Europa zurückabzuwickeln – das wäre ein schrecklicher und historischer Irrtum. Hans-Dietrich Genscher

Ich werde Ihnen etwas sagen

Bald fallen wohl westliche Bomben auf syrische Erde. Doch was sind die wahren Gründe dafür? Der französische Ex-Außenminister Roland Dumas hat dazu merkwürdige Sätze gesagt.

Was ist los mit Roland Dumas?

Ausnahmsweise mal keine Kolumne zu Syrien, sondern nur ein Zitat aus dem französischen Fernsehen vom 10. Juni 2013. In einem Interview mit dem Fernsehsender LCP sagte der ehemalige Außenminister Roland Dumas:

„Ich werde Ihnen etwas sagen. Ich war vor zwei Jahren, also vor den Gewaltausbrüchen in Syrien, wegen anderer Unterredungen in England. Während meines Aufenthaltes dort traf ich mich mit britischen Spitzenbeamten, die mir gegenüber äußerten, dass man sich darauf vorbereite, etwas in Syrien zu unternehmen.

Dies war in Großbritannien und nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Organisation einer Invasion von Rebellen in Syrien vor. Sie fragten mich sogar, obwohl ich nicht mehr Außenminister war, ob ich mich an den Vorbereitungen beteiligen wolle. Natürlich weigerte ich mich, ich sagte ihnen, ich bin aus Frankreich, das interessiert mich nicht.“

Dumas fuhr dann im Interview fort, dem Publikum eine schnelle Lektion über den wahren Grund für den Krieg zu geben. Ein Krieg, der bis heute Zehntausenden von Menschen das Leben gekostet hat. Dumas sagte wörtlich:

Dieser Vorgang geht weit zurück. Alles war vorbereitet, vorausberechnet und geplant … in dieser Region ist es wichtig zu wissen, dass das syrische Regime eine sehr anti-israelische Haltung hat. Nach diesem Schema bewegt sich alles, was in der Region geschieht, und ich habe dies vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, der mir sagte: „Wir werden versuchen, wieder mit unseren Nachbarn auszukommen, aber diejenigen, die nicht mit uns einverstanden sind, werden vernichtet.“ Dies ist eine Art von Politik, ein Blick auf die Geschichte. Warum auch nicht. Aber man sollte es wissen.

Was ist davon zu halten? Und wie werden Journalisten das einordnen bzw. warum haben sie das bisher nicht eingeordnet? Dementes Gequatsche eines Ex-Politikers, den man nicht ernst nehmen darf? Oder ein kurzer verschreckender Blick hinter den Vorhang? Nur welcher Vorhang ist das und wer sollte ihn aufgehängt haben?

Ansonsten gibt es zu diesem Konflikt auch weiter nichts mitzuteilen. Wenn man täglich damit rechnen muss, das sich die Engländer, Amerikaner, Franzosen usw. bereit machen, ihre Bombenlasten ohne Mandat und ohne Beweise für irgendetwas abzuwerfen. Das allerdings hatte man zuvor zum Schein zur Bedingung gemacht. Wenn die Menschen in den weißen UN-Fahrzeugen aber lediglich berechtigt sind, festzustellen, ob es nun Gas war oder nicht und nicht, wer die Büchse der Pandora geöffnet hat, dann kann man nur sprachlos zuschauen, was als nächstes passiert.

Mit einem mehr als flauen Gefühl aus dem Fernsehsessel heraus. Oder mit Augstein und seinen Holi-Farbbeuteln vor den entsprechenden Botschaften: Na Jakob, wie sieht es aus? Wer wirft den ersten?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Wallasch: Wachablösung für Maxim Biller

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