Wir dürfen nicht nach Hause gehen und denken, dass die Klimakonferenz das Problem gelöst hat. Rajendra Pachauri

Things Will Never Be The Same Again

Kurz vor dem 10. Jahrestag der Anschläge von New York wird in Berlin ein Anschlag vereitelt. Damit bleibt die deutsche Hauptstadt auch weiterhin verschont. Angst ist dennoch auch hier ein ständiger Begleiter.

Der 11. September 2001 ist jetzt tatsächlich schon 10 Jahre her. Am Sonntag ist es so weit. Ich war damals zwar noch ein Teenager, kann mich aber noch genau daran erinnern, was ich an besagtem Tag gemacht habe. Ich war gerade aus der Schule zurück und hörte Radio, genauer gesagt Info-Radio vom RBB, und es war Zeit für die Börsennachrichten aus New York, als der Korrespondent plötzlich von den Flugzeugen im World Trade Center berichtete. Ich konnte diese Nachricht damals nicht richtig einordnen, erst im Gespräch mit meinen Eltern und den Lehrern und Mitschülern in den nächsten Tagen wurde mir bewusst, was gerade geschehen war. Es gibt tatsächlich nur noch ein anderes Datum, mit dem ich eine ähnlich präzise Erinnerung verbinde – und ich habe keine Ahnung wieso – wie mit 9/11: der 31. August 1997, der Tag, an dem Lady Diana starb.

Angst als ständiger Begleiter

Seitdem hat sich so viel verändert. Terrorgefahr und Angst sind allgegenwärtig. Auch hier bei uns. Erst gestern hat die Berliner Polizei offenbar einen Anschlag verhindert und zwei Verdächtige festgenommen. Diese sind unter Verdacht geraten, weil sie eine ungewöhnlich große Anzahl von Kühlakkus bestellt haben sollen, deren Flüssigkeit zusammen mit einer Säure wohl zum Bau einer Bombe geeignet ist.

Die Spekulationen über die Hintergründe sind ebenso vielfältig wie unbewiesen; sie reichen vom anstehenden Papstbesuch bis hin zum 10. Jahrestag der Anschläge von New York. Und dass die beiden aus dem Libanon bzw. Gaza stammen und zusätzlich ein islamischer Kulturverein durchsucht wurde, dürfte den Verschwörungstheorien weiter Auftrieb geben. Leider.

Ich weiß nicht, wie die 90er so als Party-Jahrzehnt waren, kann aber trotzdem Veränderungen feststellen zwischen der Zeit vor dem 11. September 2001 und danach. Einerseits befremdet es mich schon, wenn bewaffnete Polizisten an den neuralgischen Punkten in dieser Stadt verstärkt präsent sind, so wie im vorigen Herbst, als offenbar eine erhöhte Terrorgefahr bestand. Bis an die Zähne bewaffnete Polizisten im alltäglichen Stadtbild war ich bis dato einfach nicht gewohnt. Deren Anblick beruhigte mich auch nicht, ganz im Gegenteil. Ich wollte nur schnell weg von ihnen, aus Angst, es würde gleich etwas passieren. Wie bescheuert.

Andererseits beschleicht mich durchaus ein mulmiges Gefühl, wenn ich ein vermeintlich herrenloses Gepäckstück irgendwo sehe oder auf dem Bahnhof durchgesagt wird, dass der nächste Zug aufgrund einer Bombendrohung nicht kommt. Auch bin ich meinen Mitmenschen gegenüber skeptischer geworden. Das ist mindestens genauso bescheuert, lässt sich aber irgendwie nicht ändern.

Der Augenöffner

Und dabei ist Berlin zum Glück bislang von Anschlägen wie in New York, London oder Madrid verschont geblieben. Die latente Angst werden wir aber nicht mehr los. Sie ist unser ständiger Begleiter, Teil unseres Alltags. Es liegt an uns, ein vernünftiges Verhältnis zu ihr zu entwickeln und uns nicht von ihr auffressen zu lassen. Hundertprozentige Sicherheit hat es sehr wahrscheinlich nie gegeben, nur war zumindest mir das lange Zeit nicht bewusst. Der 11. September 2001 hatte in dieser Hinsicht eine augenöffnende Wirkung.

Leserbriefe

Aus der Kolumne

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