Die Medien sind Spielball im Kampf um Deutungshoheit. Wadah Khanfar

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps

Der G20 Gipfel in Hamburg wirft seine Schatten voraus. Die Elbmetropole rüstet sich für das Treffen der mächtigen Staatenlenker. Ebenfalls bereit machen sich Linksextremisten im In- und Ausland, um unter dem Deckmantel des sozialen Protests ihrer Gewalt- und Zerstörungslust freien Lauf zu lassen. Auch dieses Mal ist wieder mit schweren Ausschreitungen zu rechnen.

In der vordersten Front werden wieder die Einsatz-Hundertschaften der Polizei stehen, die ihre Knochen hinhalten müssen. Wenn wieder dutzende Polizisten bei solchen Veranstaltungen verletzt werden, haben Politiker zumeist nur ein paar standardisierte Sätze des Bedauerns parat. Gewalt gegen die Beamten hat mittlerweile etwas Alltägliches an sich, das man mit einem Achselzucken zur Kenntnis nimmt. Vielmehr müssen sich die Uniformierten oft mit Vorwürfen auseinandersetzen, sie würden bei ihren Einsätzen durch ihr unverhältnismäßiges Vorgehen erst zur Eskalation beitragen. Besonders Vertreter von Grünen und Linkspartei sind mit derartigen Anschuldigungen schnell zur Stelle. Von entsprechenden Medien werden derartige Anwürfe in schrillem Ton weiterverbreitet. Ansonsten steht man den Polizisten bestenfalls gleichgültig gegenüber.

Aufregung über „Saufgelage“

Anfang der vergangenen Woche war dies jedoch anders. In heller Aufregung berichteten einige Zeitungen und Nachrichtenmagazine von einem vermeintlichen „Polizeiskandal“. Die Berliner Zeitung etwa schrieb über „Saufgelage“ bei der Polizei. Boulevardblätter berichteten von angeblichen „Sexorgien“ und der „Partypolizei“. Doch was war eigentlich passiert?

Drei Berliner Polizeihundertschaften, die an der Absicherung des G20-Gipfels mitwirken sollten, waren von der Hamburger Einsatzleitung nach einer feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier nach Hause geschickt worden. In dem Containerdorf in Bad Segeberg, wo die Polizisten untergebracht waren, hatte man den Geburtstag zweier Beamten zum Anlass genommen, um zu feiern. Im Verlauf des Abends hatten eine Polizistin und ein Polizist außerhalb der Unterkunft Sex. Mehrere Polizisten erleichterten sich an einem Bauzaun, eine Polizistin soll halb entkleidet mit einer Dienstwaffe in der Hand auf einem Tisch getanzt haben.

„Partypolizei“ mit unhanseatischem Auftritten?

Der Hamburger Polizeisprecher Timo Zill zeigte sich verärgert über das Auftreten der Hauptstadt-Polizei. Gegenüber der Berliner Zeitung begründete er den Schritt, die betreffenden Einheiten heim zu schicken: „Wir haben im Vorfeld deutlich gemacht, wie wichtig uns ein klares hanseatisches Auftreten hier in Hamburg ist.“ Da brachte es zunächst auch nichts, dass die Berliner Polizei in einer Stellungnahme betonte, dass man in der Vergangenheit oftmals für die geleistete professionelle Arbeit gelobt worden war. Das Schlagwort von der „Partypolizei“ machte die Runde.

Doch schon nach wenigen Tagen wendete sich das Blatt der öffentlichen Wahrnehmung. Denn die Umstände, wie Details der Party an die Öffentlichkeit gelangten, lassen nun wiederum die Hamburger Polizei in einem ungünstigen Licht erscheinen. So bestätigte sich die Vermutung, dass die Einsatzleitung der Hamburger Polizei den Security-Dienst des Containerdorfes instruiert hatte, ein besonderes Auge auf die Berliner Beamten zu haben. So sollte ein mögliches Fehlverhalten dokumentiert und weitergemeldet werden. Der Hintergrund liegt in Unstimmigkeiten zwischen den Einsatzleitungen der beiden Stadtstaaten aus der Vergangenheit. Zudem äußerten Fachleute die Vermutung, dass die Hamburger Verantwortlichen im Vorfeld den Eindruck vermitteln wollten, alles im Griff zu haben und schon bei kleinsten Verstößen hart durchzugreifen.

Security im Spitzeleinsatz

Jedenfalls erreichte man das Gegenteil. Denn nicht nur Sicherheitsexperten wie Christian Pfeiffer, der ehemalige Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, stellte sich auf die Seite der Berliner Hundertschaften. Im Spiegel kommentierte er die Feier mit den Worten: „Jeder vernünftige Mensch lacht darüber.“ Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt stellte sich demonstrativ vor seine Beamten. Zudem gab er zu bedenken, dass die Polizisten in einem nicht-öffentlichen Bereich gefeiert hatten. Darüber hinaus seien die Polizisten in Zivilkleidung gewesen, was unterstreicht, dass es sich dabei nicht um dienstrechtlich relevante Vorfälle handelt. Burkhard Dregger, der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, wunderte sich über die aufgebauschte Berichterstattung. „Ich möchte mal wissen, wer sich veranlasst fühlt, das Privatleben Berliner Polizeibeamter zu überwachen.“

Die Berliner Clubcommission, ein Zusammenschluss von Berliner Club-Besitzern, nahm die ganze Angelegenheit zum Anlass, den betroffenen Polizisten ihre Sympathie zum Ausdruck zu bringen. Ein Sprecher kündigte an, man werde für sie Plätze auf den Gästelisten der Tanzlokale freihalten. So hat die Posse um die Feier noch eine amüsante Note.

Den Menschen in der Uniform nicht vergessen

Denn dass die Polizisten gerade in der Bundeshauptstadt alles andere als einen leichten Job haben, wurde bereits wenige Tage später wieder deutlich. Als das linke Szenelokal „Friedel54“ in Neukölln geräumt werden musste, sahen sich eben jene Polizisten der drei Hundertschaften wieder gewaltbereiten Linksextremen gegenüber. Hinzu kommt, dass die Rigaer Straße ein Dauerkrisenherd in Berlin ist, wo es immer wieder zu organisierten schweren Angriffen auf Polizisten kommt. Zuletzt waren dort Mitte Juni Beamten mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik angegriffen worden.

Wer angesichts des anstrengenden und oftmals gefährlichen Berufs des Polizisten einen Skandal daraus konstruieren will, dass bei einer Party vielleicht etwas zu ausgelassen gefeiert wurde, der vergisst, dass in den Uniformen auch nur Menschen stecken.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Marc Galal, Michael Klonovsky , Vera Lengsfeld.

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