Willkommen in Maduros Gewaltlabor

von Andreas Kern6.04.2015Außenpolitik

Oppositionelle werden weggesperrt, das Volk per Ermächtigungsgesetz regiert: Die Lage in Venezuela ist dramatisch. Der europäischen Linken ist das herzlich egal, sie feiert den Chávez-Nachfolger Nicolás Maduro.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, lautet Artikel 1 des Grundgesetzes. Ganz egal, ob die Verfassung Venezuelas einen ähnlichen Passus enthält: Wer in der Bolivarischen Republik konträr zum Regime steht, wird sich kaum auf schöne Sätze über Menschenwürde oder Menschenrechte berufen können. Oppositionelle werden weggesperrt, kritische Journalisten eingeschüchtert, Andersdenkende ausgegrenzt und drangsaliert. So ist die Realität im Jahr zwei nach Hugo Chávez.

Lilian Tintori und Mitzy de Ledezma, Ehefrauen der inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López und Antonio Ledezma, werfen der sozialistischen Führung vor, die ganze Gesellschaft in Geiselhaft zu halten. Wer ohne rote Schönfärberbrille auf Venezuela schaut, muss konstatieren: Das Land ist 16 Jahre nach Chávez’ Machtübernahme – und zwei Jahre nach dessen Tod – zu einem Hexenkessel geworden. Regimegegner hinter Gittern; bewaffnete Gangs, die mit Duldung (oder im Auftrag?) des Regimes Bürger einschüchtern; ein per Ermächtigungsgesetz herrschender Staatschef. Der Karibikstaat hat inzwischen alles, was eine lupenreine Diktatur südamerikanischer Prägung ausmacht.

Doch in Europas linken Salons, bei der deutschen Linkspartei und ihrer Rosa-Luxemburg-Stiftung verschließt man die Augen – oder redet sich mit Orwell’schem Doppeldenk die Welt schön. Schuld an Krawall und Gewalt habe natürlich die Opposition. Diese sei sowieso von den USA gesteuert – und bloß auf Krakeel und Umsturz aus. Die Protestierenden in Venezuela? Willige Helfer der Konterrevolution. Es gehe den Demonstranten auch nicht um Freiheit, sondern nur um niedrigere Preise oder mehr Konsumartikel in den Supermärkten.

Menschenwürde scheint teilbar zu sein

Böse sind für die Chávez-Versteher auch „kapitalistische Medien in westlichen Staaten“. Die hätten nur ein Ziel: einen unbotmäßigen Staat, der den Stachel wider die neoliberale Weltordnung löckt, zu diskreditieren. Wenn es um die Freunde in Caracas geht, vergisst sogar US-Menschenrechtsaktivist Sean Penn das „gut sein“. Verbunden mit Medienschelte

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu