Wie jede einfache Sache ist auch diese hoch kompliziert: Eine Journalistenschule nennt sich katholisch und betreut deshalb einen katholischen Priester mit der “geistlichen Leitung”. Dieser Priester gibt, kaum hat er das neue Amt übernommen, ein Interview, in dem er recht rüde über die katholische Kirche herzieht. Jene Institution, die das von ihm mitgeleitete Institut trägt, nennt er abschätzig das “System Kirche”, in dem eine “Bunkermentalität” herrsche und die von einem Mann geleitet werde, dem Papst, der besagtes System “an die Wand fährt”. Eine halbherzige Entschuldigung zerstreut die Zweifel an der Loyalität des alten Priesters nicht. Bischöfe halten ihn für eine Fehlbesetzung. Der geistliche Leiter nimmt daraufhin seinen Hut.
Die Meinungsfreiheit sei in Gefahr, schreien Journalisten
Das ist nun wahrlich eine ganz einfache Sache: Wer in der Öffentlichkeit in Worten, die weder auf eine differenzierte Denkarbeit noch auf eine gute Kinderstube schließen lassen, seine eigene “Firma” schmäht, darf sich nicht wundern, wenn diese ihm den Rücktritt nahelegt. Pfarrer Michael Broch hat sich verhalten wie ein neuer Abteilungsleiter in einem Ministerium, der öffentlich das “System Politik” geißelt, das Ministerium für rückständig erklärt und den Minister der Inkompetenz zeiht. Zudem hat Broch entweder gelogen oder eine erschütternde Unprofessionalität an den Tag gelegt. Seine Behauptung nämlich, die skandalisierten Passagen nicht gegengelesen zu haben, wurde von der interviewenden Zeitung sehr bestimmt zurückgewiesen.
Insofern müsste der Tag des Rücktritts als ein guter Tag in die Annalen des Münchner “Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses” (IFP) eingehen. Ein offenbar vielseitig überforderter Mann resignierte, damit die Journalistenschule das Vertrauen der sie tragenden Bischöfe zurückgewinnen und die Zweifel an der eigenen Professionalität zerstreuen kann. Was aber geschieht? Die Meinungsfreiheit sei in Gefahr, schreien katholische und nicht katholische Journalisten auf, die Kirche habe sich als dialogunfähig erwiesen, der Kadavergehorsam einer Kaderschmiede sei gewünscht.
Halten zu Gnaden: Jeder darf gegen wen auch immer verbal aufbegehren, aber wer in der Öffentlichkeit ein neues Amt mit einer polemischen Generalabrechnung beginnt, handelt unklug und unprofessionell, illoyal und selbstgerecht. Wer spricht, wie Broch in besagtem Interview sprach, erweist sich gerade nicht als dialoginteressiert. So redet jemand, der sich im Besitz der gültigen Meinung wähnt, breit und mutmindernd abgesichert vom katholischen juste milieu. Warum soll jemand, der innerhalb der Kirche einer anderen Sicht zuneigt, mit jemandem dialogisieren, der die Gegenposition vorab in bellizistischen Begriffen denunziert? Außerdem ist die Wirkung der Broch’schen Worte als Toast im neuen Amt doch wohl die gewesen, dass ein arg einseitiges Bild von Kirche als neue Institutslinie erschien – dass also das IFP kirchenpolitisch gekapert werden und sich zu einer weiteren Filiale der Papstkritikerindustrie entwickeln soll.
Es gibt keinen Konsens, was jenseits der Kirchensteuer das Katholische definiert
Die Krise und die teils plumpen Solidaritätsbekundungen aus den Reihen von Politik, Journalismus, Verbandskatholizismus zeigen vor allem eines: dass es keinen Konsens darüber gibt, was jenseits der Kirchensteuerpflicht das ausgezeichnet Katholische definiert. Wenn die verbliebene Institutsleiterin den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, brieflich bittet, sich für Brochs Verbleib im Amt zu verwenden, da dieser “im Zusammenhang mit der Missbrauchsdebatte unter starker Anspannung stand, sodass es zu diesen unbedachten Formulierungen kommen konnte”, dann schwelt die verleugnete Debatte weiter. Es geht nicht um diese oder jene tatsächlich oder angeblich verunglückte Formulierung. Es geht um die Frage, ob die innere Auszehrung der Konfessionen gestoppt werden kann, indem man hauptamtlich und in aller Öffentlichkeit das bequeme Geschäft der Gesellschaftskritiker, Kapitalismuskritiker, Kirchenkritiker betreibt – oder eher dadurch, dass eine schrumpfende Gemeinschaft der Gesellschaft munter erklärt, was es mit der Sache Christi auf sich hat.

















Herzlichen Dank Herr Kissler,
für die klare Analyse!
Es ist schon faszinierend, wie Mandatträger des politischen Katholizismus (ZdK) und Teile des Journalismus pauschale Verurteilung (wie von Pfr. Broch geübt) nicht mehr von sinnvoller differenzierter Kritik unterscheiden können.
Vielen der Berufskritiker scheint noch nicht klar zu sein, dass es in der Kirche nicht um Macht geht, sondern um Dienst an Gott und dem Nächsten. Kommen sie aus dem Denken in politischen Kategorien (wo es ausschließlich um Macht und Einfluss geht) nicht mehr heraus?
Kirche ist der Ort, wo es um die wichtigsten Fragen des Lebens gehen sollte: Wer und warum bin ich, wo komme ich her und wo gehe ich hin? Diese Fragen treiben Menschen auch heute um.
In der politischen und journalistischen Hektik scheint dafür kein Verständnis zu sein.
Der Katholizismus soll sich selbst entmannen und dabei noch lächeln und klatschen. Das ist es, was die Gesellschaft will.
AK bringt es auf den Punkt – und zeichnet präzise nach, dass hier dem linksgewirkten Kutlurkatholizismus ganz offenbar ein veritabler Fehler unterlaufen ist: Angespornt vom für ihn günstig gedrehten Verlauf der Mißbrauchsdebatte hin zu einer Papst- und “Homophobie”-Debatte ließ man ganz opffenbar verfrüht die Maske fallen und offenbarte die Okkupation der journalistischen Ausbildungsstätte der Bischofskonferenz im Geiste von “Wir sind Kirche” und anderen Sekten…
Lieber Herr Kissler, der Pfarrer Broch scheint Sie ja nicht los zu lassen, warfen Sie ihm doch schon am 1.6., kurz nach dem Interview in der Leonberger Kreiszeitung,“vorauseilende Selbstaufgabe” vor ( http://tinyurl.com/2wha88p ).
Zur Erinnerung: Das Interview findet sich hier: http://tinyurl.com/36zoh5f
Also eigentlich haben Sie die Kritik von damals nur aufgewärmt, weil der Herr Broch jetzt gefeuert wurde. Naja.
Das erscheint mir jedoch Kleinkram zu sein, angesichts der großen Frage, die Sie aufwerfen: “Es geht um die Frage, ob die innere Auszehrung der Konfessionen gestoppt werden kann”.
Ich meine: Vielleicht.
Doch meine Gegenfrage würde lauten: Wozu?
Haben Sie schon mal in Erwägung gezogen, dass “die Kirchenkritiker” auch ein paar Argumente auf ihrer Seite haben könnten?
@ Herr Görlach: geben Sie dem Herrn Kissler doch mal einen Login, damit er auch mal antworten kann ;-)
Noch ein Nachtrag, Herr Kissler: Viele der Kirchenkritiker erwarten einfach ein mehr Bewegung und Zukunfstfähigkeit der Kirche. Daher anbei noch ein paar Links, die das Thema Krise der Katholischen Kirche, IFP und Broch abrunden.
Lesenswerter Kommentar zur Bischofsversammlung in Würzburg auf sueddeutsche.de: http://tinyurl.com/2vcaoym
Interview mit Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK auf DeutschlandRadio-Kultur: http://tinyurl.com/38rxlml
Und warum sich Institutsgründer Seibel um sein Lebenswerk sorgt, nachdem auch zwei Aufsichtsratsmitglieder der Journalistenschule aus Protest gegangen sind – im DeutschlandFunk: http://tinyurl.com/39es5hq
@Th. Weiss
Tun Sie doch ein wenig Butter bei die Fische, werden Sie konkret: Was verstehen Sie unter “Bewegung und Zukunftsfähigkeit der Kirche”? Was soll sich ändern?
Wenn Sie damit die Agenda des Kirchenvolksbegehrens meinen (Frauen als Priester, Deutsche “Nationalkirche”, statt an Rom angebundene Kirche, Trauung für Homosexuelle…), dann wechseln Sie doch zu einer entsprechenden evangelischen Gruppierung oder zu den Alt-Katholiken. Dort werden Sie alles dies finden. Merkwürdigerweise steigen die Mitgliederzahlen dieser Glaubensgemeinschaften aber nicht exponentiell an!
Die Kirche ist 2000 Jahre alt und hat schon heftigere Stürme überstanden. Dagegen befindet sich wohl eher unsere westliche Gesellschaft seit etlichen Jahrzehnten in einer Krise. Wenn seelische Erkrankungen boomen und den größten Kostenfaktor der Krankenkassen ausmachen ist ja wohl eher unsere Gesellschaft mit der hedonistischen Ego-Vergötzung reformbedürftig.
Der gerne konstruierte Gegensatz zwischen “der Amtskirche” und “den Laien” existiert doch überhaupt nicht! Wir sind alle Kirche und unter den Laien gibt es sehr viel unterschiedliche Gruppen und Ansichten. Woher nehmen “Wir sind Kirche” oder das demokratisch gar nicht legitimierte ZdK den Anspruch für “die Laien” zu sprechen?
Den beklagten Machtmissbrauch kann es natürlich geben (da wir alle fehlbare Menschen sind) und dann soll er angegangen werden. Derzeit versuchen jedoch vor allem Medienvertreter und Politische Gruppierungen (ZdK) mit Macht der Kirche ihre Sicht der Dinge aufzupressen.
Viele Dinge in Kirche und Gesellschaft sind komplex. Auch wenn ich selbst zwischendurch verschiedene Positionen der Kirche zu Verhütung, Homosexualität, Frauenpriestertum etc nicht nachvollziehen konnte: Ich habe mich intensiv informiert und alte Denkschemata überprüft. Mittlerweile ist auch in diesen Bereichen die Lehre der Kirche für mich gut verständlich. Sie entspricht m . E. am ehesten der Natur und den Bedürfnissen des Menschen.
Im normalen Leben nennt man Leute wie Broch oder Kortmann Maulwürfe, es sind Leute die für die Gegenseite arbeiten. In diesem Fall geht es um die Negativdarstellung der Kirche, Pius X hat bereits 1908 in der Enzyklika über die Lehren der Modernisten solche Leute zum Kirchenaustritt aufgefordert.
Sie bleiben trotzdem auf ihren Stühlen kleben und versuchen den Glauben zu verbiegen wo es geht, sie bedenken dabei nur nicht dass dieser Glaube von Oben kommt und sich nicht verbiegen lässt, da vom Heiligen Geist gehütet.