Sie können keine Gesundheitsreform machen, ohne dass alle die Katastrophe beschwören. Ulla Schmidt

Man kann nicht nicht machen

Jeder ist der Gestalter seiner Existenz. Es gilt, eine neue Arbeitswelt zu gestalten, von der Schulbank an bereitet der New Worker sein Berufsleben vor, gestaltet schlussendlich seine bestehende Existenz mit dem Ziel einer guten Life-Balance.

Globalisierung ist. Das Internet ist. Die neue Arbeitswelt ist. Die gewohnte Komfortzone ist nicht mehr. Wir tun gut daran, unsere Denkweisen und Einstellungen darauf zu justieren. Aufhalten werden wir diese Entwicklungen hier in Deutschland nicht. Machen wir was draus.

Es beginnt mit der positiven Einstellung. Beispiel: der Begriff “prekäre Arbeitsverhältnisse”. Unsere Sprache ist mächtig. Sprechen Sie “prekär” mal laut aus. Klingt abstoßend, nicht wahr? Wer verspürt da schon noch Lust, die Herausforderungen und Chancen der neuen Arbeitswelt aktiv anzunehmen? Lassen Sie uns diesen Begriff schnell aus unserem Vokabular streichen. Überlegen wir lieber, wie wir diese aktiv gestalten – und nicht verwalten.

Da es die misslichen Situationen durchaus gibt, ist ein staatliches Sicherheitsnetz notwendig – ein für diese Arbeitswelt befähigendes, centgenau berechnetes, aber kein nicht nachvollziehbares Hartz irgendwas, Mindest- und Niedriglöhne, 1-Euro-Jobs. Die Antwort auf die neue Arbeitswelt kann es nicht sein, zu alimentieren und die Standards nach unten zu schrauben. Es zeigt keine Perspektive, nicht für die Gesellschaft, nicht für die Menschen. Ein die neue Arbeitswelt proaktiv begleitender Staat gibt Hilfe zur permanenten Selbsthilfe, begleitet von einer sozialen Absicherung, sei es als Abfederung oder als Grundeinkommen.

Es gibt keine Existenzgründer. Jeder hat seine Existenz, seit seiner Geburt

Ändern wir Denken und Begrifflichkeiten auch an einem anderen Punkt: Es gibt keine Existenzgründer. Jeder hat seine Existenz, seit seiner Geburt. Kinder sind Existenzgründer. Es gibt Gründer von Unternehmen, Initiatoren, Gestalter, Selbstständige, Macher. Frei nach Friedemann Schulz von Thun: Man kann nicht nicht machen.

Vor Jahren, zu Beginn meiner Unternehmerlaufbahn, saß ich in einigen Seminaren für eben diese Existenzgründer. Anmutung: erwartungsfrohes Schulbankdrücken wie am ersten Tag in der Grundschule. Gestandene Menschen mit Ideen sitzen brav in Klassenräumen und hören mal verwalterische, mal warnende Ausführungen von Dozenten, die selbst keinerlei Gründerluft geschnuppert haben. Der Kreis schließt sich: Existenzgründer sind Kinder. Das brauchen wir nicht. Der Werkzeugkasten für die erfolgreiche Existenzgestaltung und die notwendige Denke muss frühzeitig in den Schulen vermittelt werden – von Praktikern. Dort werden Existenzen gegründet.

Jeder ist Existenzgestalter

Motor der neuen Arbeitswelt ist Kreativität und Flexibilität im Denken. Alte Geschäftsmodelle lösen sich in Luft auf, wir müssen uns immer schneller neu erfinden. Zusammenarbeit wird direkter, integrierter und spontaner, Wissen und Information transparent. Längst ist das Internet ein integrierter Lebensbestandteil wie das Stromnetz. Die alte Beschaulichkeit des Arbeitslebens gibt es nicht mehr. Die neue Beschaulichkeit liegt darin, das Internet im Liegestuhl im Garten zu nutzen.

Wir werden weniger Zeit in Büros absitzen. Wichtig sind sie weiterhin: als Ankerpunkt und als Ort der Kommunikation. Andere Arbeiten lassen sich anderswo viel besser erledigen, und das oft mit hohem Gewinn für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das führt dazu, dass in einer modernen Arbeitswelt die Arbeit kein eher unangenehmer Bestandteil des Lebens mehr ist. Das Konzept der Work-Life-Balance aus der 9-to-5-Zeit hat ausgedient. Vielmehr geht es um die Life-Balance, um das permanente Austarieren von beruflichen Herausforderungen, Familie, Umfeld, sozialen Engagements. Das ist herausfordernd, aber auch spannend und befriedigend. Jeder ist Existenzgestalter.

Leserbriefe

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