Halbwahrheiten über den Klimawandel sind mittlerweile endemisch James Hoggan

Leichen pflastern ihren Weg

Es kommt noch schlimmer: Diese so planlos von Thomas de Maizière zugedrohnte Bundeswehr bekommt exakt die Jeanne d’Arc, die sie verdient hat: eine ausgebildete Medizinerin mit Leichen-Erfahrung.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich habe mich jedenfalls über diese Große Koalition samt Koalitionsvereinbarung und SPD-Pseudo-Demokratie-Parteimitgliederbefragung dermaßen geärgert, dass ich vollkommen davon überzeugt war, diesen Mist könne man nicht mehr toppen.

Falsch gedacht. Und ja doch, es kann immer noch schlimmer kommen und als man glaubt. Denn ich hatte Ursula von der Leyen nicht mehr auf dem Plan. Die niedersächsische Unions-Polittrutsche war mir einfach hinten durchgerutscht. Ich hatte sie schlicht vergessen.

Mutter der Kompanie

Umso unangenehmer jetzt der Überraschungseffekt, als die Betonfrisierte nun völlig unbefleckt aus dem Schlammbad dieser BRD-Volkskammervereinigung emporstieg, wie Phoenixa aus der Asche, wie die freikirchliche Version einer verhärmten Marilyn Monroe aus einer ungezuckerten Diabetiker-Torte. Adrett lächelnd bis zur Selbstaufgabe. So sehr staubige Bonner Republik, dass Berlin gefühlt wieder so weit entfernt liegt, wie vor dem Mauerfall.

Diese von der Leyen soll nun Merkels „Kronprinzessin“ sein, wie der „Spiegel“ zu berichten weiß. Autor Roland Nelles weiß sogar, dass die Union, dass Merkel mit dieser geschickten Personalie eine Reihe von Problemen lösen kann. Von der Leyen sei sogar „eine der beliebtesten Politikerinnen in Deutschland“. Wie bitte? Schaut man sich die dazugehörigen Rankings an, steht das da tatsächlich. Allerdings wenige Plätze hinter ihr ist dort auch Claudia Roth platziert. Seien wir ehrlich, was bitte schön kann so ein Ranking mehr als Fälschung entlarven, als die Behauptung, Claudia Roth wäre eine beliebte Politikerin?

Diese von der Leyen soll nun Thomas de Maizière als Verteidigungsministerin (oder schreibt man hier korrekt „-ministerIn?“) ablösen. Dort, so prognostiziert Nelles, dürfte sie sich schon bald „als ‚Mutter der Kompanie‘ profilieren und bei den Soldaten Punkte machen“. Das allerdings fand ich dann wieder passend.

Denn da bekommt diese so planlos von de Maizière zugedrohnte Bundeswehr exakt die Jeanne d’Arc, die sie verdient hat: Eine ausgebildete Medizinerin mit Leichen-Erfahrung, wie Milliardär und Dauerverlobter der Ferres, Carsten Maschmeyer in der Sonntagsausgabe der „FAZ“ stolz verriet: „Wir standen als Medizinstudenten im Anatomiekurs an der gleichen Leiche. Wir mochten uns, lange bevor absehbar wurde, was aus uns wird.“ Maschmeyer brachte sein Studium nicht zu Ende, er hatte Wichtigeres mit dem Niedersachsen – herrje, was hat Deutschland bloß diesem Land angetan, dass es so von ihm bestraft wird? – Gerhard Schröder zu verhandeln.

Die personifizierte Spießigkeit

Von der Leyen promovierte mit der Doktorarbeit: „C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“. Und es darf hier als sicher gelten, dass diese Arbeit der siebenfachen Mutter als unantastbar plagiatsfrei gilt. Ein Kind mehr, und sie hätte sich in düstereren deutschen Zeiten das Mutterkreuz der ersten Stufe in Gold verdient. Und sie hätte es zu jedem Anlass getragen, da bin ich völlig sicher.

Ehrlich, ich weiß wirklich nicht, ob es überhaupt noch eine öffentlich auftretende weibliche Deutsche gibt, die mir unangenehmer ist als diese Frau. Die personifizierte Spießigkeit. Jedwede emotionale Regung planvoll konstruiert. Aufgesetzt, mit diesem Queen-Elisabeth-Gestus, dass man sofort wild gestikulierend abwinken möchte. Fremdscham sogar schon bei der bloßen Erwähnung ihres Namens.

Entschieden für Christus

Aber es kommt noch schlimmer: In Gegenwart dieses Hannoveraner Vollblutes färbt irgendwas auf Mutti über, das einfach zu viel ist. In Gegenwart von Ursula von der Leyen mag man Mutti nicht mehr. Das ist besonders unverzeihlich. Und eben das genaue Gegenteil eines geschickten Schachzuges, wie es der „Spiegel“ felsenfest behauptet. Im Doppelpack machen die beiden Damen nämlich einen übel verschwörerischen Eindruck. Die beliebte Pastorentochter verschießt jeden Bonus, wenn sie sich mit der evangelischen Schirmherrin des evangelikalen Jugendkonkresses Christival zu so einem katastrophalen Triumphmarsch femininerprotestantischer Ethik zusammenschließt.

Stichwort Christival, das ist jene Vereinigung, die sich unter anderem noch vor wenigen Jahren berufen fühlte, Homosexualität heilen zu wollen und die von der Ministerin mit einer viertel Million Euro bezuschusst wurden. Ja doch, von der Leyen ist auch als evangelikale Missionarin unterwegs. So meint eine Stellungnahme des Deutschen Jugendverbandes „Entschieden für Christus“: „Der Jugendkongress ,Christival‘ steht für innovative Jugendarbeit in unserem Land und trägt dazu bei, dass junge Menschen ermutigt werden, als Christen zu leben und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“

Und dann passiert, was nie passieren sollte, man ist in diesen ödesten aller Politikkosmen eingedrungen und gefangen. Paralysiert. Man recherchiert und findet sich in dieser sturen niedersächsischen von der Leyen’schen Parallelgalaxie wieder. Mentale Verwandtschaft mit dem Gelsenkirchener Barock. Mit der verblichenen Aura Bonner Tütenlampen und Nierentischchen. Grabeskälte in leuchtendem Sakralweiß. Adenauer 1963 aufgepimpt auf Merkel 2013.

Kanzlerin und Oberbefehlshaberin

Und obendrein ein zumindest aus werblicher Sicht unverzeihlicher Merkel’scher Personalien-Supergau. Alles wäre besser gewesen. Klarer. Und dabei hätte es sogar eine Chance für einen kühnen Moment gegeben. Denn wenn es Superministerien gibt, warum nicht als Neuerung mal eine Superkanzlerin? Als Unions-Gegengewicht zur eklatanten Konturschwächung durch die Koalitionskumpanei mit der SPD.

Warum also nicht mit maximalem Mut zur Veränderung die symbolträchtige Vereinigung von Kanzleramt und Verteidigungsministerium? Angela Merkel macht den mauen zweiten Aufguss einer lähmenden Großen Koalition zum Gipfel ihres Erfolges: Die Wiedervereinigung von Kanzlerin und Oberbefehlshaberin. Sie meinen, das gab’s alles schon mal? Was soll’s, wen interessieren die ollen Kamellen? Zu wenig Vorsehung?

Papperlapapp, dem Volk würde es gefallen. Und im Ranking würde Merkel dann auch wieder flott an diesem Mensch gewordenen Shar-Pei vorbeiziehen. An diesem Vorsehungspastor Gauck, der allerdings einen unschlagbaren Erfolg vorweisen kann, den ihm keiner mehr nehmen kann: Er hat diesen ominösen evangelikalen Niedersachsen vom Bundespräsidenten-Thron gedisst.

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