Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen, nicht die Gerichte. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Helau, wir lieben uns

Homosexuelle sind auch in Deutschland noch lange nicht gleichberechtigt. Doch es ist fraglich, ob Karneval und Partystimmung dazu beitragen, das zu ändern. Wir kämpfen einen politischen Kampf - mit Selbstbewusstsein und Spaß, aber ohne unsere Gegner zu verschrecken oder zu dämonisieren.

Die Christopher-Street-Day-Saison 2011 ist in Deutschland längst in vollem Gange. Potsdam machte schon vor Ostern den Anfang. Von Lörrach bis Rostock präsentiert sich die GLBT-Community voller Stolz und Selbstbewusstsein.

Das ist nicht nur „gut so“ (hier zitiere ich gerne einmal die SPD), das ist auch richtig so! Wir müssen und sollten zeigen, dass es uns gibt. Auch wenn die Gesetzeslage in Deutschland sich immer weiter in Richtung der vollen Gleichberechtigung bewegt, erreicht ist diese noch lange nicht. Außerdem ist das, was im Gesetzbuch steht, auch noch nicht unbedingt in den Köpfen aller Bürger angekommen. Hier gibt es noch viel zu tun.

Jedem sein Fetisch – im Privaten

Und genau hier stellen wir uns auf den CSD-Paraden oft selber ein Bein. Keine Frage – das Partyelement und auch eine gewisse Portion Karnevalismus gehören dazu. Selbstbewusstsein sollte man mit Freude zeigen, und das geht nun einmal besonders gut beim Feiern! Mancher CSD-Wagen passt da allerdings nicht ins Bild. Und leider sind es diese Wagen, die in den Medien oft und gerne gezeigt werden. Die Präsentation sexueller Spielarten und Vorlieben muss eben nicht immer und überall zelebriert werden.

Gerade im politisch bürgerlichen Lager ernten wir oft nur Kopfschütteln – auch bei unseren Unterstützern, wenn es um die CSD-Paraden geht. Natürlich liegt das vielfach an selektiver Fotoberichterstattung. Aber muss man denjenigen, die ohnehin schon eine ablehnende Haltung haben, in die Hände spielen? Hier sollten wir ernsthaft über unsere Zielsetzungen nachdenken.

Ich will es mit der Kritik aber nicht übertreiben. Ich freue mich wirklich sehr über die CSDs. Wenn man in Berlin oder Köln sieht, mit wie viel Begeisterung die Bevölkerung bei der Sache ist, dann gibt einem das auch wieder Auftrieb, sich die nächsten 12 Monate für eine gute Sache zu engagieren. Und nicht zuletzt sind in den kleineren Städten die CSDs noch stärker politisch geprägt.

Weiter so

Am 30. Juni 2011 haben wir Bundestagspräsidentin a. D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth den Ehrenpreis der LSU für Toleranz, Akzeptanz und Aufklärung verliehen. Sie hat sich seit ihrer Zeit als Gesundheitsministerin 1985 – 1988 in eindringlicher Weise für einen bewussten Umgang mit der Immunschwächekrankheit AIDS eingesetzt. Sie hat Toleranz und Akzeptanz für die Betroffenen eingefordert und trotz großer Widerstände und Vorbehalte auch im eigenen politischen Lager Bedeutendes für die HIV-Aufklärung in Deutschland getan.

Seit damals hat sich in Deutschland allgemein und auch in den Unionsparteien einiges verändert. Menschen wie Rita Süssmuth und zahllose ehrenamtlich und hauptamtlich engagierte Menschen in Beratungsstellen, Vereinen, Verbänden etc. haben dazu ihr Scherflein beigetragen, ebenso wie die alljährlichen eindrucksvollen Demonstrationen schwul-lesbischen Selbstbewusstseins auf den CSDs.

Machen wir also weiter damit! Lassen wir nicht nach in unserem Engagement! Es gibt noch einiges zu tun!

Leserbriefe

Aus der Debatte

Homosexualität heute

Homo-Ehe in den USA

7167630204_e15d51bf51_b 1

Obamas Bekenntnis zur Homo-Ehe ist ein richtiger Schritt – doch die Kontroverse um diese Entscheidung zeigt, dass der Westen in puncto Demokratie und Liberalismus nicht mehr den Ton angibt.

Dsc_0163
von Anna Polonyi
18.05.2012

Homosexuellen-Rechte

2501241533_60150df6f8_z 9

Der Christopher Street Day ist und bleibt wichtig – denn auch heute sind Lesben, Schwule und Transsexuelle noch weit von der Akzeptanz in unserer Gesellschaft entfernt.

Joergsteinert
von Jörg Steinert
10.07.2011

Selbstbewusster Umgang mit der Homosexualität

Hikingartist_homosexualit_t_heute 38

Der CSD ist ein wichtiger Termin für die lesbisch-schwule Bewegung. Während die Teilnehmer zu Kohls Zeiten noch ausgelacht worden sind, bilden sich heute in immer mehr Städte diese Züge der Toleranz. Ein gutes Zeichen.

Ansgardittmar
von Ansgar Dittmar
26.06.2011

Mehr zum Thema: Schwulen--und-lesbenbewegung, Homosexualitaet, Homophobie

Debatte

Das Erbe des CSD

116958622

Das Erbe des CSD

Alle Jahre wieder: Derzeit wälzen sich erneut Horden Homosexueller zu fetten Beats in knappen Kostümchen durch viele EU-Metropolen – eigentlich, um an den Schwulenaufstand in der New Yorker Christo... weiterlesen

Olivia_jones
von Olivia Jones
25.06.2011
meistgelesen / meistkommentiert