Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen. Kurt Tucholsky

Nur gemeinsam stark

Nach einem Jahr kommen Start-ups oft in die Bredouille, weil sie nicht an Finanzierungsquellen kommen. Dabei gibt es diese durchaus, man muss nur den Blick schärfen.

Was für die Start-up-Welt in Deutschland relevant wird, so hört man immer wieder, geschähe einige Jahre zuvor in den USA, im Silicon Valley. Nun, vorige Woche hat das amerikanische Tech-Magazin „Wired“ einen Artikel online veröffentlicht, der sich mit der Schwierigkeit für US-Start-ups auseinandersetzt, genügend Investorengeld aufzutreiben.

Die Anfangsfinanzierung steht, das Unternehmen wirtschaftet ein Jahr und braucht dann wieder Geld. Wenn man zu neuen Investoren vorstoßen will, zum großen Venture Capital, so der Artikel, sind den neuen Unternehmen schnell Grenzen aufgezeigt. Die Bewertungen, zu denen die jungen Start-ups frisches Geld aufnehmen wollen, werden oft nicht akzeptiert. Der Artikel legt den Gründern nahe, ihre Bewertungen zu senken und einer sogenannten down round zuzustimmen.

An großes Geld zu kommen, ist auch in Deutschland nicht immer leicht, gerade für solche Start-ups, die zwischen fünfhunderttausend und einer Million Euro an frischem Kapital brauchen.

Die Verzahnung von Alt und Neu

Der naheliegende Schluss aus dem Artikel könnte sein, dass es sich, wie zu Beginn der Nullerjahre, um eine Blase handelt. Ich denke nicht, dass das die richtige Folgerung ist. Die Frage ist vielmehr, ob nicht zu viele Start-ups gegründet werden, die von Angel Investoren erstes Kapital bekommen, dann aber nicht in der Lage sind, in einer bestimmten Zeit ihr Produkt, ihre Dienstleistung auf die Straße zu bringen.

Auch in Deutschland, in Berlin besonders, steigt die Zahl der Gründungen. In der Hauptstadt tragen sie signifikant zur Wirtschaftsleistung bei und erwirtschaften mehr als die Bauindustrie. Zu erkennen ist also an der Stelle nicht wirklich, dass mehr Gründungen mehr Flops und mehr Geldverbrennen bedeuten würden.

In dem Maße aber, in dem das Gründen eines Start-ups zu einer Option für Berufsanfänger wird, was seit wenigen Jahren der Fall ist, steigt die Möglichkeit, dass ein junges Management nicht alle Probleme seiner neuer Company im Blick hat, bei aller Begeisterung für das innovative Produkt. Umso wichtiger ist die – hier so oft besungene – Notwendigkeit, dass alte Industrien und neue Geschäftsfelder sich zusammentun. Das muss nicht nur auf einer Ebene des Geldgebens sein. Oder auf institutioneller Ebene, also durch Invest von Corporates oder durch Inkubatoren, die von diesen Corporates gegründet werden. Es geht auch auf individueller Ebene: Mein ehemaliger Chef, unter dessen Ägide ich für BMW ein Online-Magazin herausgegeben habe, berät nun das Start-up Waymate. Ein anderer Freund hat für seine Gründung gerade den Support, monetär und manageriell, eines ehemaligen Vorstands eines DAX-Konzerns erhalten.

Diese Verzahnung ist wichtig, sie findet schon statt – davon muss es mehr geben. Dann vermeiden wir die Entwicklungen, wie sie gerade aus den USA berichtet werden. Und vielleicht lernt die amerikanische Gründerszene an der Stelle sogar etwas von uns.

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