Wenn ich etwas nicht komplett verstanden habe, dann schreibe ich auch nicht darüber. Frank Schätzing

Kurze Hose (geöffnet) – Maschinengewehr

Der Grüne Daniel Cohn-Bendit zieht die Knarre aus der Hose. Frei nach dem Motto: Nach der grünen Entscheidung für Krieg im Kosovo ist doch eh schon alles scheißegal.

Herrlich, was für eine brutale Selbstdemontage, was für eine elende Schmollattacke gegen die eigene Partei. Der ehemalige Odenwaldschüler, Joschka-Fischer-WG-Mitbewohner und heute nahezu bedeutungslose, auf dem Grünstreifen des Europaparlaments im Schmollwinkel zwischengelagerte Polit-Frühgreis Daniel Cohn-Bendit rächt sich an seiner Partei, rächt sich an den Medien und den Deutschen dafür, dass man ihm aktuell seine Päderastenfantasien von vor über 30 Jahren fingerdick aufs Butterbrot schmiert.

Und wie er sich aufregt, das hat dann sogar eine gewisse Ästhetik im Dümmlichen: Denn Daniel Cohn-Bendit stellt sich in der Syrien-Diskussion trotzig und frech neben die US-amerikanischen Militärs und möchte, dass wir es ihm gleichtun, dass deutsche Soldaten ihm gleichtun, wenn Damaskus mit Bomben zugepflastert wird. Ein Schmok, der im Interview mit dem „Spiegel“ so klingt: „Ich bin für Militärschläge, wenn eine geschlossene Front des Westens hinter ihnen steht.“

Böser Grüner, Guter Grüner

Die Befürchtung seines grünen Parteigenossen Jürgen Trittin, das damit der Konflikt weiter eskalieren würde, watscht er in gewohnter Frankfurter-Freche-Schnauze-Manier ab: „Das ist absurd.“ Gut, jetzt könnte man bauernschlau einwenden, der sowieso in der Bedeutungslosigkeit versunkene Cohn-Bendit gibt für die Grünen das Bauernopfer, wenn er behauptet: „Im Moment gibt es bei den Grünen niemanden, der kämpfen will“, wenn er also die Grünen über den Frontalangriff nebenbei zu Peace-Kriegern lügt.

Aber dafür spricht einfach zu wenig. Solche Schmutzstrategien versteht auch längst keiner mehr. Und das entstammt wenn, dann diesen Bubenspielchen „Böser Grüner, Guter Grüner“ mit der die Schmuddel-WG-Brüder dereinst aufrichtige Parteigenossinnen wie Jutta Ditfurth und andere entsorgten und den grünen Spielplatz unter sich aufteilten, bis hoch zu diesem völligen Desaster „Regierungsbeteiligung“.

Nein, der Cohn-Bendit ist einfach stinksauer, frustriert und ermüdet vom langen Kampf, dieser pervertierten Version eines Marsches durch die Institutionen, um Macht, Einfluss, um Ruhm und Ehre. Wahrscheinlich hat er es einfach nicht für möglich gehalten, dass ihm so spät noch seine Päderastenfantasie um die Ohren fliegt. Keine Ahnung. Womöglich hängt er noch mehr an der guten alten Zeit, als sein Kumpel Teflon-Joschka, der das alles abgestreift bzw. mit wannenweise Dollars einfach weggewaschen hat. Vielleicht liegt dem Daniel tatsächlich nicht so viel an der Kohle wie anderen.

Blonde Locken, das Halstuch wie ein Cowboy

Umso schwerer muss der Schmerz wiegen über diesen so nachhaltigen Gesichtsverlust. So schwer, dass nun Damaskus dran glauben muss und die gute alte Friedensbewegtheit der Grünen flugs endgültig über Bord geworfen wird, frei nach dem Motto: Nach der grünen Entscheidung für Krieg im Kosovo ist doch eh schon alles scheißegal. Scheiß Deutschland, scheiß Frieden, scheiß Stuhlkreisgequatsche – jetzt löst nur noch die Knarre die Starre in der geöffneten Hose. Selbst dann noch, wenn es eine amerikanische Knarre ist. Cohn-Bendit hat den Schmuddel-Finger mit am Abzug.

Aber ins Visier genommen hat er damit eigentlich gar nicht Assad, sondern vielmehr seine Grünen. Sein und Joschkas, den beiden Eltern gegenüber bösartig gewordenes, Kind. Den grünen Wahlkampf. Und die Zukunft dieser heute zutiefst bürgerlichen Partei, die nun schon so lange zwar ganz nah dran, aber doch immer nur Zaungast blieb an den fett gedeckten Buffets der – ach ja – „herrschenden Klasse“ in Deutschland.

Und die „Taz“, also ausgerechnet jenes Blatt, von dem Cohn-Bendit noch im Frühjahr sagte: „Das ist unsere Zeitung“, schrieb im März 2013 unter einem Foto von Cohn-Bendit: „Wir sehen einen jungen, etwas molligen Mann. Blonde Locken, das Halstuch wie ein Cowboy um den Hals geschlungen. In einer französischen Talkshow berichtet er aus seinem Alltag als Erzieher in einem Frankfurter Kinderladen. Er schwelgt darin, was passiert, „wenn ein kleines fünfjähriges Mädchen beginnt sich auszuziehen. Es ist großartig, weil es ein Spiel ist. Ein wahnsinnig erotisches Spiel. Die Sexualität eines Kindes ist etwas Fantastisches. (…) mein ständiger Flirt mit den Kindern nahm erotische Züge an.“ Der Baden-Württembergische CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk hakte, eine Unterlassungsklage erhoffend, ein und sagte über Cohn-Bendit: „Man muss davon ausgehen, dass er auch Täter war. (…) Ein Pädophiler.“

Leg das abgegriffene Holzgewehr weg

Das alles stand so in der „Taz“. Und die Grünen und die Menschen im Lande rümpften vernehmlich die Nase, auch wenn es für das nur Indizien gibt. Und das macht Daniel nicht traurig, sondern klar: so wütend, dass er der eigenen Partei den Wahlkampf versauen möchte.

Wie so etwas geht, das weiß er: Destruktivität macht eben immer noch ein höheres Aufsehen, als sich als einfacher Parteisoldat an einem gemeinsamen Ziel zu beteiligen. Und dieser alte Junge will nun mit dem Amerikaner aus zehntausend Metern Höhe Angriffe auf Syrien fliegen. Ach weißte Daniel, ne lass mal Deine ätzenden Höhenflüge. Troll Dich nun einfach. Leg das abgegriffene Holzgewehr weg und mach endlich Deinen Hosenlatz zu. Es nervt.

PS: Und ja Daniel Cohn-Bendit, ich habe die Regierungszeit Schröder/Fischer noch präsent, diesen Totalverrat. Und ich weiß, wo die Jungs heute sitzen. Was war denn damals? Agenda 20XX, Hartz IV, Zäsur Kriegseinsatz Kosovo, das deutsche Standing aus der Kohl-Ära – eines der wenigen Großtaten dieses ansonsten hoffnungslos verkommenen Menschen – brutal verspielt. Merkel hat zwei Legislaturperioden gebraucht, um auf dem internationalen Parkett wenigstens wieder ein bisschen mit leiser Stimme reden zu dürfen.

Woher kommt denn die Finanzkrise? Wer hat bei uns so obszön abkassiert wie nie zuvor, so obszön, dass die Hunderte von Milliarden Schulden ganz weit nach vorne auf zwei Generationen später verlagert wurden, damit wir heute noch nix davon spüren? Das war die brutalste Abstrafung für schlechte Politik, die je eine deutsche Regierung auf der internationalen Bühne erhalten hat. Und glaube mir Daniel, Fischer und Schröder wissen das ganz genau. Darum halten sie ihre Fressen. Bis heute. Also halte Du sie auch.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Alexander Wallasch: Der etwas andere Reiseführer

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