Mir sind Kopftuchmädchen lieber als Arschgeweihmädchen. Peter Gauweiler

Plötzlich wurde sein Penis ganz groß

Mit „Adam sucht Eva“ bietet RTL eine Schlaftablette mit Softporno-Touch – nur ohne Sex, dafür mit ganz viel Handlung und oftmals ohne happy endings. Wegschauen zwecklos, meint die Kolumnistin.

Welch ein fröhliches Bammeln und Baumeln bei RTLs Showknaller „Adam sucht Eva“. Hier, im Paradies, laufen die Uhren anders: Erst tritt man sich nackig gegenüber, danach wird sich angezogen. Eine geschickt ausgeklügelte Dramaturgie, die Mann und Frau auf das Wesentliche reduziert: ihre Genitalien. Die werden hier ungeschönt und mit Verpixelungen gezeigt, wenn sie nicht von den Kandidatinnen mit Haar und Hand kaschiert wurden. Ausgeschmückt sind diese unverblümten Tatsachen mit tiefgründigen Gesprächen, verrückten Basteleien und Palmenwedel-Knoten. Somit ist ein bisschen Altersheim-Atmosphäre auch noch mit dabei.

Unverhüllte Tatsachen

Abwechslung pur auf einer einsamen Insel, die nur noch mit dem Moment getoppt wird, an dem die sogenannten Lovebags ausgepackt werden. In den großen, geschmacklosen Beuteln dürfen Dinge von daheim enthalten sein, mit denen man Männern so richtig den Kopf verdreht – in der Adam-sucht-Eva-Version von diesem Donnerstag heißt das dann Dosenbier, ordentlich Schminke und Schmuck. Gibt ja auch einiges schön zu trinken. Doch wer braucht schon Lovebags, wenn man seinen Gefühlen unverhüllt freien Lauf lassen kann? „Plötzlich wurde sein Penis ganz groß“, grinste eine Kandidatin, die sich dennoch gegen ihren Adam entschied. Ob es an seiner weißen Hose lag? Oder doch am Jackett?

Die einstige Euphorie für das Gegenüber schien mit einem Mal erloschen. So plötzlich kennt man das eigentlich nur vom Bachelor-/Bachelorette-Finale. Hier wurden die Dates noch mit exklusiven Extras der Luxusklasse bespickt, die für den Normalverdiener im Unerreichbaren liegen: Kuscheln in der Wüstensonne, Rumgeknutsche auf Privatinseln. Einen extremeren Unterschied von der Realität gibt es nicht. Eigentlich kaum verwunderlich, dass diese Liaisons vor der Kamera relativ schnell im privaten Terrain scheitern. Dann ist es plötzlich nicht das Bärenfell vorm knisternden Kaminfeuer, sondern nur der Poly-Hochflor-Teppich vor der knackenden Heizung, auf dem man sich wälzt und exotisch wird es daheim nur noch bei einem Ausflug in den Zoo.

Nacktes Fleisch auf dem Präsentierteller

Das, was es hier zu viel gibt, fehlt bei „Adam sucht Eva“, keine Atmosphäre, keine Vorfreude vor dem „Auspacken“, einfach nur nacktes Fleisch, servierfertig auf dem Präsentierteller und alle dürfen mit den Augen anlangen.

Was möchte dieses Format erreichen? Soll es tatsächlich dazu führen, seine eigene Oberflächlichkeit mitsamt der Klamotten abzustreifen oder sind wir eben gerade so oberflächlich, dass wir uns von blanken Busen und Penissen schneller zu einer Entscheidung bringen lassen? Antworten auf diese Fragen habe ich nicht, dennoch habe ich in dieser Sendung eines der besten Schlafmittel des Jahrzehnts gefunden. Einzige Nebenwirkung: vermutlich schamlose Albträume.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alissia Passia: „Alles wird für etwas gut sein“

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