Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie. Erich Kästner

Broderline

Henryk M. Broders Schmutzkampagne gegen Jakob Augstein erreicht einen neuen Höhepunkt. Dieses Mal mit Unterstützung des Simon Wiesenthal Centers.

Henryk M. Broder hat sich 2012 für Jakob Augstein ein besonderes Weihnachtsgeschenk einfallen lassen. Nicht er persönlich, aber das Simon Wiesenthal Center ausnahmsweise in Personalunion mit Broder.

Angelehnt an die FBI Most-wanted-Top-Ten-Liste heißt es beim Wiesenthal Center: „2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“.

Und tatsächlich steht dort Jakob Augstein hinter „Muslim Bruderschaft“ und „Mahmoud Ahmadinejad“ auf Platz 9 der Most-wanted-Antisemiten. Broders „Achse des Guten“ titelt sofort nach Erscheinen begeistert: „Nur Platz 9! Schade, er hätte etwas Besseres verdient!“ Geht’s eigentlich noch abgeschmackter?

Belegt wird die Platzierung Augsteins übrigens mit – man ahnt es bereits – Broders Schmutzattacke gegen Augstein. Und das klingt bei Wiesenthal Center auf der Most Wanted Liste so:

Respected „Die Welt“ columnist Henryk M. Broder, who has testified as an expert in the Bundestag about German anti-Semitism, labeled Augstein a „little Streicher“ adding: „Jakob Augstein is not a salon anti-Semite, he’s a pure anti-Semite … an offender by conviction who only missed the opportunity to make his career with the Gestapo because he was born after the war. He certainly would have had what it takes.“

Zum Kotzen. Und mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Soll sich 2013, wer sich mit Broder noch in einen zivilisierten Gedankenaustausch begeben mag, oder seine Ausfälle für Kavaliersdelikte hält, seine eigenen Gedanken machen. Allen voran „Die Welt“. Frohes neues Jahr.

Was macht Jakob Augstein?

Der füttert die Paranoia der Verschwörungstheoretiker, indem er sich atypisch devot gegenüber dem jetzt internationalisierten Broder-Vorwurf verhält. Aber lesen Sie selbst, was der Welt „neuntfieseste Antisemit“ persönlich auf Facebook dazu zu sagen hat:

Das Simon Wiesenthal Center hat mich auf eine Liste der „Top Ten der antisemitischen und antiisraelischen Beschimpfungen“ gesetzt. Die dpa fragte gestern, was ich davon halte. Ich habe den Kollegen dieses hier geantwortet:

„Das SWC ist eine wichtige, international anerkannte Einrichtung. Fuer die Auseinandersetzung mit dem und den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWC meinen ganzen Respekt. Um so betrueblicher ist es, wenn dieser Kampf geschwaecht wird. Das ist zwangslaeufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird.“

Unter der Überschrift „Zu häufig gesehene Personen“ führt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ in der Silvester-Ausgabe Benjamin Netanjahu. Begründet wir das dort so:
„Der Mann, der klammheimlich das Westjordanland annektiert (…) wird auch nächstes Jahr damit nicht aufhören. Und am Ende wird ihm die Geschichte, die keine Gerechtigkeit, sondern nur Fakten kennt, auch noch recht geben.“ Wer hat’s geschrieben? Kein geringerer als Maxim Biller. Das sollte doch mindestens Platz 8 auf der Liste sein vor Augstein. Aber die Liste für 2012 ist ja bereits geschrieben. Schlauer Maxim.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Wallasch: Wachablösung für Maxim Biller

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