Das Christentum kann nicht mit erhobenem Zeigefinger von oben herabschauen. Margot Käßmann

Kirchengründung jetzt!

Margot Käßmann und Hans Küng teilen schon lange ihre Feind- und ihre Vorbilder. Konsequent wäre da die Gründung einer eigenen gemeinsamen Kirche.

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Befragt man Margot Käßmann zu ihrem Glauben, redet sie von Sex und Afghanistan. Will man von Hans Küng etwas über Gott wissen, spricht er von Sex und Zölibat. Wäre es nicht an der Zeit, die klassische Frage von Jörg Zink „Die eine Kirche, wann endlich?“ zu beantworten und die „Selbständige Vereinigte Käßmann-Küng-Kirche“, kurz: KKK, subito zu gründen?

Dann fände sich unter dem Banner zweier populärer Gesichter auf breitem, also kleinstem theologischen Nenner zusammen, was heute schon zusammengehört wie Ei und Kuchen: Schroffe Papstkritik, moralisches Laissez-faire, linkspolitisches Besserwissertum, zuverlässig hoher Ton und – nicht unwichtig in diesen Tagen – ein treuherzig vorgetragener Vulgärpazifismus. Auch die einzige Schwäche, die man Küng und Käßmann zuweilen ankreidet, ihre Unfähigkeit zur Ökumene, ließe sich in der geschlechter- und klimagerechten KKK schlagend widerlegen.

„Peace! Wir haben nur den einen Gott!“

Auf dem Evangelischen Kirchentag zu Dresden glänzte die ehemalige Bischöfin in abermals rappelvollen Hallen mit ihrem Evergreen, man möge doch mit den und für die radikalislamischen Taliban beten statt sie zu bombardieren – was man als staunender Betrachter gerne sähe: Im Helikopter der Bundeswehr schwebt Frau Käßmann in Pakistan ein, schlägt sich durch zu Mullah Omar, und gerade als dessen Schergen ihr den Säbel an den Hals setzen, zückt Frau Käßmann ein Teelicht, entzündet es behend über deren Köpfen und ruft mit einem Lächeln aus: „Peace! Wir haben nur den einen Gott!“

Außerdem rückte Frau Käßmann auf dem Kirchentag Martin Luther in die Nähe der Anti-Baby-Pille. Der kinderzeugende Mönch Martin nämlich, hörten wir, habe durch sein praktiziertes Ja zum Fortpflanzungsakt die Sexualität als „lustvolle Gabe Gottes“ wiederentdeckt. Bekanntlich pries Frau Käßmann in einer wahren Sternstunde ökumenischer Geschwisterlichkeit die Anti-Baby-Pille gleichfalls als „Geschenk Gottes“, justament im katholischen Münchner Liebfrauendom. In der KKK hat folglich zu gelten: Wo immer Mann und Frau (oder Mann und Mann und Frau und Frau) ihren Spaß aneinander finden, da ist Gott. Nie war es so wunderbar leicht, Christ zu sein. Als Motto zum Gründungsparteitag der KKK empfiehlt sich schon jetzt: „Friede, Freude, Fantasie – tu, was du willst, es schadet nie.“

Zuvor hatte der unverwüstliche Priester Küng im „Zeit“-Interview der Jungvorderen gezeigt, was eine säkulartheologische Harke ist. Damit die Kirche, also wohl: seine Kirche, in der das Wort des Propheten noch etwas gilt, gesunde, ja überlebe, habe nun aber endlich und endgültig stattzuhaben: Abkehr vom Zölibat, Frauen an den Altar, Protestanten und wiederverheiratete Geschiedene hin zur Eucharistie. Und natürlich müsse der Papst das „römische Macht- und Wahrheitsmonopol“ ablegen und dieses ganze „absolutistische römische System“ und auch seine eigene „Selbstherrlichkeit“ überwinden. Sprach der bescheidene Hochwürden Hans, während im Keller leise das Geräusch der Bartwickelmaschine ertönte.

Mutter Natur, Heiliger Geistin und Gott Unterleib

Hat es ihn irritiert, dass wenig später Rabbiner Andrew Steiman im Leitartikel der „Jüdischen Allgemeinen“ Küng und dessen schwärmerisches „Weltethos“-Projekt des unreflektierten „Gutmenschentums“ zieh? Der „berühmte Christ“ Küng werfe letztlich, indem er sich vom Alten Testament absetze, den Juden vor, „sich an der universellen Moral der Menschheit eigenmächtig zu schaffen zu machen – ohne Einwilligung von Küng und seiner ‚Stiftung Weltethos‘.“ Die Juden, so Steiman, hätten laut Küng ein Menschheitsgut manipuliert. Man merke auf: Die antijudaische Versuchung der gegenwartstrunkenen Reformchristen wäre demnach auch bei Küng mit Händen zu greifen.

Die KKK wird daran nicht zerbrechen. In ihr feiert man gewiss bald schon Regenbogen- und Menschheitsfeste zu Ehren von Mutter Natur, Heiliger Geistin und Gott Unterleib. Man wird vom Wanderprediger Jeschua erzählen und dessen Einsatz für eine menschengerechte Welt, von der alleinerziehenden Mutter Maria und dem Gesprächskreis der Apostel und Apostelinnen. Doch irgendwann, kurz vor Sonnenuntergang, wird ein vorlautes Kind den Finger heben, den Hals in die Höhe recken und laut und staunend ausrufen: „Aber der Kaiser hat ja gar nichts an!“ Und dann wird es uns allen wie Schuppen von den Augen fallen, und Glaube wird wieder Glaube sein und Christus wieder Christus und Teelicht wieder Teelicht.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Kissler: Provision auf Weltrettung

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