Mit unseren europäischen politischen Eliten ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Thomas Deichmann

„Schlampen“ dürfen hier nicht beten

Vierzehn Mal in einem Jahr hat ein 18-Jähriger in dem für ihn eingeräumten Raum gebetet. Dafür wurde ein ganzes Justizsystem bemüht? Ja genau, denn es geht nicht um das persönliche Gebet, sondern um die größtmögliche sichtbare Dominanz des Islam.

„Christenschweine“ nennen pubertierende Jung-Muslime gerne ihre deutschen Nachbarn und ihre Mitschüler. Die Abgrenzung zum und die Abwertung des Christen gehört für den muslimischen Heranwachsenden zum kleinen Einmaleins seiner Weltsicht. Er übernimmt das klassischerweise von seinen Eltern und/oder der islamischen Tradition, die mit ihrer Bewertung des Nicht-Muslim nicht zimperlich ist. Das ist unzählige Male aufgeschrieben und nichts Neues.

Der nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beendete Streit wurde hin- und hergewogen durch die gerichtlichen Instanzen. Mal durfte in der Schule gen Mekka gebetet werden, mal nicht. Jetzt ist Schluss damit. Der Koordinationsrat der Muslime sieht darin eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit. Der Koordinationsrat trötet, dass der Staat ja bitte nicht die Religionsfreiheit gegen den popeligen Schulfrieden aufwiegen dürfe. Genau darin irren die Verbands-Muslime. Wenn das Gebet das Miteinander von Menschen verunmöglicht, wenn es als Ausdruck von Religion nicht zum Aufbau der Gemeinschaft beiträgt, dann hat es an der Schule nichts zu suchen. Aus dem anderen Lager ist zu hören, dass Gebet in der Schule generell nichts zu suchen habe. Dem widerspricht das Gericht. Es komme auf den Einzelfall an.

„Schlampen“, „Juden“, „Scheißchristen“

Der Schulfrieden ist nicht wegen des Gebets an sich gestört. Sondern wegen der Begleitumstände, unter denen das islamische Gebet daherkommt. Zur Schau gestellt auf dem Korridor oder dem Schulhof, dient es zu nichts anderem als zur kulturellen Abgrenzung von den anderen. Der Islam selber hat diese Haltung kultiviert, die jungen Pausenhof-Rambos denken sich das nicht selber aus. Die von ihnen, so liest man immer wieder, die beten, respektieren nicht die anderen oder ereifern sich in guten Werken für den Nächsten, wie man das von betenden Christenmenschen erwarten darf, sondern sie beschimpfen die, die nicht so wie sie zu ihrem einzigen Gott und ihrer Vorstellung von ihm beten, ohne schlechtes Gewissen als „Schlampen“, „Juden“ und „Scheißchristen“.

Was beten Muslime? Dass es keinen Gott außer Allah gibt und das Muhammad sein Prophet ist. Um was beten Christen? Dass sie einander vergeben sollen und darum, dass alle Menschen etwas zu essen haben. Ich finde, dass es einen großen Unterschied – natürlich jenseits dieser plakativen Gegenüberstellung – im Beten von Muslimen und Christen gibt. Es gibt ein Gebet, das sich für den tätigen Aufbau der Gemeinschaft zurüstet und solches, das in Separierung die Überwindung der Gemeinschaft (als eine minderwertige verstanden) zum Ziel hat. Nummer 1 geht klar, Nummer 2 nicht. Nummer 1 geht klar, wenn Muslime, Juden, Christen, Buddhisten ihr Beten so verstehen und nicht anders. Das haben die Christen nicht für sich allein gepachtet, sie müssen, da sie in Deutschland die Mehrheit der Menschen mit Bekenntnis stellen und die kulturelle Prägekraft haben, vielmehr mit gutem Beispiel vorangehen.

Es ging nie wirklich ums Beten

Für den Koordinationsrat der Muslime ist Religionsfreiheit: Wir dürfen alles, wovon wir sagen, dass wir es mit unserer Religion begründen können. Und ihr müsst das akzeptieren. In der Konsequenz hieße das, dass wir zulassen müssten, wenn religiöse Praxis zu Unordnung und Gewalt führt, weil die Religionsfreiheit als Menschenrecht über anderen Freiheiten throne. Das hätte der Koordinationsrat vielleicht gerne. Kriegt er aber nicht! Eine als Religion getarnte Überheblichkeitsideologie hat in der Schule keinen Platz.

Nun sagen die einen: „Es gibt auch intolerante Christen“, und die anderen sagen: „Das ist nicht der wahre Islam.“ Beides ist richtig. Beides steht aber im Moment nicht zur Debatte. Weder Muslime noch Christen müssen unbedingt und ganz dringend zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebet so verrichten, dass alle Welt um sie herum das merken muss. Muslime können Gebetszeiten nachholen und sie müssen sich zum Gebet auch nicht zwingend immer niederwerfen. Es ist im vorliegenden Fall aber nicht ums Beten gegangen. Wer etwas anderes behauptet, der hat den Knall nicht gehört.

Nachtrag: Hier finden Sie die Berichterstattung, auf die sich diese Kolumne bezieht.

Leserbriefe

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    Todd Ernst – 07.12.2011 - 16:19

    “Es ist im vorliegenden Fall aber nicht ums Beten gegangen. Wer etwas anderes behauptet, der hat den Knall nicht gehört.” Ach – ich habe den Knall wohl tatsächlich nicht hören können. Vielleicht ja, weil, wie so oft, the European nicht direkt und unmissverständlich auf die Quelle des Zanks, den Samen des Bösen verweist – sondern sich damit begnügt, hier pauschalisierend (und Herr Chefredakteur Görlach wird wohl gleichsam pauschal als Repräsentant für das Blatt herhalten dürfen), polemisch geradezu Meinung zu äußern, die sich auch gleich selbst als polemisch bzw. pauschal bezeichnet, wohlbemerkt aber für den “vorliegenden Fall” beansprucht, es dann doch nicht zu sein bzw. sein zu dürfen. Dieses Zickezacke ist eine solche Hühnerkacke, dass der davon ausgehende Knall bei weitem jeden anderen übertönt, von dem hier die ungenaue Rede ist. “Die Abgrenzung zum und die Abwertung des Christen gehört für den muslimischen Heranwachsenden zum kleinen Einmaleins seiner Weltsicht”, lässt uns Görlach eingangs wissen. Dann im letzten Absatz erinnert er daran (freilich passivisch durch einen als Zitat gekennzeichneten Satz), dass das ja nicht der wahre Islam sei. Da es darum ja aber nicht ginge bzw. da dies “im Moment nicht zur Debatte” stünde, (sondern der Knall, welcher auch immer) sind Pauschalismus und Polemik offenbar erlaubt und gerechtfertigt. (Vom Christengott persönlich? Wer weiß.)

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    Alexander Görlach – 07.12.2011 - 17:52

    Sehr geehrter Herr Ernst,

    wenn ich Sie richtig verstehe, dann sagen Sie, dass es im vorliegenden Fall dem Schüler in der Tat darum gegangen ist, seinen Glauben auch in der Schule zu leben und die islamischen Gebete dort zu verrichten? Nur damit ich das richtig verstehe und entsprechend zielführend antworten kann.

    Mit bestem Dank für Ihren Leserbrief und herzlichen Grüßen
    Ihr
    Alexander Görlach

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    na und – 07.12.2011 - 16:30

    Genau, das ist der Punkt. Es geht mitnichten um Religion. Meiner Ansicht nach wäre es interessanter zu erfahren, wer denn eigentlich diese Schüler sein sollen, denen “Allah” so wichtig ist, dass sie eine Gebetsstätte in der Schule brauchen.
    Am Ende sind es die, die im Schulbetrieb nur dadurch auffallen, dass sie in der Notenskala bei Klassenarbeiten die hinteren Ränge bevölkern. Und wenn´s halt mit dem Lesen und Schreiben nicht klappt, dann gehört man wenigstens der richtigen Religionsgemeinschaft an.

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    Betül – 17.05.2012 - 17:39

    Man sollte die Religion nicht einer Bildungsklasse unterstufen! Nur weil man ein Muslim ist heisst es lange nicht, dass man nicht schreiben, lesen oder sprechen kann. Ich weiss nicht auf welchen Stand sie sind, aber ich sage mal so, meine Klasse wird von 30 Schülerinnen und Schülern besucht, darunt 21 “Christen” und 9 “Moslems” und ich muss ihnen sagen das alle Moslems weit aus besser sind als alle anderen Christen. Das geht nicht nur meiner Klasse so, sondern auch vielen anderen Klassen! Ich stimme ihrer schwachsinnigen Aussage überhaupt nicht ein im gegenteil ich finde sie aüßerst lächerlich.

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    TomP – 07.12.2011 - 17:22

    Der (radikale) Moslem darf in dieser unserer Gesellschaft gern tun und lassen was er will. Alimentiert wird das wahlweise durch Verweise auf unsere nationalsozialistische Vergangenheit, unseren latenten Rassismus, das Recht auf Religionsfreiheit, das an sich Gute im Moslem an sich, die Kreuzzüge, Israel usw.usf. Wenn das alles nichts hilft, treten deutsche Gutmenschen auf den Plan, die alles islamische gern verharmlosen. Totschlagargumente auf allen Seiten. Jetzt stelle man sich abseits allen intellektuellen Tuns einmal vor, dass im Iran, Saudi Arabien und allen anderen nicht genannten Scharia- Staaten ein ähnliches Ansinnen von Christen (oder Juden) vorgetragen und gefordert wird. Wieviele Tote wird das wohl fordern? Vom Gelächter der Koranjünger mal ganz abgesehen. Aber WIR sind ja ein rücksichtsvolles Multikultiland und da darf auch der Moslem seine religiöse Weltrevolution vorantreiben. Juristisch abgesegnet natürlich. Wobei im vorliegenden Fall ja zum Glück mal nicht.

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    Ralf S. – 07.12.2011 - 23:11

    Nun, TomP.
    Sie mögen faktisch recht haben (dass Christen da und dort diskriminiert werden).
    ABER (und das ist ein grosses Aber): Wir wollen nicht sein wie jene, die Minderheiten diskriminieren. Wir wollen besser sein. Wir haben einen höheren Anspruch an uns selbst. Unrecht, das andere verbrechen, verführt uns nicht dazu, dasselbe Unrecht an ihnen zu begehen.
    Mich dünkt, das ist eine sehr leicht einsehbare Sache. Nennen Sie es Selbstrespekt, Moral, Ethik oder von mir aus auch Kern der christlichen Lehre (!) – danach will ich leben und ich wünschte mir, alle sähen das so.

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    derblondehans – 07.12.2011 - 17:26

    … vielen Dank – Herr Görlach. Gott segne Sie!

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    Hallo – 07.12.2011 - 17:32

    Ey das ist doch wohl ein Witz dieser Artikel oder nicht?
    Wie kann man denn sowas schreiben?????
    Das ist doch eine Verallgemeinerung ohnegleichen!
    Zitat: “Der Islam selber hat diese Haltung kultiviert, die jungen Pausenhof-Rambos denken sich das nicht selber aus. Die von ihnen, so liest man immer wieder, die beten, respektieren nicht die anderen oder ereifern sich in guten Werken für den Nächsten, wie man das von betenden Christenmenschen erwarten darf, sondern sie beschimpfen die, die nicht so wie sie zu ihrem einzigen Gott und ihrer Vorstellung von ihm beten, ohne schlechtes Gewissen als „Schlampen“, „Juden“ und „Scheißchristen“.”
    Wo hat denn bitteschön der Islam eine Solche Haltung kultiviert? Ich denke wohl eher dass hier der Islamgegner aus dem Redakteur spricht und nichts anderes.

    und was soll die Aussage: Zitat: “Was beten Muslime? Dass es keinen Gott außer Allah gibt und das Muhammad sein Prophet ist. Um was beten Christen? Dass sie einander vergeben sollen und darum, dass alle Menschen etwas zu essen haben. Ich finde, dass es einen großen Unterschied”

    WIE BITTE? Es steht sogar in den zehn Geboten der Christen! In der Bibel heißt es: "Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“
    (Ex 20,2–17)

    Also entweder hat der “Schreiberling” dieses Artikels keine Ahnung von nichts, oder er will einfach nur gegen den Islam wettern. Das ist Verleumdung!

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    Friedl – 07.12.2011 - 18:16

    Danke,
    genau das ist der Grund, warum jede Religion aus den öffentlichen Räumen verschwinden sollte oder für Alle die gleiche Möglichkeit bestehen muss in Toleranz und Vielfalt diese auszuüben. Kreuz, Mond, Stern und Buddha in jedem Klassenzimmer oder weg damit! Da widersprechen sich aber die Weltreligionen sehr, da alle einen Alleinigen Anspruch auf den wahren Gott haben und somit die Toleranz eigentlich schon zwingendermaßen aus ihren Theorien entfernen, selbst das Christentum, das Wasser predigt und Wein trinkt, zumindest in den Führungsetagen, aber das ist eine andere Sache. In einem gebe ich ihm aber Recht, dass Religionsfreiheit sicher nicht über anderen Freiheiten thront, so wie es vielleicht im Empfinden über den Koordinationsrat der Muslime rüberkommt.

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    Ralf S. – 07.12.2011 - 23:19

    Ja, ja und ja. Danke Ihnen beiden.

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