Ich hatte manchmal das Gefühl, ich bin eher Inhaber einer Reparaturwerkstatt. Kurt Georg Kiesinger

Als der Zuschauer den Löffel abgab

Brodelnde Hobby-Köche, sich selbst überschätzende Tattoo-Machos und kollektives Ekeln – bei The Taste bleibt einem als Zuschauer das Essen im Halse stecken.

„The Taste“, ein stark an „The Voice" erinnerndes TV-Format, das rein gar nichts mit gutem Geschmack zu tun hat. Oder würden Sie es als appetitlich bezeichnen, wenn Mälzer, Linster, Herrmann und Rosin ihr Halbzerkautes wieder auf den Löffel zurück spucken? Hmmm, köstlich. Auf diese Casting-Show habe ich wirklich gewartet.

Bombay meets Castrop-Rauxel

Schon allein bevor das Braten und Köcheln in Rekordzeit beginnt, hat man als voreingenommener Zuschauer etwas zu gucken. Die natürlich so gar nicht gecasteten Kandidaten – neeeiinnnn – sorgen nämlich für die Würze in der ziemlich laschen Sendung. Da wäre zum einem der Tattoo-Proll gewesen, der mit „Isch hau dir gleich aufs Maul“-Blick schon im Vorfeld keine Kritikfähigkeit vermuten ließ. Oder die ach so knuffige Hausfrau, die sich mit ihrem Mix aus „Bombay meets Castrop-Rauxel“ in die Herzen kochte. Herrlich.

Gekochtes Essen als Blind Audition

Zu toppen waren diese Talente jedoch noch von diesem genialen Einfall, einen nicht funktionalen Fahrstuhl in die Sendung einzubringen. Verstehen Sie nicht? Nun, dieser diente als „Aufenthaltsort“ der Köche, bevor sie sich der Jury stellten. Wo wir schon wieder bei einer Parallele zu „The Voice“ wären. So war die Blind Audition quasi das gekochte Essen, das von unseren Star-Köchen mehr oder minder genossen wurde. Die Löffel sind im Übrigen von einer orientalischen Prinzessin im knappen Dress, die mich sehr an ein gewisses Soap-Sternchen erinnerte, auf einem silbernen Tablett gereicht worden. Ein genauso überflüssiges Ding wie der besagte Fahrstuhl. Der Clou an Letztgenanntem: er war hellhörig! Und zwar nur seitens der Kandidaten.
Technik, die begeistert.

Unbeholfenes Suchen unterm Tisch

Dieser Umstand des Sich-nicht-vor-der-Jury-rechtfertigen-Könnens machte so manchem Koch ordentlich zu schaffen. Doch die Spannung stieg noch weiter, denn die Linster und Co. mussten vorm Antritt des Kandidaten noch einen Knopf unterm Tisch drücken. Hier wurde sogar eine Kamera versteckt, die beispielsweise das Patschehändchen vom Mälzer dann unbeholfen beim Suchen der Knöpfe filmte. An den Fingern hat man ja bekanntlich noch keine Augen, einfach eine tolle Idee. Respekt für so viel Einfallsreichtum.

Bevor Sie sich vor Erwartungen und Spannung bald in die Hosen machen, möchte ich die Wiedergabe meiner neuen Lieblingssendung verkürzen: Fahrstuhltür ging auf, Jury sabbelte sich einen zurecht und dann, babamm, kam noch ein Hebel zum Einsatz, der entweder nach unten – fliegt’s raus – oder nach oben – willkommen in meinem Team – geschoben wurde. Um die Entscheidung zu untermalen, entschied sich das Fernsehteam für das Verblassen des Jurorennamens in „Kerzeauspuste-Optik“. Sie verstehen nicht? Ich langsam auch nicht mehr. Am Ende hatte dann jeder Juror – Achtung, „The Voice“-Parallele – sein Team zusammengestellt und darf nun in der nächsten Sendung zum Battle ansingen, ähm, ankochen. Oder was auch immer.

Und wenn’s nicht schmeckt, dann wird eben wieder ausgespuckt. In diesem Sinne: Guten Appetit.

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