Für die Piraten als Partei und außerparlamentarische Opposition spielt der Protest eine sehr wichtige Rolle. Gerade als Bürgerrechtspartei stemmen wir uns immer wieder gegen Überwachungsmaßnahmen und müssen dabei nicht nur auf die Regierenden einwirken, sondern auch auf die Öffentlichkeit, in der es meist noch an Problembewusstsein fehlt. Häufig hört man nur: “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.” Dank der Salamitaktik, mit der die Überwachung scheibchenweise immer umfassender wird, nehmen viele Menschen auch kritiklos hin, dass “nichts zu verbergen haben” heute schon bedeutet, dass einen Scanner bis auf die Haut abtasten und man quasi nur noch als unschuldig gilt, wenn man nackt vor der Staatsgewalt steht. Hier gilt es, möglichst viele Leute wachzurütteln.
Der klassische Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist die Demonstration. Menschen, die zahlreich und lautstark durch die Straßen ziehen, erwecken sowohl die Aufmerksamkeit von Umstehenden als auch die der Massenmedien, welche sehr lange die einzig wirksamen Multiplikatoren darstellten. Die Existenz einer überregionalen Berichterstattung, insbesondere durch Rundfunk und Fernsehen, verpasste dem Protest eine deutlich verbesserte Wirkung. Dies zeigt bereits, welche massive Rolle die technische Entwicklung bei den Möglichkeiten des Protestes spielt.
Der “Protest 2.0” entkoppelt Protest von den Massenmedien
Die nächste Stufe auf dieser Leiter, wenn man denn so will den “Protest 2.0”, stellt natürlich das Internet dar. Es ermöglicht nicht nur jedem Menschen neben Text nun auch Ton- und Bildinformationen schnell und flächendeckend zu verbreiten, es bietet auch völlig neue Möglichkeiten der Interaktion. Durch Blogs, Twitter und Social Networks werden die einzelnen User selbst zu Multiplikatoren und werden auf diese Weise von den großen Zeitungen und Rundfunkanstalten unabhängiger. Dieser Effekt begründet sich in der Natur des Netzes an sich. Es gibt keine festen Grenzen mehr zwischen Sender, Multiplikator und Empfänger, jeder Knoten im Netz kann alle diese Rollen spielen. Jeder, der also meine Botschaft erhält, kann diese weiterverbreiten oder gar selbst darauf aufbauen und neue Inhalte einstreuen. Hieraus entwickelt sich ein völlig neues Protestkonzept, das sich eigentlich darin niederschlägt, Ideen ungehinderten Lauf zu lassen.
Jemand könnte schreiben: “Eigentlich kann man am Flughafen doch auch gleich ganz nackt herumlaufen”, ohne es wirklich ernst zu meinen. Andere verbreiten diesen Scherz weiter, bis der Nächste ihn aufgreift und meint: “Hey, das wäre ein toller Flashmob. Los, wir lassen alle die Hosen runter.” Über das Netz melden sich daraufhin Mitstreiter und schon am nächsten Tag laufen halb nackte, mit Sprüchen bemalte Menschen über Flughäfen. Die Leute finden spontan, ohne zentrale Instanz zusammen und gehen genauso schnell wieder auseinander, wie ein Fischschwarm. Der Flashmob ist dabei quasi das Mittel einer Minidemo. Er ist nicht wegen großer Menschenmassen interessant, sondern aufgrund seiner Spontanität und Kreativität.
Auch die gute alte Demo profitiert
Eine andere Variante des kreativen Protests sind die sogenannten “Virals”. Ursprünglich zu Werbezwecken genutzt, finden Lieder, Bilder und Videos, die sich durch soziale Netze verbreiten, auch für den Protest immer mehr Anwendung. Sie wirken meist satirisch und werden häufig von den Betroffenen nicht ernst genommen, aber wie eine ehemalige Familienministerin erfahren musste, kann schon eine einfache Verballhornung eines Namens mehr Protest ausdrücken, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Ob nun in der Organisation oder als primäres Trägermedium, das Netz mit seiner offenen Struktur spielt eine tragende Rolle für Protest.
Auch die gute alte Demo profitiert davon, wenn man viele Menschen erreichen und mobilisieren kann. Der größte Vorteil findet sich allerdings darin, dass auch wenige oder gar einzelne die Möglichkeit haben, große Wellen des Protests loszutreten. Wer dies unterschätzt, der wird sicher noch mit dem ein oder anderen politischen Debakel rechnen müssen.



















kriegt die piratenpartei eigentlich imageprobleme wegen somalia? schon gefährloich, somalia findet einfach niemand gut…
wegen den portestformen – durch die zersplitterung der medien ist es aber auch viel schwerer, die aufmerksamkeit einer GESAMTEN gesellschaft zu erlangen… immer nur partikularien.
interessant wäre auch, wie man THEMEN koordinieren kann… z.B. ein Jahr bzw. bis es gelöst wird, stürzen sich alle auf Überwachung, dann auf Iran, dann auf CAP, etc.