Journalisten: Wegelagerer und Indiskretins. Helmut Schmidt

Wowereit nach Wowereit

Nach 13 Jahren tritt Berlins Bürgermeister zurück. Über seine Nachfolger, mögliche Karrieren und andere Ungereimtheiten.

Ist die Party vorbei, beginnt der nächste Morgen meist mit einem ordentlichen Kater. So geschehen auch nach dem Rücktritt von Wowi Wowereit. Kaum sagt der Fetenprinz, der in den letzten 13 Jahren keinen roten Teppich ausließ, „Ich bin dann mal weg“, verursachen zwei mögliche Nachfolger heftige Kopfschmerzen – zumindest bei mir.

Die beiden Kontrahenten könnten non-charismatischer nicht sein. Da hätten wir zum einem den Herrn Saleh, ein echtes Bündel Ehrgeiz. So soll der gebürtige Palästinenser, dem man eine Kindheit in einer Spandauer Platte nachsagt, sich bei einer Fastfood-Kette so richtig hochgearbeitet haben.

Doch ist ein Palästinenser in Berlin, der in der Vergangenheit mit Aussagen wie „verfehlte Integrationspolitik sei eine Ursache für judenfeindliche Hetze“ auf sich aufmerksam machte, der richtige Kandidat für solch einen Posten? Die nicht gerade kleine jüdische Gemeinde in Berlin dürfte not-amused sein.

Gesicht der Hauptstadt

Saleh, so wird gemunkelt, soll der heimliche Nachfolger-Favorit von Wowi selbst sein. Warum er weniger mit dem bekennenden Hornbrillenträger und Homosexuellen Stöß sympathisiert, bleibt sein Geheimnis. Dabei hat sich der Berliner Parteichef bereits vor einiger Zeit auf die mögliche Nachfolge Wowereits vorbereitet – ob seelisch, psychisch oder körperlich ist dabei nicht bekannt. Nun soll alles umsonst gewesen sein?

Ja, meint zumindest Senator Müller, der nun auch das Gesicht der Hauptstadt werden will. Doch was hat er, was die anderen nicht haben? Einen einprägsamen Namen besitzt er schon mal, der ihn zudem sehr volksnah wirken lässt. Außerdem betont der Endvierziger, er habe bereits Erfahrungen gesammelt, die „wichtig sind, auch in den nächsten Jahren der politischen Arbeit“ (Zitat aus der „Berliner Zeitung“).

Auch einen langen Weg sei er mit Wowi bereits gegangen. Und da auf langen Wegen bekanntlich viel geschwatzt wird, könnte die Möglichkeit bestehen, dass ihm der Klaus dabei ein paar seiner Erfolgsgeheimnisse verraten hat. Pünktchen für Müller!

Promistatus und Blitzlichtgewitter

Doch bleiben wir bei Wowereit, was wird nun aus ihm? Wie sieht seine Zukunft aus? Nach seinen erfolgreichen Auftritten bei der Bread & Butter und unzähligen anderen Veranstaltungen hat er sich, hart, sehr hart, einen Promistatus erarbeitet, er spielt also in der A-Liga. Somit wäre eigentlich eine Karriere bei „Promi Big Brother“ und „Das perfekte Promi-Dinner“ ausgeschlossen, der Bekanntheitsgrad ist einfach zu groß.

Hm, gar nicht so einfach, da der Gute das Blitzlichtgewitter so gewohnt ist. Dieses könnte er jedoch genießen, wenn er seine gewonnene Mode-Expertise für eigene Designs nutzte. Fashion für echte Alleskönner, sozusagen. Visionäre, Versprecher und Partytiere. Ach, verdammt, das Label mit dem prägnanten Glitzer-Print „Hauptstadtrocker“ gibt es ja schon. Doch, wer weiß, vielleicht erbarmt sich Wowi doch noch und klärt uns über den verspäteten Aprilscherz auf.

Denn, ist das, was uns nun erwartet, wirklich besser als die Zeit mit Wowereit? Wirklich viel Produktives kam in den 13 Jahren nicht heraus, doch was kann man von Saleh, Stöß und nun auch noch Müller erwarten, als genauso viel heiße Luft, leere Versprechungen und dafür umso mehr Präsenz auf hochkarätigen Veranstaltungen?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alissia Passia: „Alles wird für etwas gut sein“

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