In diesen Tagen wird schnell vergessen, dass die Herausforderung, globale Probleme lösen zu müssen, eine recht neue Aufgabe ist. Bis vor Kurzem ging es primär darum, Kriege zu verhindern oder zu beenden. In diesem Sinne wurden Völkerbund und später die Vereinten Nationen gegründet. Ersterer war zwar ein revolutionärer Ansatz, jedoch aufgrund der mangelnden US-Beteiligung von Anfang an zum Scheitern verurteilt. 1945 erblickte sein Nachfolger, die Vereinten Nationen, in New York das Licht der Welt. Der Völkerbund war die Kopfgeburt des Idealisten Woodrow Wilson, die VN entsprangen dem Geist des pragmatischen Franklin D. Roosevelt. Anders als sein Vorgänger hatte der verstanden, dass internationale Organisationen immer auch der tatsächlichen Machtverteilung Rechnung tragen müssen.
Aristokratisches Elitenprojekt
Am Ende waren die VN ein aristokratisches Elitenprojekt um die fünf permanenten Sitze des Sicherheitsrats, das sich in den Deckmantel der Demokratie hüllt. Damit spiegelte die Institution die damaligen geopolitischen Machtverhältnisse wider und, noch wichtiger, die Bedeutung des Nationalstaats als solchem. Auch heute, im achten Jahrzehnt ihrer Gründung, sind die VN noch immer diesem Geist verpflichtet. Hier liegt das Problem.
Die VN-Architekten der Nachkriegszeit wollten den Dritten Weltkrieg verhindern und das ist ihnen gelungen. Auch mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten ist das den VN recht gut gelungen – zumindest was den klassischen Krieg angeht. Anderen globalen Herausforderungen hat sich die Institution nie annähernd erfolgreich gewidmet.
Es ist offensichtlich, dass die Vereinten Nationen weder die Kapazität noch die Ressourcen noch die Durchschlagskraft haben, vielen Problemen adäquat zu begegnen. Nicht nur ist die Institution reformunfähig, auch hat sich das Prinzip der Kollektiv-Vertretung, von Staaten mit jeweils eigenen nationalen Interessen, als ungeeignet erwiesen, globale Interessen aller Länder anzugehen.
Reform? Unwahrscheinlich
Einige Beobachter glauben noch immer, dass eine grundlegende Reform möglich ist. Aber die VN sind nie dazu gedacht gewesen, sich selbst neu zu erfinden. Die Organisation wird deshalb zunehmend überfordert sein. Es ist für keine der Supermächte möglich noch wünschenswert, sich einer solchen Reform anzunehmen. Es ist also an der Zeit, über die Errichtung einer neuen Institution nachzudenken, die den Anforderungen der globalen Welt gerechter wird.
Die VN müssen deshalb nicht abgeschafft werden, aber ihr natürlicher Niedergang muss nicht aufgehalten werden. Ihre Nachfolgeorganisation wird die geopolitische Ordnung besser reflektieren, nicht-staatliche Akteure integrieren und mit ausreichenden neuen Ressourcen versorgt sein müssen. Am wichtigsten ist jedoch, dass diese neue Institution wandelfähig ist und sich neuen Gegebenheiten anpassen kann – dann werden ihre beiden Vorgänger eines Tages überflüssig sein.
Übersetzung aus dem Englischen
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