Sarrazin ist ein unterbeschäftigter Bundesbanker mit ausgeprägter Profilneurose Andrea Nahles

It's not that easy, being green

Grüne Wirtschaft droht zum Allheilmittel zu werden – und verliert damit den Boden unter den Füßen. In Zukunft müssen auch Wachstumsmotoren nachhaltig sein.

Zwanzig Jahre nach dem ersten Erdgipfel der Vereinten Nationen in Rio zum Thema Umwelt und Entwicklung ist die Welt im Jahr 2012 über die „New Economy“ bei der „Green Economy„ angekommen. Sie wird definiert als innovationsorientierte, ökologisch verträgliche Wirtschaft, die durch ressourcenschonende und schadstoffreduzierte Technologien sowie erneuerbare Energien der Wirtschaft langfristig frischen Wind verleihen soll. Ziel ist es, unserem geschröpften Planten auf natürliche oder unnatürliche Weise das zurückzuführen, was vorab entnommen wurde. Gleichzeitig soll Wachstum generiert werden.

Eigentlich ist das ein Paradox, denn technologischer Fortschritt, Innovation und unbegrenztes Wachstum lassen sich wohl kaum in das Kreislaufsystem der Nachhaltigkeit zwängen. Den Ursprung mag die „Green Economy“ daher im Konzept der Nachhaltigkeit finden – doch es ist offensichtlich, dass der Nachhaltigkeit nur ungenügend Rechnung getragen wird. Der Fokus der „Green Economy“ liegt nicht auf einem regenerierbaren Kreislaufsystem, das auf den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales fußt. Die ökonomische Komponente – vorangetrieben durch „grüne Innovation“ und technologischen Fortschritt – ist inzwischen so dominant geworden, dass soziale und ökologische Überlegungen zurückstecken müssen.

Trotzdem wird eine grüne Wirtschaft derzeit als Allheilmittel gepriesen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Dezember 2011 eine Konferenz zum Thema „Corporate Social Responsibility“ organisiert, auf der auch die „Green Economy“ als Schwerpunktthema behandelt wurde; große deutsche Wirtschaftsmagazine geben Sonderausgaben mit eben diesem Titel heraus. Im Juni 2012 wird das Gipfeltreffen der Vereinten Nationen unter dem Titel „Rio 20+“ grünes Wirtschaften ebenfalls in den Mittelpunkt stellen. Auch auf der Seite der Konsumenten kommt die Idee gut an. Produkte, die zusätzlich zu ihrer originären Funktion noch einen „grünen“ Mehrwert bieten, liegen voll im Marketingtrend. Der ursprüngliche Begriff der Nachhaltigkeit scheint dabei auf das Abstellgleis geraten zu sein, er dient lediglich noch der Erläuterung des Phänomens der „Green Economy“.

Es scheint, als habe die „Green Economy“ den Begriff der Nachhaltigkeit im heutigen Sprachgebrauch aufgesogen. Kritisch wird es, wenn dabei Nachhaltigkeit zur Durchsetzung rein ökonomischer Interessen zweckentfremdet wird. Dabei spielt es wohl kaum eine Rolle, ob es sich um beispielsweise die Entwicklung und Förderung von genetisch verändertem Saatgut für Entwicklungsländer handelt oder die Entwicklung von Biokraftstoff für Industrienationen. In beiden Fällen ist es fraglich, ob der Aufwand den Nutzen rechtfertigt.

Kein Mittel zum Zweck

Richtig verstanden, kann die „Green Economy“ aber eine Chance für die Welt sein. Zum einen scheint der Begriff selber das Charisma zu haben, auch diejenigen anzusprechen, die eigentlich wenig für ein umweltschonendes Wirtschaften übrighaben. Zum anderen kann sie in Entwicklungs- und Schwellenländern gleichermaßen die Wirtschaft vorantreiben und Armut reduzieren. Die „Green Economy“ sollte dabei als ein Teil einer so dringend notwendigen Transformation der Weltwirtschaft verstanden werden und nicht als Mittel zum Zweck im Kampf gegen eine drohende Rezession in der westlichen Welt eingesetzt werden. Auf gar keinen Fall darf die „Green Economy“ eine Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung ersetzen – denn diese geht zum einen voraussichtlich zeitlich und zum anderen inhaltlich weit über den Lebenszyklus einer „Green Economy“ hinaus.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Uwe Schneidewind, Ingolfur Blühdorn, Winfried Zimmermann.

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