammen. Der Bayerische Rundfunk baut eine erste öffentlich rechtliche Anti-Fake-News-Einheit auf die „BR-Verifikation“, eine neue Browsererweiterung „Factfox“, die Redakteuren auf Knopfdruck ermöglicht die Zahlen maßgeschneidert und aktuell abzurufen und Kommentaren entgegenzuhalten. Die ARD baut eine Anti-Fake-News- Einheit auf, das ZDF veröffentlicht eine Selbstverpflichtung auf 19 Seiten und einen Hashdag ZDF check 17, Faktencheck für den Bundestagswahlkampf, ab Mai prüft ein Rechercheteam Meldungen in den sozialen Netzwerken und Politikeraussagen. Das ZDF gehört zu dem internationalen Recherchenetzwerk „First Draft Coalition“. Im März 2017 führte Facebook ein Anfechtungstool für Falschmeldungen ein, ein rotes Warndreieck, Nutzer bekommen ein Fenster gezeigt: „Disputed by multiple independent Fact-Checkers…“, bisher kommt es nur in den USA zum Einsatz. Auch gibt es unter dem Link Facebook Hilfebereich Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen. Google führt die selbstlernende Software „Perspectives“ ein, der Algorithmus soll Pöbeleien automatisch erkennen und aussortieren. Der Konzerneigene Think Tank „Jigsaw“ soll die Diskussionskultur im Internet retten. Auch die Polizei Rosenheim engagiert sich im Kampf gegen „Fake News“, indem sie einen roten Balken über Falschmeldungen platziert. Doch eine ganz einfache Sache würde die „Fake News“ bestimmt begrenzen, das wäre ein bezahlter „Content“.
Berühmte „Fake News“ im amerikanischen Wahlkampf waren u.a. Berichte über den Papst und die Amischen Gemeinden, die Donald Trump unterstützen würden, „Pizzagate“, die die Clintons mit Pädophilie und Satanismus in Verbindung brachten, das „Schulschwurverbot“ Obamas, Trumps „one-way ticket“ nach Afrika und Mexiko, der FBI Agent, der für die Leaks von Clinton verantwortlich war und vermeintlich Selbstmord beging. Ein Amerikaner erfand in der Endphase des Wahlkampfs, dass zehntausende zugunsten der Kandidatin Clinton vorausgefüllte Wahlzettel, nebst Wahlurnen, in einem Lagerhaus in Ohio gefunden wurden. Die Stadt Veles in Mazedonien erlangte 2016 internationale Bekanntheit, weil dort Webseiten mit „Fake News“ für den US Wahlkampf zum Geschäft gemacht wurden.

In Deutschland gab es den „Fall Lisa“ und einen ähnlich gelagerten erfundenen Vorwurf in Litauen gegenüber Bundeswehrsoldaten im Februar 2017, ein gefälschtes Zitat von Renate Kühnast unter falscher Quellenangabe, die Geschichte, dass ein Flüchtling aufgrund der langen Wartezeit vor der LAGESO verstorben sei, sowie die Geschichte des syrischen Flüchtlings, der aufgrund des Selfies mit der Kanzlerin auf Facebook als Terrorist verunglimpft wurde. Dazu gibt es sogar ein Urteil des Landgerichts Würzburg, das besagt, dass Facebook nicht dazu verpflichtet sei „Fake News“ aktiv zu löschen.

Deutsche Politiker fordern Konsequenzen: das Justizministerium bringt den Gesetzentwurf „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ heraus, Justizminister Maas droht mit fünf Jahren Freiheitsstrafe bei übler Nachrede und Verleumdung einer Person des öffentlichen Lebens. Ende Juni wurde das Gesetz vom Bundestag beschlossen, offenkundig strafbare Inhalte sollen innerhalb von 24 Stunden nach dem Hinweis gelöscht werden, bei weniger eindeutigen Fällen in 7 Tagen, im Fall von Verstößen drohen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro. Die wichtigste Regel ist, jedoch, die Pflicht für die Plattformen wie Facebook, You Tube und Twitter einen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland zu ernennen, eine offizielle Kontaktstelle, an die sich deutsche Nutzer und Behörden wenden können. Die Union setzt auf ein System der Selbstregulierung, d.h. Facebook entscheidet nicht selbst sondern leitet an eine Drittinstanz weiter, wo Experten sitzen und ihre Aufgaben nach prüfbaren Richtlinien erfüllen. Auch sollen zu Unrecht gelöschte Beiträge wieder herstellbar sein. Martin Schulz droht mit einer europäischen Gesetzgebung, Bundesinnenminister de Maiziere plant laut Spiegel ein Abwehrzentrum gegen Desinformationskampagnen. Das Bundesinnenministerium legt den Parteien nahe sich bei den Landtagswahlen auf Grundregeln des Wahlkampfs und gegen den Einsatz von „Social Bots“ und „Fake News“ zu einigen. Die Bundesregierung droht mit Bußgeldern für Facebook, wenn es nicht gegen Verleumdung u.a. strafbare Inhalte auf der Plattform vorgehe. Die deutsche Politik ist der Auffassung, dass Facebook bei der Verbreitung von Falschmeldungen eine zentrale Rolle spielt und dass dieses Phänomen den kommenden Bundestagswahlkampf prägen könnte.
Im Gespräch ist auch die Errichtung einer Rechtsschutzstelle in den sozialen Netzwerken.

Bei den Parteien wollen die CDU neue Gesetze, die CSU (Stefan Mayer) einen Straftatbestand bei Hackerangriffen und Desinformationskampagnen schaffen, die FDP (Lindner) erklärt Russland verbreite Fehldeutungen und Falschinformationen, um Deutschland zu destabilisieren und die AFD zu stärken, die SPD will eine „Anti-Fake-News-Initiative“, setzt auf den Schulterschluss der Parteien, wenn Zweifel an der Echtheit der Information auftauchen sollten auf Attacken auf die politischen Gegner verzichtet werden, als gemeinsame Selbstverpflichtung der Parteien. Anfällige Bevölkerungsgruppen sind Russlanddeutsche und türkischstämmige Menschen, das erfordert eine Intensivierung der politischen Bildungsarbeit.

Auf der anderen Seite stehen die Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) und Reporter ohne Grenzen. Sie kritisieren den Gesetzentwurf des Justizministeriums, mittlerweile das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ als verfassungs-und europarechtswidriges Zensurinstrument. Das Telemediengesetz TMG regelt die Haftung der Provider und Hoster im Netz § 14 regelt die Herausgabe von Daten im Terrorverdacht und bei der Strafverfolgung. Facebook u.a. soziale Netzwerke dürfen nicht zum Hüter der Meinungsfreiheit werden. Es wird mehr Medienkompetenz statt Gesetzen gefordert. Der Einfluss der Falschmeldungen im Internet wird als geringer eingeschätzt als angenommen. Die fragwürdigen Zensuren auf Facebook (Mädchen bei Naphalmangriff in Vietnam und Neptunstatue) werden dabei erwähnt.

Eng im Zusammenhang mit den „Fake News“ steht der Begriff der „Social Bots“. Unter „Bot“ versteht man ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet, ohne dabei auf eine Interaktion mit einem menschlichen Nutzer angewiesen zu sein. Es sind also Computerprogramme, die wie richtige Nutzer agieren. „Fake News“ werden mit solchen Computerprogrammen potenziert. Zu unterscheiden sind die sogenannten gutartigen „Bots“, die gutartige künstliche Intelligenz, die den Journalismus ergänzen und unterstützen kann, wie etwa in den Sparten Sport, Wetter, Börse. Sie wird auch von der Tagesschau und dem NDR eingesetzt, sie haben einen „Newsbot“ namens NOVI entwickelt, er soll Nachrichten im Stil von Chats versenden, z.B. im Facebook Messenger. Ein Beispiel für automatische Textgenerierung ist auch AX Semantics, ein Newsstream-Projekt, das riesige Datenmengen aus Social Media, Blogs, Videoclips in Echtzeit bündelt und den Journalisten zur Verfügung stellt. Im Newsfeed von Facebook gibt es Echtzeitsignale, der Algorithmus, die künstliche Intelligenz, analysiert Inhalte und ordnet sie aktuellen und viel diskutierten Themen zu. Authentizität ist das Kriterium. Im Fall von Microssofts künstlicher Intelligenz namens Tay zeigte sich bereits der Übergang vom „guten Bot“ zum „bösen Bot“, das Chat Programm twitterte schon nach einem Tag rassistische Kommentare der Nutzer die das Programm damit gefüttert hatten. „Böse Bots“ sammeln E-Mail-Adressen für Werbezwecke sowie für das massenhafte unautorisierte Kopieren von Webinhalten bis hin zum Einbruch in den Server.

In den Sozialen Medien funktionieren „Bots“ wie folgt: sie werden eingesetzt um automatische Antworten zu setzen, bei Twitter beispielsweise reagieren „Bots“ auf spezifische „Hashdags“ (#), setzen dann vorher programmierte Informationen ab, dazu werden realistisch wirkende „Accounts“ mit Profilbild, „Posts“ und „Followern“ geschaffen, die selbst auch anderen Nutzern folgen. Sie werden eingesetzt um Werbung zu verbreiten. Häufig werden Weboberflächen genutzt die Originalwebsites sehr ähnlich sehen (Fake cnn.com.de, Propaganda Russia Today, Breitbart). Aber auch politische Propaganda. Daher werden „Social Bots“ als Gefährdung für den Meinungsbildungsprozess gesehen, Experten widersprechen dem aber. In Deutschland haben sich die CDU, SPD, Grüne, Linkspartei, FDP gegen die Verwendung von „Bots“ im Wahlkampf ausgesprochen. Nach zunächst anders lautenden Äußerungen schließlich auch die AFD. Da sich an der Zahl der „Accounts“ und den persönlichen Nutzerdaten auch der Unternehmenswert bemisst, haben die Unternehmer ein geringes Interesse daran offen zulegen, wie viele „Accounts“ tatsächlich „Fakes“ sind. Facebook erlaubt für seinen Messenger explizit sogenannte „Chatbots“, dabei ist die Verweildauer des Nutzers im jeweiligen Netzwerk und damit der Marketingwert zu erhöhen. Es wird auch eine Analyse der Botaktivitäten für Unternehmenskunden angeboten. Wenn nicht strikte Regeln für den Gebrauch verabschiedet werden, spielen „Social Bots“ eine Hauptrolle bei der Schaffung der öffentlichen Meinung in der Zukunft, indem sie als unermüdliche Einflussnehmer arbeiten. „Bots“ werden v.a. zur Schaffung von Ruhm, Werbung/Spamming, Schädigung, zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und Verdrängung der freien Rede eingesetzt. Alle Effekte unterstützen die Methoden der psychologischen Kriegsführung. Aufgedeckt werden können sie durch bestimmte Merkmale: die übermenschlichen Kapazitäten Nachrichten rund um die Uhr zu posten, sie nutzen oft Kartoonbilder statt Nutzerbilder, die Rate des Zurückpostens kann darauf hinweisen. Gegenmittel ist z.B. BotOrNot, ein öffentlicher Webservice zum Check der „Accounts“, eine weitere Möglichkeit ist es einen „honeypot“ aufzustellen, einen „Account“ zu errichten, in dem sinnloser Inhalt veröffentlicht wird und dem „Bots“ Gedankenlos antworten. Twitter und Facebook entwickeln Algorithmen dagegen. Der norwegische Rundfunk lässt seine Nutzer erst Fragen beantworten bevor sie antworten dürfen. Weitere Möglichkeiten sind die Sperrung der IP Adresse oder ein Browserwechsel.

Im Großen und Ganzen mit System eingebunden könnte man bald schon von einem Cyberwar sprechen. Cyberwar oder Cyberkrieg ist zum einen die kriegerische Auseinandersetzung im und um den virtuellen Raum, den Cyberspace, mit Mitteln vorwiegend aus dem Bereich der Informationstechnik. Der Begriff bezeichnet aber auch zum anderen die hochtechnisierten Formen des Krieges im Informationszeitalter. Der Begriff tauchte erstmals 1993 in der Studie „Cyberwar is coming“ von John Arquilla und David Ronfeldt für die RAND Corporation, die dem US-Verteidigungsministerium nahe steht auf. Von einem Information War wurde bereits im Ersten Weltkrieg und von Information Warefare ab 1976 gesprochen. Die Waffen bzw. die Werkzeuge stammen aus dem Bereich der Informatik, einfachere Fälle sind Angriffe auf Rechner geschützte Verbindungen, um die Kommunikation zu vereiteln, komplexere Angriffe sind die Kontrolle spezifischer Computersysteme. Umgekehrt gehört zum Cyberkrieg die Bereitstellung und Aufrechterhaltung der eigenen Kommunikations- und Kommandostrukturen sowie die Abwehr bzw. Vereitelung gegnerischer Angriffe auf diese. Übliche Verfahren des Cyberkriegs umfassen Spionage, Defacement (Veränderung am Inhalt einer Website) diverse Formen von „Social Engeneering“, Einschleusen von kompromitierender Hardware, die bewusst fehlerhaft arbeitet oder Fremdsteuerung erlaubt, „Denial of Service“ Attacken, um feindliche Dienste zu stören oder vollständig zu unterdrücken, materielle Angriffe von Hardware (Kabel, Antennen, Satellitenverbindungen). Auf Softwareseiten nutzen Angreifer die vielen Webapplikationen prävalenten Schwachstellen, auf physischer Ebene werden insbesondere Kampfmittel verwendet, die auf Strahlungsemissionen beruhen. Strategische Konzepte wie die C4ISR (Vernetzung aller Führungs-, Informations-, und Überwachungssysteme zur Gewinnung eines exakten Legebildes, um die Entscheidungsfindung und Führungsfähigkeit der Streitkräfteführung zu verbessern) ist in den meisten Armeen der Welt etabliert. In den US-Strategieplanungen wird der Cyberspace neben Land, Luft, See und Weltraum als fundamentaler Bestandteil des „war theatre“ kategorisiert. Die US Air Force unterhält seit 2002 u.a. das AFIT Center for Cyberspace Research CCR. In der Geschichte gilt der “Kosovo-Krieg” 1999 als erster richtiger Cyberkrieg, in dem die umfassende Steuerung und Kontrolle des Kriegsgeschehens mittels weltraumgestützter Systeme auf NATO Seite bestimmend hervortrat. Die Entwicklung von Cyberkriegskonzepten gibt es in den USA seit 1992 mit dem Erlass der geheimen Direktive TS-3600.1 des Verteidigungsministeriums zum „Information Warfare“. 2008 wurde das der NATO zuarbeitende, aber nicht zu ihrer formalen Organisation gehörende Coopertive Cyber Defence Centre of Excellence in Estland ins Leben gerufen. Seit Juni 2009 gibt es die ANSSI, die erste regierungsamtliche Cybersicherheitsbehörde in Frankreich. 2001 gab es erste parlamentarische Cyber-Abüstungsinitiativen in Deutschland.

In Deutschland gibt es die Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen, eine Cybereinheit der Bundeswehr in der Tomburg Kaserne in Rheinbach bei Bonn. Verteidigungsministerin von der Leyen stellte am 5. April 2017 das neue Cyber-und Informationsraumkommando, eine Art Teilstreitkraft mit IT-Soldaten (13 500) vor. Allein 2017 hat es schon 284 Cyberattacken auf die Rechner der Streitkräfte gegeben. Die Einheit ist allerdings nicht nur zur Verhinderung sondern auch für Angriffe bereit. Nach dem Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Arne Schönbohm fürchtet Deutschland Ziel staatlicher Hackangriffe aus dem Ausland zu werden. Deutschlands zentrale Cyberabwehrbehörde stellt sich deshalb auf eine Verschärfung des Kriegs im Internet ein. Ende März 2017 gab es Hackangriffe auf Marie-Luise Beck, eine Putinkritikerin, und 10 Abgeordnetenbüros aller Fraktionen im Bundestag. Das wurde vom Bundesamt für Sicherheit in Information- und Verfassungsschutz bestätigt. Gefunden wurde eine Serververbindung zu einer israelischen Nachrichtenseite. Seit 2014 wird im Auftrag des russischen Staates gehackt.

Besonders im Hinblick auf die Bundestagswahlen ist man in Deutschland besorgt.

Dieter Sarreiter, der Bundeswahlleiter, erklärt dazu, dass sich Deutschland gegen massive Cyberattacken rüstet. Die Infrastruktur des Rechenzentrums wurde ausgebaut, um die technische Bundestagswahl gegen alle Manipulationsversuche zu schützen. Nach Heiko Maas soll ein Abwehrzentrum gegen Desinformation geschaffen werden. In den USA gab es kurz vor der Wahl einen „Denial of Service Angriff“ auf Wikileaks nach der Veröffentlichung der Mails der Demokraten. Das FBI erwog sogar eine Strafverfolgung Clintons. BND Chef Bruno Kahl erklärt, dass Hacker und Troll vor der Bundestagswahl versuchen könnten deutsche Wähler zu verunsichern, die Gefahr gehe von Russland aus.

Beispiel in jüngster Vergangenheit sind die Hackangriffe auf die Router der Telekom, die DDOS Angriffe auf die Website des österreichischen Außenministeriums, die von der Türkei ausgegangen sein sollen, sowie die Angriffe auf den Server des Wiener Flughafens. Auch sollen Hacker und „Fake News“ russischer Herkunft die Katar-Krise angezettelt haben. Aktuell zeigt sich die reale Bedrohung durch die Hackangriffe auf die internationale Infrastruktur (Krankenhäuser, Fluhäfen). Bundeskanzlerin Merkel fürchtet laut Reuters, dass „Social Bots“ die deutschen Wahlen manipulieren könnten. Laut Politologe Hegelich haben die „Social Bots“ einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung bei der Brexit- Abstimmung, der Krim-Annexion, dem Ukraine-Konflikt und im US-Wahlkampf gehabt. Algorithmen machen inzwischen Weltpolitik, sind komplexer, raffinierter geworden. Doch der Einfluss der „Social Bots“ auf uns und unsere Entscheidungen lässt sich empirisch kaum erfassen. Wichtig ist die Weiterentwicklung von „BotorNot“, die Diskussion über die künstliche Intelligenz in den Netzwerken. Aber die Verantwortung liegt beim einzelnen Nutzer, eine gesunde Grundskepsis ist gefragt.

In der wissenschaftlichen Rezeption gibt es durchaus geteilte Meinungen zum Cyberwar. So widerspricht etwa Wissenschaftlerin Myriam Cavalty-Dunn vom Crisis and Risk Network der TH Zürich dem Konzept des Cyberkriegs, dabei handle es sich um eine sensationsheischende Bezeichnung für Vorgänge, die mit anderen Begriffen besser umschrieben werden. Cyberkriegsforscher Sandro Gaycken dagegen räumt „Hacking“ eine grundlegende und neuartige Bedeutung als militärischem Mittel ein: schwache Staaten können starke Gegner schwächen, gigantische Ablenkung produzieren, Wirtschaften schädigen, Effizienz von entwickelten Waffen testen, ist kostengünstiger, risikofreier, taktisch flexibler.

George Stein von der US Airforce erklärt, das Ziel des Netzkrieges sei das menschliche Bewusstsein, es ist also ein Bewusstseinskrieg.

Chris Hables Gray spricht von der Krise des modernen Krieges, der mit zwei Paradoxa zu kämpfen hat: der totale Krieg ist in seiner entwickeltsten Form nicht durchführbar, daher beruht der moderne und postmoderne Krieg auf der Manipulation und zunehmenden Macht der Information; durch die zunehmende Leistungsfähigkeit der Waffensysteme dreht sich die Politik heute, um das Überleben des Kriegs, die Politik ist heute die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln nicht umgekehrt. Nach Jürgen Scheffran wird der Krieg insgesamt zum wissenschaftlichen Experiment. Netzwerke verknüpfen die Globalisierung der Gewalt mit der Miniaturisierung von Gewalt. Paul Virilio geht weiter und spricht davon, dass die Globalisierung Lichtgeschwindigkeit wird, nicht mehr Territorien stehen heute im Mittelpunkt sondern die politische Ökonomie der Geschwindigkeit. Nach Ralf Bendrath ist nicht mehr der Körper des Gegners das Ziel physischer Angriffe sondern sein Wille der durch eine Informationsdominanz direkt verändert werden soll. John J Kelly und Lauri Altmann sprechen von einer asymetrischen Kriegsführung, in der die Identität des eigentlichen Angreifers nie bestimmt werden kann. Peter Bürger beschreibt die Vision der globalen elektronischen Kriegsführung als paranoides Konzept, das eine totale Kontrolle impliziert, auch über die Gedanken und inneren Bilder (Minority Report 2002).

Zusammengefasst geht es heute also um einen Informationskrieg. Nur heute?

So ganz neu ist der Begriff nicht. Schon bei Sunzi wird die Bedeutung der Information für den Krieg deutlich. Auch Carl von Clausewitz erklärt in seinem „Vom Krieg“ 1. Buch, 6. Kapitel:
„Ein großer Teil der Nachrichten, die man im Krieg bekommt, sind widersprechend, ein noch größerer ist falsch und bei weitem der größte einer ziemlichen Ungewissheit unterworfen. (…) Mit kurzen Worten: die meisten Nachrichten sind falsch, und die Furchtsamkeit der Menschen wird zur neuen Kraft der Lüge und Unwahrheit. In der Regel ist jeder geneigt, das Schlimme eher zu glauben als das Gute…“

Der Informationskrieg ist also nicht neu, neu sind nur die Informationstechnologien.

Die Gegner in diesem mit neuen Mitteln geführten Krieg sind auch nicht neu.

Hier wären auf der einen Seite die Amerikaner. Präsident Obama erklärte, er werde die Cyber-Infrastruktur der USA zur strategischen Einrichtung erklären und einen nationalen Cyberberater ernennen, eine wahrhaft nationale Cybersicherheitspolitik einführen.

Wie sehr Silicon Valley im militärisch-industriellen Komplex der USA eingebunden ist, zeigt sich u.a. darin, dass der ehemalige Google Chef und Vorsitzender der Mutterfirma Alphabet Eric Schmidt im Defense Advisory Board des amerikanischen Verteidigungsministeriums sitzt, ebenfalls dazu gehört auch Amazonchef Jeff Bezos. Das Pentagon benötigt ein eigenes Google für das Militär, versetzt Kämpfer in die Lage bessere Entscheidungen zu treffen. Militäroperationen laufen noch Daten getriebener ab. Google könnte hoheitliche Aufgaben wie die nationale Sicherheit besser bewältigen als der Staat. Eric Schmidt finanzierte das Big Data Start Up, das Hillary Clinton im Wahlkampf unterstützte, sitzt aber auch im Übergangsteam von Donald Trump. Er teilt mit Trump nicht dessen Ziele aber die Wahl der Mittel. Sie teilen die Vision eines schlanken Staates in dem man durch regieren kann. Man weiß nicht, ob Google der Regierung massenhaft Daten zur Verfügung stellt und Trump ein „Upgrade“ der Staatsorgane beschert, durch das Verwaltungsprozesse automatisiert und die Gesetze in Form von Codes von Google mitgeschrieben werden. Die Neuland Kolumne in t3n beschreibt extrem ausgefeilte maßgeschneiderte Cyberwaffen wie Stuxnet, die chirurgisch präzise einzelne Infrastrukturen angreifen, wie das iranische Atomprogramm. Bei diesen präzisen Cyberwaffen haben die Angreifer kein Interesse an der breitflächigen Verbreitung der Schadsoftware wie bei DDOS (Distributed Denial of Service), die breitflächig die Infrastruktur lahm legen sollen. Diese sollen ganze Servernetzwerke in die Knie zwingen, es sind riesige Botnetzwerke aus mit dem Internet verbundenen Geräten. Die USA droht mit dem Einsatz als Vergeltung auf den russischen Hack der Demokraten im Wahlkampf. Die USA könnte weite Teile der Internetinfrastruktur riesiger Länder wie Russland und China lahm legen. Der Internetsecurity Experte Kaspersky äußert sich zwar nicht dazu ob Russland hinter den gestohlenen E-mails im US-Wahlkampf steht, doch spricht er von einem neuen Kalten Krieg im Netz, dem Krieg mit Daten, Informationen. Sicherheitsexperte Mikko Hyponen spricht dagegen, dass es das Ziel russischer Hacker ist, die USA zu schwächen. Unabhängig vom Wahlausgang hätte der Verlierer das Gefühl der Kontrahent hätte geschummelt, Hacker wären für den Ausgang der Präsidentschaftswahl verantwortlich. Damit werden die USA zu einem Land das schwer regierbar ist. Der Washington Post zufolge untersuchen US Geheimdienste was sie als breite verdeckte russische Operation ansehen, um öffentliches Misstrauen in den USA zu säen. Noch gibt es keinen definitiven Beweis. Ziel ist es nicht die Wahl in irgendeiner Richtung zu beeinflussen sondern Misstrauen zu stiften. Im Fokus der Spannungen mit Russland, die Obama am Rande des G20 Gipfels zugegeben hat sind der Hack der russischen Regierung des Demokratischen Nationalen Ausschusses im Juni, 20000 gehackte E-Mails durch Wikileaks. Das Department of Homelandsecurity bot örtlichen Wahlhelfern Hilfe an, das FBI gab eine Warnung heraus. Vorwürfe, die von russischen Geheimdiensten stammen sollen, verunsichern auf der anderen Seite wieder die Trump Befürworter.

Das FBI gibt Ermittlungen über russische Einflussnahme auf den US Wahlkampf zu, ebenso eine mögliche Beteiligung des Trump Teams. Laut NSA wollte Russland Clinton schwächen, aber nicht Trump ins Amt bringen. Auch Frankreichs Außenminister Jean Marc Ayrault beschuldigt Moskau, sich mit Hackerangriffen in den aktuellen französischen Wahlkampf einzumischen. Sicherheitsexperte Mikko Hyponen glaubt, dass Nordkorea mittels Cyberangriffen auf SWIFT versucht hat, eine Milliarde US Dollar zu stehlen.

In diesem neuen Cyberwar stehen sich also mehrere Beteiligte gegenüber, auf der einen Seite sind es Staaten, auf der anderen Seite sind es Cyberkriminelle.

Was ist dagegen zu tun.

Laut Kaspersky ist im Kampf gegen Cyberkriminelle Kooperation unverzichtbar. Denn Cyberkriminellen gelingt, was Staaten nicht gelingt, eine wachsende prosperierende internationale Zusammenarbeit. Kriminelle arbeiten hervorragend über Ländergrenzen hinweg zusammen. Europol ist ein guter Ansatz gibt es aber nicht weltweit. Auch der Neulandkolumne zufolge wäre es richtig, dass sich die UNO Staaten endlich zu Regeln und Einschränkungen beim Einsatz von Cyberangriffen verpflichten. Die Abschottung und das Ausschließen großer IP Bereiche würde ebenfalls Schutz bieten, aber das Netz würde fragmentiert. Auch für Sandro Gaycken wäre ein richtiger Schritt gegen den Cyberwar eine Entnetzung. Oberst Charles w. Williamson III Air Force Intelligence erklärt dass das af.mil-Bot-Netz die Fähigkeit bietet dazu beizutragen, den Angriff eines Feindes zu vereiteln oder ihn zu schlagen, bevor er an die Küste kommt. Weitere Vorschläge das Internet wieder sicher zu machen sind etwa der Vorschlag von Microsoft eine Digitale Genfer Konvention einzurichten, in der sich Staaten verpflichten wenigstens in Friedenszeiten keine zivilen Einrichtungen und Personen zu hacken und IT Sicherheitslücken offen zu legen, statt sie zu horten und sie zu verkaufen. Auch das Äquivalent zur Internationalen Atomenergiebehörde worin Experten aus Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mutmaßlich staatlich gesteuerte Hackangriffe gemeinsam untersuchen und die Täter öffentlich benennen und damit unter Druck setzen ist bei Microsoft ein Vorschlag. Sowie die Schaffung eines Roten Kreuzes für die erste Hilfe nach Hackangriffen. Eine Organisation deren Mitglieder ihr Wissen über Sicherheitslücken austauschen, die Attacken gemeinsam abwehren und sich verpflichten keinen Staat bei Angriffen zu helfen. Verschiedene Prominente (Politiker, Journalisten, Forscher) stellten im LIEBE Ausschuss des EU Parlaments eine Charta digitaler Grundrechte vor. Zum Inhalt hat sie u.a. keine vollautomatischen Waffensysteme einzusetzen, Maschinen sollen nicht über Tod und Leben entscheiden. Sie richtet sich an staatliche Stellen und private Akteure und ist u.a. ein Projekt der Zeitstiftung.

Die Softwarealliance (Adobe, Apple, Cisco, IBM, Intel, Microsoft, Oracle und Siemens) hat sich Grundsätze zur Verschlüsselung ausgedacht, die Regierungen auf der ganzen Welt berücksichtigen sollen.
Unter Hashdag D17 gibt es ein Sonderresort der Zeitonline als übergreifendes Ressort die Stimmung im Land einzufangen und zu verhindern, dass wie bei der Wahl von Trump und Brexit in der Berichterstattung wichtige Strömungen in der Gesellschaft untergehen. Deutschland-Deutschland näher bringen mit „Heimatreportern“, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen am Biertisch zusammenzubringen. Zeitonline fordert Bildung, eine Art Führerschein fürs Internet, nachdem die Pressefreiheit nun auf den Kleinen Mann ausgedehnt wurde. Also gutes Analysetool gilt auch das neue „Tinder für Politik“ namens „Brigade“, als reines Netzwerk für Wähler.

Was haben nun diese ganzen Diskussionen um „Fake News“, „Social Bots“ und „Cyberwar“ für Auswirkungen auf den Journalismus und seine Glaubwürdigkeit?

Die Washington Post erklärt, dass man „Fake News“ nicht verbieten kann. Sie sind Symptome wie Ursache für Vertrauensverlust in das Establishment.

Der Columbia Journalism Review hingegen betont, dass der Fokus mehr darauf liegen sollte schlechten Journalismus zu bekämpfen, weniger die „Fake News“. Er führt explizit die Washington Post mit zwei Exklusivmeldungen an: Kreml hinter massiver „Fake News“ Operation in den USA und Russland hackte das US Wahlnetz (die erste Info stammte zu der Zeit von einer anonymen Internetgruppe, die zweite stimmte nicht, da der in Frage kommende Computer gar nicht mit dem Wahlnetz verbunden war. Die Absicht allerdings macht den Unterschied). Die Washington Post hält wieder dagegen, dass sie Meinungs- und Nachrichtenredaktion strikt trennt. Das Magazin zum Digitaljournalismus Horizont plädiert bei den Journalisten für Haltung. Gegen „Hate-und Fake News“ gibt es keine Gesetze. Die Grundidee vom Internet als Bürgerdemokratie basiert auf der Vorstellung, dass im Netz Menschen Gehör finden, die der etablierten Politik skeptisch gegenüber stehen. Nur wird das von den Falschen umgesetzt. Das heißt aber nicht sich von dem Diskussionsmedium Internet zu verabschieden. Journalisten müssen quälen um Gehör zu finden. Ralf Keller von der Virtual Identity AG nennt zwei Gründe, der Erfolg von Trump ist nur in diesem von den Medien mit geschaffenen Klima der Angst und des Misstrauens möglich und zweitens ist die „Adview“ basierte Finanzierung von Online Medien für eine multiperspektivische Berichterstattung denkbar ungeeignet. Medienforcher Hölig zufolge ist es nur ein Vorwand die Wahlergebnisse auf die „Fake News“ oder die Filterblase zu schieben. Das Vertrauen in die Zeitungen und Fernsehnachrichten ist immer noch am Höchsten. Die USA und Deutschland sind nicht vergleichbar. Medientheoretiker Göttlich erklärt, dass die „Fake News Debatte“ zu nichts als zum Zweifel gegenüber allem und jedem führt. Neu ist nur die virale Verbreitung und die Gleichrangigkeit der Produzenten und Konsumenten. Lösung und Problem liegen beim Nutzer. Wired Jason Tanz erklärt, dass heute Politiker die Presse nicht mehr brauchen, es geht heute nicht mehr um die Herstellung von Konsens sondern Dissens. Ausweg sind „news operations“, Technologie um ein umfassendes Porträt der Welt zu bekommen, dafür zahlen die Leute auch. Twitter CEO Jack Dorsey betont, dass Amerika für Donald Trumps Wahlsieg verantwortlich ist, nicht Twitter. Michael Bröcker von der Rheinischen Post trifft es auf den Punkt, wenn er sagt „Wir haben ihn nicht ernst genommen“, den Frust der Millionen gegenüber den Eliten unterschätzt, wir sollten auf Häme und Übertreibung verzichten. Das Misstrauen gegenüber Statistiken und Institutionen stärkt die Populisten. Soziale Medien sind die ideale Plattform, denn in turbulenten Zeiten sehnen sich Menschen nach einfachen Lösungen und leicht verständlichen Entscheidungen. Das Tempo der Veränderung ist zu hoch. Politologe Hegelich (TUM) erklärt, dass jede politische Debatte in den sozialen Netzwerken manipuliert ist, Christian Stöcker (Hamburger Hochschule) macht das insgesamt gesunkene Vertrauen in die traditionellen Medien und Institutionen verantwortlich, Daniel Fine erklärt den Begriff „Fake News“ insgesamt für unbrauchbar, Facebook sei längst eine Medienfirma geworden. Fred Turner geht sogar noch weiter, indem er sagt, das Wort „Fake News“ sei ein „red hering“. Er unterteilt das Problem in drei Kategorien: falsche Gewichtung, Propaganda und neu: „disinformatzya“. Sie ist eine Taktik in der russischen Politik und wurde in der Türkei zur Kunstform. Sie hilft das Vertrauen in alle Institutionen zu untergraben. Das führt dazu, dass sich die Leute vollkommen von der Politik abwenden oder nur starken Führern ihr Vertrauen schenken. Öffentlich-rechtliche Sender sind eine Teillösung, nicht allerdings in den USA, eine viel versprechendere Lösung sind Filter und Kuratorien. Die beste Lösung aber ist Unterricht durch Medienbildung. „Fake News“ sind derzeit ein zufrieden stellender „Schwarzer Mann“, sie sind nicht die Ursache der gegenwärtigen politischen Dysfunktion sondern es ist die Uneinigkeit der Menschen wie man die Welt in der wir leben sehen, selbst wenn sie die selben Fakten benutzen. Profis wie Döpfner und Miriam Meckel wiegeln ab, „Fake News“ hat es immer schon gegeben. Sheryl Sandberg (FB) erklärt, dass Facebook nicht entscheiden will was Wahrheit ist, Tim Fischer sagt, dass es keine „Fake News“ Produzenten in Deutschland gibt. Eher die anonymen Zuflüsterer werden von Jordan Chariton zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Damit würde Journalismus zum neuen Massenvernichtungsmittel. Journalisten brauchen nicht länger einen Beweis für ihre Behauptungen, die zu einem Krieg führen könnten. Andere dagegen sehen in den „Fake News“ eine Riesenchance für die Medien. Sie setzen nicht auf Gesetze- seit wann ist die Zeitungsente strafbar, die Hitlertagebücher, die Regenbogenpresse? Gibt es wie von Notz sagt, ein Wahrheitsministerium? Wichtig ist die breite Qualifikation des Publikums. Netzpolitik.org befindet sogar, dass Trump die Journalisten wieder repolitisiert. Zu Journavisten macht.

Und wie sieht es aus mit den Tech-Riesen und ihrer Verantwortung? Welt N24 spricht von der gefährlichen Dominanz der großen Vier. Gemeint ist die GAFA: Google, Apple, Facebook, Amazon. Sie beherrschen die globale Ökonomie, ihr Einfluss reicht inzwischen so weit, dass sie ein Risiko für alle in der Welt geworden sind, laut dem Analysehaus Eurasia Gruop. Sie besitzen einen Marktwert von 1, 7 Billionen Dollar. Platz 1-7 mit Ausnahme Platz 4 mit Exxon und Platz 5 mit Berkshire Hatheway gehen an die Techkonzerne, die damit die Ölriesen der 60er Jahre ablösen. Eine Reihe nicht staatlicher Konzerne betreibt plötzlich Politik, Technologists. Sie entziehen sich jedweder demokratischer Kontrolle, unterlaufen nicht selten die offizielle Politik (Beispiele sind China wird hofiert, obwohl der Vorwurf der Cyberspionage von seitens der Politik besteht, China strebt eine digitale Freihandelszone WTO2 angeführt von der Webwirtschaft an, die Politik will aber Freihandel für alle Branchen. In Europa betreibt die Webwirtschaft stärkeres Lobbying gegen die EU Kommission die auf stärkere Datenschutzbestimmungen Wettbewerbsbeschränkungen besteht.) Diese Macht steht der Vision gegenüber wie Bitkom Chef Thorsten Dirks es ausdrückt, dass der digitale Wandel die Gesellschaft zum besseren verändern kann. Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, schränkte aber auf der Eröffnung der CeBit ein, dass man die vom digitalen Wandel verunsicherten Menschen nicht missachten darf, das Bildungssystem anpassen muss. Mark Zuckerberg selbst nimmt in seinem Brief an seine Gemeinde „Building Global Community“ Stellung zu seiner Vision und seiner Verantwortung. Er fragt dabei zunächst „Are we building the world we all want?“ Facebook steht für den Aufbau einer globalen Gemeinschaft, die Menschen sollen vernetzter werden, auch die die von der Globalisierung zurückgelassen wurden. Als Verantwortung von Facebook sieht Zuckerberg: „In times like these, the most important thing we at Facebook can do is develop the social infrastructure to give people the power to build a global community that works for all of us.” Dabei befindet sich Facebook in einer Übergangsphase von der Gemeinschaft für Familie und Freunde zur Entwicklung der sozialen Infrastruktur für eine Gemeinschaft-in der wir uns gegenseitig unterstützen, uns beschützen, uns informieren, für bürgerliches Engagement und die Einbeziehung von uns allen. Facebook will helfen traditionelle Institutionen zu unterstützen, will für den Schutz seiner Mitglieder während Krisen und nach Krisen da sein. Die Bedrohungen sind global, daher brauchen wir eine globale Infrastruktur uns zu schützen, die Nationalstaaten können das nicht alleine lösen. Er erwartet mehr Organisationen und Startups, die ein Gesundheits- und Sicherheitstools aufbauen. Ein Mittel unser Volk sicher zu halten ist der Aufbau künstlicher Intelligenz hinsichtlich Verleumdungen und Hassreden. Doch es wird viele Jahre dauern, da es schwierig ist künstliche Intelligenz zu entwickeln die Nachrichten lesen und verstehen kann. Facebook will die soziale Infrastruktur entwickeln, um uns zu informieren. Wenn jedem eine Stimme gegeben wird, nimmt die Diversität der geteilten Ideen zu. Es gibt aber zwei Bedenken laut Zuckerberg: „Filterbubbles“ und „Fake News“, aber auch Sensationslust und Polarisierung. Laut Zuckerberg liefern Soziale Medien mehr verschiedene Sichtweisen als die traditionellen Medien, aber das Ziel muss es sein, den Menschen zu helfen ein vollständiges Bild zu sehen. Ein effektiver Ansatz ist es eine Reichweite von Perspektiven zu zeigen, die Leute sollen sehen, wo sie im Spektrum stehen, die Richtigkeit der Information ist wichtig. Falschinformationen sollen weniger verbannt als überlagert werden, aber auch Faktenchecker sollen die Wahrheit eines Punktes anzweifeln. Da Facebook ein Kurzzeitmedium ist, kann die Konsequenz sowohl Fokusierung als auch Übersimplifizierung sein. Daher werden in den NewsFeeds keine Stories mehr verbreitet die ohne Bezug zu den Inhaltspunkten geteilt werden. Facebook will die Nachrichtenindustrie unterstützen, zunehmend lokale Nachrichten, Formate entwickeln. Die Gesellschaft braucht Zugang zu den Basisinformationen. Facebook will eine bürgerlich engagierte Gemeinschaft schaffen, die in der Selbstverwaltung teilnimmt. Dort liegt das Augenmerk v.a. auf der lokalen Politik, die den größten Einfluss hat. Facebook erstellt den direkten Dialog zwischen dem Volk und seinen gewählten Führern. Die engagiertesten Kandidaten mit den meisten Followern gewinnen, laut Zuckerberg. Es werden auch Demos und Bewegungen wie der „Womens March“ organisiert. Zuckerberg will eine inklusive Gemeinschaft schaffen, d.h. einen neuen Prozess für die weltweiten Einwohner der globalen Gemeinschaft schaffen, an der Gemeinschaftsregierung teilzunehmen. Facebook ist Zuckerberg zufolge nicht nur Technologie oder Medien, sondern eine Gemeinschaft der Menschen/Völker. Das ist neu. Bisher hat sich Zuckerberg als Technologielieferant gesehen! Er will daher Gemeinschaftsregeln bzw. Standards, die unsere kollektiven Werte reflektieren einführen. Zuckerberg beschreibt den Wandel der „Community“ hin zu einer Nachrichtenquelle und Quelle des öffentlichen Diskurs. Durch diesen kulturellen Wandel müssen die Gemeinschaftsregeln angepasst werden. Facebook muss sich hin zu regionalen Regeln bewegen. Im Endeffekt sogar hin zu einem System persönlicher Kontrollen, so dass jeder so wenig wie möglich abzulehnende Inhalt zu sehen bekommt. Der Ansatz ist eine Kombination, um einen großflächigen demokratischen Prozess zu schaffen, um Regeln für die künstliche Intelligenz zu bestimmen, die sie unterstützen muss. Jeder in der Gemeinschaft soll Optionen haben, wie er die Inhaltpolitik für sich selbst setzen möchte. Es wird ein System persönlicher Kontrollen und demokratischen Referenden (Mehrheit der Leute in der Region) geben. Das soll als Modell für ein weltweites Wahlsystem gelten. Das Modell soll ein Beispiel sein wie kollektiver Entscheidungsprozeß auch in anderen Aspekten der globalen Gemeinschaft funktionieren kann. „History has had many stormy moments like this today…The dogmas of the quiet past, are inadequate to the stormy present…I hope we have the focus to take the long view and built the new social infrastructure to create the world we want for generations to come.” Zuckerberg gibt hier erstmals seine Verantwortung zu, betont aber auch seinen visionären Anspruch, der kein geringer ist und je nach der Richtung, die letztlich eingeschlagen wird ausgehen kann. Zeitonline erklärt dazu gar, dass Zuckerberg anerkennen muss, wie einst Robert Oppenheim nach der Entwicklung der Atombombe im Manhatten-Projekt, dass er mit Facebook ein Instrument mit verheerender Kraft in die Welt gesetzt hat. Er muss sich dafür einsetzen, dass das Instrument dem Frieden nicht der Zerstörung dient.

Beatrice Bischof ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Außenpolitik. Sie hat politische Wissenschaften, öffentliches Recht und Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert und anschließend die Promotion zum Dr. rer. pol, mit dem Zusatzfach Wirtschafts- und Sozialgeschichte abgelegt. Bis 1996 war sie Mitglied der Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Seither arbeitet sie als Fernsehredakteurin, Politologin und Publizistin.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Reinhard Olt, Joachim Nikolaus Steinhöfel, Egidius Schwarz.

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