Die Christopher-Street-Day-Saison 2011 ist in Deutschland längst in vollem Gange. Potsdam machte schon vor Ostern den Anfang. Von Lörrach bis Rostock präsentiert sich die GLBT-Community voller Stolz und Selbstbewusstsein.
Das ist nicht nur „gut so“ (hier zitiere ich gerne einmal die SPD), das ist auch richtig so! Wir müssen und sollten zeigen, dass es uns gibt. Auch wenn die Gesetzeslage in Deutschland sich immer weiter in Richtung der vollen Gleichberechtigung bewegt, erreicht ist diese noch lange nicht. Außerdem ist das, was im Gesetzbuch steht, auch noch nicht unbedingt in den Köpfen aller Bürger angekommen. Hier gibt es noch viel zu tun.
Jedem sein Fetisch – im Privaten
Und genau hier stellen wir uns auf den CSD-Paraden oft selber ein Bein. Keine Frage – das Partyelement und auch eine gewisse Portion Karnevalismus gehören dazu. Selbstbewusstsein sollte man mit Freude zeigen, und das geht nun einmal besonders gut beim Feiern! Mancher CSD-Wagen passt da allerdings nicht ins Bild. Und leider sind es diese Wagen, die in den Medien oft und gerne gezeigt werden. Die Präsentation sexueller Spielarten und Vorlieben muss eben nicht immer und überall zelebriert werden.
Gerade im politisch bürgerlichen Lager ernten wir oft nur Kopfschütteln – auch bei unseren Unterstützern, wenn es um die CSD-Paraden geht. Natürlich liegt das vielfach an selektiver Fotoberichterstattung. Aber muss man denjenigen, die ohnehin schon eine ablehnende Haltung haben, in die Hände spielen? Hier sollten wir ernsthaft über unsere Zielsetzungen nachdenken.
Ich will es mit der Kritik aber nicht übertreiben. Ich freue mich wirklich sehr über die CSDs. Wenn man in Berlin oder Köln sieht, mit wie viel Begeisterung die Bevölkerung bei der Sache ist, dann gibt einem das auch wieder Auftrieb, sich die nächsten 12 Monate für eine gute Sache zu engagieren. Und nicht zuletzt sind in den kleineren Städten die CSDs noch stärker politisch geprägt.
Weiter so
Am 30. Juni 2011 haben wir Bundestagspräsidentin a. D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth den Ehrenpreis der LSU für Toleranz, Akzeptanz und Aufklärung verliehen. Sie hat sich seit ihrer Zeit als Gesundheitsministerin 1985 – 1988 in eindringlicher Weise für einen bewussten Umgang mit der Immunschwächekrankheit AIDS eingesetzt. Sie hat Toleranz und Akzeptanz für die Betroffenen eingefordert und trotz großer Widerstände und Vorbehalte auch im eigenen politischen Lager Bedeutendes für die HIV-Aufklärung in Deutschland getan.
Seit damals hat sich in Deutschland allgemein und auch in den Unionsparteien einiges verändert. Menschen wie Rita Süssmuth und zahllose ehrenamtlich und hauptamtlich engagierte Menschen in Beratungsstellen, Vereinen, Verbänden etc. haben dazu ihr Scherflein beigetragen, ebenso wie die alljährlichen eindrucksvollen Demonstrationen schwul-lesbischen Selbstbewusstseins auf den CSDs.
Machen wir also weiter damit! Lassen wir nicht nach in unserem Engagement! Es gibt noch einiges zu tun!
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