Jetzt wurde sie also abgesagt, die Facebook-Party zur Wiederbelebung der Loveparade am kommenden Wochenende in Berlin. Finde ich gut. Ob der Thematik Facebook-Partys bin ich ganz bei meinem Kollegen Lars Mensel und halte nicht viel von Verboten. In diesem speziellen Fall stören mich vielmehr ganz andere Dinge.
Am Jahrestag durch Berlin tanzen?
Da wäre zum einen der unglaubliche Zynismus. Am Sonntag jährt sich erstmalig die Katastrophe von Duisburg, als auf der dortigen Loveparade 21 Menschen ums Leben kamen und mehr als 500 verletzt wurden. Noch immer ist nicht vollständig geklärt, wie es so weit kommen konnte und bei wem die Schuld zu suchen ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin. Immerhin hat sich Adolf Sauerland, Duisburgs Oberbürgermeister, Anfang voriger Woche öffentlich entschuldigt, was er bislang immer abgelehnt hatte: „Als Oberbürgermeister dieser Stadt trage ich moralische Verantwortung für dieses Ereignis.“ Warum hat der eigentlich seinen Job noch? Leute sind schon aus weniger schwerwiegenden Gründen von ihren Posten zurückgetreten, aber das ist eine andere Baustelle. Wie geschmacklos ist es denn aber bitte schön, am Wochenende des ersten Jahrestags dieser Tragödie fröhlich tanzend durch Berlins Mitte ziehen zu wollen, während in Duisburg und Umgebung der Opfer mit zahlreichen Veranstaltungen gedacht wird?
Und außerdem, wie haben sich denn die Initiatoren das Ganze eigentlich vorgestellt? Zuletzt hatten sich mehr als 14.000 Menschen angekündigt. Die Ausrede, das sei alles nur als virtuelles Event geplant gewesen, klingt ja wohl mehr als an den Haaren herbeigezogen. Gerade die Diskussion der vergangenen Wochen um aus dem Ruder gelaufene Facebook-Partys sollte doch als Gegenargument reichen. Selbst wenn nicht 14.000 am Samstag gekommen wären, sondern meinetwegen nur 5.000, hätte das ein großes Sicherheitsrisiko bedeutet. 2010 in Duisburg war die Loveparade geplant und das Sicherheitskonzept hat trotzdem versagt. Wenn das nicht als Lehre reicht, was muss denn noch geschehen?
Wer hört eigentlich noch Techno?
Nicht zuletzt sollte die Frage erlaubt sein, wie zeitgemäß die Loveparade im Jahr 2011 eigentlich noch ist. Richtig politisch war sie vermutlich nie, auch wenn die erste Veranstaltung einst als politische Demonstration angemeldet war. Zuletzt war sie jedoch nur noch kommerziell und fand das ein oder andere Mal nicht statt, weil sich kein Sponsor fand. Zudem gingen auch die Besucherzahlen kontinuierlich zurück. Kein Wunder eigentlich, denn mal ehrlich: Wer hört heute eigentlich noch Techno?
Die Loveparade hatte ihre Zeit und dabei sollte man es auch belassen. Wiederbelebungsversuche halte ich für nicht gut – die Ereignisse von Duisburg werden auf ewig mit dem Event Loveparade verbunden sein – und auch nicht für sonderlich lukrativ. Ein von mir hochgeschätzter Kollege der The European-Redaktion brachte es neulich folgendermaßen auf den Punkt: „Die Loveparade ist ja so 90er. Die Klamotten, die man damals dort getragen hat, kriegt man doch heute nirgends mehr zu kaufen.“



















Liebe Sandra,
wie können Sie sich eigentlich so ein Urteil über die LoPa erlauben. Sie sind Anfang 20. Als die LoveParade geboren wurde waren Sie bitte wie alt ? hm ich tippe auf 2
“wer hört eigentlich noch techno”
Allein dieser offene Satz, zeigt, daß Sie absulut Null Ahnung haben. Denn es heisst “elektronische Musik” – Techno ist nur ein Teil davon, ebenso wie House, Trance … usw. Und es geht nicht darum es zu hören, sondern zu leben. Und elektronische Musik ist so massenkompatibel wie nie zu vor.
Beispiele gefällig?
Film Tron – Soundtrack von Daft Punk
Film “Wer ist Hanna” – Soundtrack von Chemical Brothers
Diverse Werbespots – Soundtrack von 2Raumwohnung
aktuelle Vodafone Werbung …
Titelsound zu “Germany’s next Topmodel”
usw usw usw …
ich kann diese Liste endlos fortsetzen.
Die von Ihnen angesprochenen Klamotten – um die geht es doch gar nicht. Wenn Sie elektronische Musik mit Schlaghosen und bunten Tops gleichsetzen – dann zeigen Sie um so mehr, daß Sie rein gar nichts verstanden haben. Mit der Musik ist auch das Publikum “gewachsen”. Klamottenwandel ist ein ganz normaler Prozess. Oder tragen Sie das gleiche Zeugs wie von 10 Jahren?
so, nun lassen Sie mich bitte zum eigentlichen Thema kommen.
Die LoPa zum Jahrestag in Berlin.
Warum nicht? Was GENAU ist daran schmacklos.
Bei allem Respekt – aber wenn wir mit dem einzigen Argument, da sind Leute gestorben, genau das meiden sollten, dann fragen Sie sich mal bitte folgendes?
- Darf Niemand jemals wieder fliegen?
- Darf Niemand jemals wieder über die Strasse gehen?
- Darf Niemand jemals wieder in ein Auto steigen
- Darf Niemand jemals wieder nachts raus gehen
- Darf Niemand jemals wieder eine Sportveranstaltung besuchen ?
usw usw usw.
Überall dort sind bereits sehr schreckliche Sachen passiert, genau wie auf der LoPa.
Wenn überhaupt etwas nie mehr wieder passieren sollte, dann ist es, daß Herr Sauerland eine Stadt regieren darf. Denn ohne dessen Habgier wäre all das nicht passiert.
In Berlin sieht der Ort ganz anders aus. Und selbst wenn es dort zu einer Massenpanik kommen sollte, ist man innerhalb von Sekunden (JA SEKUNDEN !!!!) im Tiergarten, denn die Strecke ist komplett offen.
Nicht das Sicherheitskonzept in Duisburg hat versagt, sondern die Stadtverwaltung.
Lassen Sie mich zum Thema “wer hört eigentlich noch Techno” noch etwas hinzufügen.
Der riesige Erfolg von “berlin calling” spricht ja wohl für sich. Schauen Sie, was Ihre Kollegen/innen dazu schreiben:
http://www.berlin-calling.de/de/pressestimmen
Und ich wette, Sie haben Kokowääh gesehen?
Nun raten Sie mal, wer auf dem Soundtrack vorkommt? ? ? naaaaaaaaa? Paul van Dyk – RICHTIG !
Und Madonna mögen Sie doch auch oder?
Raten Sie mal, wer einer ihrer Produzenten ist? … William Orbit. Genau der mit “Adagio for String” einen wahnsinns Erfolg landete.
Sehen wir uns mal die aktuellen Top10 an.
iTunes Single Top10 Charts
Die heutigen Top 10 Titel des iTunes Music Store. Ermittelt von Apple.
Platz 6 – Little Bad Girl (feat. Taio Cruz & Ludacris) – David Guetta
Little Bad Girl (feat. Taio Cruz & Ludacris) – David Guetta
Machen wir weiter mit den world charts:
von DAVID GUETTA ft SNOOP DOGG
(cover von Felix – Dont you want me)
Das sollte an Gegenargumeten reichen.
Nun sind Sie aber dran ;)
Lieber Idee der blabla…,
ob man nun Techno mag oder nicht, ist doch für die Frage nach der Fortführung der Loveparade völlig unerheblich. Und dass elektronische Musik weiter wichtiger Bestandteil der Popkultur ist – keine Frage.
Wessen moralischer Instinkt aber nicht weit genug reicht, um die unglaubliche Geschmacklosigkeit der Facebookparty-Loveparade zu erkennen, dem ist wohl auch mit guter Musik nicht mehr zu helfen.
An Geschmacklosigkeit überbietet das eigentlich nur der Vergleich der Loveparade mit dem Straßenverkehr. Da hilft wohl nur noch eins: Bässe voll aufdrehen und ignorieren.
Lieber Christoph,
ich würde mal sagen, ganz dolle AUTSCH.
Ich habe die GEFAHR, daß auf der LoPa etwas passiert, mit der GEFAHR des Straßenverkehrs, Flugzeuges … etc verglichen. Oder wurden nach 09/11 alle Flüge moralisch als Falsch angesehen?
Des weiteren frage ich mich, wie es sein kann, daß der CSD weiter existieren ‘darf’. Da sagt niemand, wie unmoralisch es ist und ‘wie könnt ihr nur?’ – auch wenn die politische Motivation eine Andere ist, dennoch ist die Durchführung als solche am Ende 100% identisch mit der LoPa.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt !
Man muss elektronische Musik nicht mögen. Aber bei einem derart naiven Kulturverständnis wie bei der Autorin (“Wer hört eigentlich noch Techno?” So etwas Einfältiges würde nicht einmal meine Großmutter von sich geben) sollte man sich dann doch besser zurückhalten, geschweige denn einen Artikel zu dem Thema schreiben. Die Vermengung mitden Toten der loveparade in Duisburg setzt dem Ganzen dann noch die Krone der Anmaßung auf.
Damn… bisher war ich ja wirklcih glücklich über die Qualität die ich auf dieser Site vorfand – und nun sowas… tja muss wohl auch mal sein.
Der Artikel ist wirklich unter aller Sau!
Schade… das Thema hätte durchaus mehr Differenzierung verdient.
Oh man, was für ein unglaublich schlecht argumentierender “Kommentar”. “Nicht zuletzt sollte die Frage erlaubt sein, wie zeitgemäß die Loveparade im Jahr 2011 eigentlich noch ist. Richtig politisch war sie vermutlich nie” Häää? Meine liebe Autorin, Sie haben ja wohl gar keine Ahnung von Elektronischer Musik und davon, was die Loveparade mal war. Dass die Loveparades im Ruhrpott nichts politisches mehr an sich hatten und nur Kommerz-Veranstaltungen waren, ist klar. Aber zu behaupten, die Loveparade wäre nie politisch gewesen, ist absoluter Unsinn! Wie wäre es mal mit ein bisschen Recherche? Natürlich, The European ist ja ein ach so tolles “Debatten-Magazin”. Dass die Fakten stimmen, scheint da in den Hintergrund zu geraten. Lernen Sie mal journalistische Grundsätze!
Es ist doch sehr verwunderlich wie schlecht einige Leute lesen können. Der Einwurf, ob Techno noch zeitgemäß ist, ist sicher diskussionswürdig. Ob man allerdings D.Guetta anführen sollte, wenn es um Techno geht, wage ich zu bezweifeln. Die Autorin hat ja nicht gegen elektronische Musik argumentiert, sondern eingeworfen, dass Techno, wie er auf der LoveParade zu ihrer Hochphase gespielt wurde nicht mehr aktuell ist.
Zum Anderen war es eben auch nur ein Einwurf. Thema des Artikels war ein ganz anderes. Wer sich hier nun also auf den Schlips getreten und in der freien Ausübung seiner Liebe zu elektronischer Musik beeinträchtigt fühlt – der sollte den Artikel einfach noch einmal lesen und die Position zu dessem eigentlichen Inhalt überdenken.
Der Vergleich zum CSD hinkt indessen gewaltig. Dieser Umzug wurde nämlich exakt im Gedenken an die Ereignisse in der Christopher Street eingeführt. Dieser Argumentation nach müsste man dann eine Parade gegen unzureichende Sicherheitskonzepte bei Großveranstaltungen einführen. Die könnte man dann ja von mir aus auch LoveParade nennen.