Man kann heute nicht Demokrat sein, ohne Antikommunist zu sein. Willy Brandt

Brennendes Bürgermeisterbett

In der Hauptstadt passiert so einiges, aber ausgerechnet über die brennende Matratze von Klaus Wowereit wird unverhältnismäßig viel berichtet.

Schockierende Nachricht am Donnerstag: Feuer bei Klaus Wowereit! Am Mittwochmorgen brannte die Matratze, da der Lebensgefährte Jörn Kubicki offenbar im Bett geraucht hatte. Die beiden versuchten zunächst selbst, den Brand zu löschen, mussten letztlich aber doch die Feuerwehr rufen. Der Regierende hat dabei sogar selber die 112 gewählt! Chapeau, in so einer Situation einen so kühlen Kopf zu bewahren; andere werden hysterisch und panisch. Sehr wahrscheinlich nahm die ganze Geschichte nur aufgrund dieser umsichtigen Aktion ein so gutes Ende. Zwar musste Kubicki mit einer Handverletzung ins Unfallkrankenhaus gebracht werden, aber die Flammen wurden besiegt; und nur das ist, was zählt. Der Senatschef ließ sich auch später im Abgeordnetenhaus nichts vom morgendlichen Schock anmerken und war wie immer professionell. Detailgetreue Berichte finden Sie übrigens bei „Bild“, im „Tagesspiegel“ und in der „taz“.

Puh, erst einmal durchatmen. Mir schlottern jetzt noch die Knie. Nicht auszudenken, was da alles hätte passieren können. Und wer vertritt eigentlich Klaus Wowereit, wenn der mal verhindert ist oder ihm etwas zustoßen sollte? Frank Henkel?

Krasse Nichtmeldung

Aber jetzt mal im Ernst: Wohnungsbrände sind etwas Schreckliches und bringen in der Regel viel Leid mit sich. Aber mir erschließt sich partout nicht, wieso der offensichtlich harmlose Brand bei Wowereit und Kubicki so berichtenswert ist, dass man ihn republikweit nachlesen kann. Eine ähnliche Nichtmeldung war diese Woche die wie übliche spärlich bekleidete Micaela Schäfer, die vorm Brandenburger Tor mit im Fußball-Look angemalten Brüsten Lust auf die EM machen wollte. Auch wenn die für viele sicherlich recht hübsch anzusehen ist.

Wie dem auch sei, das Mitleid mit dem Regierenden Bürgermeister hielt sich dementsprechend in Grenzen. Vielmehr regnete es Spott und Häme:



Und es dauerte auch nicht lange, bis jemand eine Verbindung zwischen dem fehlenden Brandschutz beim noch lange nicht fertigen Hauptstadtflughafen und dem Matratzenbrand hergestellt hatte.


In dieser Woche sind auch noch andere Dinge passiert

Dabei ist diese Woche in Berlin doch wieder so einiges los gewesen, worüber sich eine Berichterstattung viel mehr gelohnt hätte. Anfang der Woche erschütterte der grausame Mord an Senamur S. die Hauptstadt, am Donnerstag gelang der Polizei ein Schlag gegen die Rocker der Bandidos. Außerdem hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass die Berliner Wasserpreise zu hoch sind und es gibt auch in diesem Jahr eine Fanmeile. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit, wenn der Bettgeschichte des Bürgermeisters so viel Platz eingeräumt wird?

Ich habe mich ja schon öfter beklagt, dass ich dem andauernden Gemecker über meine Stadt nicht viel abgewinnen kann. Aber mit dieser Geschichte haben wir uns, und allen voran die Hauptstadtpresse, keinen Gefallen getan und Wasser auf die Mühlen all derjenigen gegeben, die Berlin schon immer für einen großen Witz hielten.

Und hoffentlich hört Jörn Kubicki jetzt auf, im Bett zu rauchen.

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