Das Staatskirchenrecht muss abgelöst werden. Von einem Religionsrecht. Die Neutralität des Staates in weltanschaulichen Fragen ist ansonsten nicht gegeben. Das Staatskirchenrecht, das das Verhältnis von Staat und Religion im Raster der christlichen Organisationsstruktur begreift, ist antiquiert und wird den neuen Religionsgemeinschaften auf der Scholle des Heiligen Bonifatius und Martin Luthers nicht mehr gerecht. Das sagen die Kritiker des Status quo. Die Debatte flammt nun im Kontext der Islamkonferenz wieder auf.
Ein Teil unserer Religionsparagrafen stammt aus der Weimarer Reichsverfassung. Sie wurden nach dem Ende des Dritten Reiches in das Grundgesetz der neuen Republik integriert. Das betrifft zum Beispiel die christlichen Sonn- und Feiertage, die der Staat schützt. Die Kritiker sagen: Das darf ein säkularer Staat nicht tun.
Islamische Taufregister dringend benötigt
Hat sich die Weimarer Republik nicht als säkulare Republik verstanden? Die Säkularisation zumindest fand schon über 100 Jahre vor ihrer Gründung statt. Religionsgemeinschaften treten dem Staat daher heute nicht in ihrem sakralen Geltungsanspruch entgegen, sondern als – es ist genauso technisch, wie es klingt – Körperschaften öffentlichen Rechts. Jede Religionsgemeinschaft kann diesen Status erreichen, wenn sie unter anderem Gewähr auf Dauer bieten, ein Mitgliederverzeichnis haben und ihre Lehre in verbindlicher Form definieren können. Gleichzeitig brauchen sie ein Gremium oder eine Instanz, mittels derer sie mit den zivilen Autoritäten in Korrespondenz treten. Keine dieser Bedingungen sind unfair. Die Kirchen – das sei zugegeben – haben, durch den Lauf der Geschichte, in Deutschland hier einen Vorteil, den es unfair wäre nun gegen sie auszulegen.
Wie ist es nun mit dem öffentlichen Raum? Auch darüber herrscht immer wieder Dissens: Dürfen Kruzifixe in Klassenzimmern oder Gerichtssälen hängen? Wie ist das mit einem Gebetsraum für Muslime in der Schule?
Religion schützt vor Allmachtsfantasien des Staates
Wir müssen uns von einer Gleichmachung im Sinne von „Dürfen die einen das, müssen es die anderen auch dürfen“ oder umgekehrt „Dürfen es die einen nicht, dürfen es die anderen auch nicht“ verabschieden. Dass Religionen vom Staat grundsätzlich gleich behandelt werden, ist das eine (und Richtige). Der öffentliche Raum gehört aber nicht etwa dem Staat, sondern allen, die sich diesen Raum teilen. Der Staat muss sich hier auch als Akteur behaupten. Er muss Angebote an seine Glieder machen. Er steht im Wettbewerb. So gibt es kein Monopol auf Erziehung in Kindertagesstätten oder Schulen, sondern Pluralität. Übrigens: Die Kirchen haben darauf auch kein Monopol, auch nicht die Gewerkschaften oder die Arbeiterwohlfahrt.
Die Kirchen und damit die Christen in diesem Land müssen sich keineswegs in diesen kulturellen Fragen vom Staat bevormunden lassen. Deutschland ist kein religionsloser Staat, deswegen diskutieren wir glaubhaft über die Bedingungen der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen und arbeiten an Studiengängen, in denen die Lehrerinnen und Lehrer dafür ausgebildet werden. Wenn es einmal keine Christen mehr gibt, werden auch keine Kreuze mehr in der Schule hängen. Der Markt regelt auch dies.
Kritische Distanz zum Staat mit dem Kruzifix
Eine kritische Distanz der Bürger zu ihrem Staat ist ein lebendiger Impuls für Demokratien. Diese kritische Distanz kann im öffentlichen Raum bewusst ein Kruzifix im Klassenzimmer einschließen. Es ist nämlich nicht der Staat, der alles regelt: Er bildet nicht allein und ausschließlich das Gewissen des Menschen und er ist auch nicht die letzte Instanz, die auf alle Fragen eine Antwort geben kann und soll. Dann wäre es zumindest kein demokratischer, pluraler und zivilgesellschaftlich verfasster Staat mehr.
Die Botschaft von Religion im öffentlichen Raum und damit auch in der Schule – das ist das Paradoxe – markiert den säkularen Raum dahingehend, dass der Staat sich in einem solchen Gemeinwesen nicht zu einer Quasi- oder Ersatzreligion stilisieren darf. Das machen – wenn überhaupt – die Religionen. Eine Mitgliedschaft hier ist nicht zwingend und wird vom Staat weder privilegiert noch verhindert.
Religionspluralität nicht in Religionsneutralisierung verwandeln
Säkularismus schließt immer ein Nebeneinander von Glaube und Unglaube ein. Säkularität meint nicht, dass Gott nicht mehr im Leben der Bürger und somit im öffentlichen Raum, der für die Bürger reserviert ist und nicht für die Doktrin des Staates, vorkommen darf, sondern dass gesetzgeberisches Handeln nicht von religiösen Geboten und Gesetzen legitimiert wird. Das sittliche Empfinden oder die Moral hingegen sind häufig religiösen Ursprungs.
So kann ein säkularer Staat in einem christlichen Umfeld gedeihen und umgekehrt. St.-Martins-Umzüge müssen nicht in Lampionumzüge umbenannt werden und wir dürfen uns noch „Frohe Weihnachten“ wünschen und müssen nicht „Frohe Feiertage“ daraus machen, nur um eine Religionspluralität in eine Religionsneutralisierung und -blindheit zu verwandeln.
Maria und Mohammed
Deswegen ist es folgerichtig, dass muslimische Schüler an Mohammeds Geburtstag oder dem Opferfest einen Tag freibekommen, so wie Schüler in katholischen Gebieten Bayerns an Mariä Himmelfahrt freibekommen. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass christlicher Religionsunterricht ausgesetzt wird, bis die Muslime sich zu Körperschaften öffentlichen Rechts zusammengefunden haben. Und das festliche Geläut in der Osternacht – welches immerhin Goethes Faust vom Selbstmord abhält – nicht mehr stattfinden darf, nur weil wir nicht jede Nacht um fünf vom Frühgesang des Muezzins geweckt werden wollen.













Das ist, lieber Herr Görlach, Alles schön und gut, es fehlt mir aber der Bezug zur aktuellen Politik und wer dort was will und was nicht. Der Leser möchte doch wissen, woran er sich orientieren soll, sonst braucht er das nicht zu lesen.
Was Minister Friedrich nämlich vor, während und nach der Islamkonferenz so von sich gibt, differiert von Aussage zu Aussage. Manches wird zurück genommen, Anderes von ihm wieder eingefügt etc..
Wissen Sie, worauf er hinaus will?
Und hat das Ganze überhaupt etwas damit zu tun, was Sie vorstehend m.E. völlig richtig beschrieben haben?
Unabhängig davon, dass es immer weniger Christen und immer mehr Muslime sind, die sich für vorstehende Fragen und Regelungen bei uns interessieren (das meine ich völlig wertfrei), ist es nämlich schon von großer Wichtigkeit, Klarheit herzustellen und Niemanden zu benachteiligen. Weder jetzt, noch in Zukunft.
Ihr Urteil, oder zumindest Ihre Erläuterungen zum einen oder anderen Standpunkt wären dazu äußerst hilfreich.
Aus dem Beitrag wurde ich auch nicht ganz schlau, vermute mal es geht um:
“Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat bei seiner ersten Islamkonferenz mit einem Vorstoß zur Sicherheitspolitik für Unmut gesorgt. Der CSU-Politiker warb am Dienstag für mehr Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden. Muslimische Verbände sollen nach seiner Ansicht helfen, Extremisten frühzeitig zu erkennen. Die muslimischen Vertreter am Tisch reagierten verärgert. Auch die Irritationen wegen Friedrichs Islam-Äußerungen wurden bei der Konferenz nicht ausgeräumt”. ( kopiert vom Fokus-
http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/islamkonferenz-innenminister-friedrich-sorgt-fuer-unmut-bei-muslimen_aid_613324.html
Die Opposition warf dem Minister Versagen vor.
Normalerweise denke und vermute ich ein jeder Nachbar, Apotheker oder Mensch der mitbekommt das sein Nachbar Bomben baut meldet das doch automatisch.
Da ist es egal ob der Bombenbauer Moslem, Linksradikaler oder Nazi ist.Sicherlich von einem Volksvertreter sollte da schon ein mindestmaß an Diplomatie Kentniss Vorraussetzung sein, aber Kentnisse oder Sachverstand gehen bei dieser wie auch den vorangegangenen Regierungen ja völlig ab.
Lg Marc
Fast vergessen, was natürlich schon ganz witzig ist
gute Seiten im Internet wurden wegen möglicher Raubkopien gesperrt (Alte- Filme/ Musik und Spiele die im Handel nicht mehr erhältlich sind).
Die witzigen Seiten für den fragwürdigen “Inhalt” des Reichstag`s jedoch nicht, was der eigentliche Job eines Innenministers wäre- Innere Sicherheit:
http://www.literaturasyl.de/bomb/terror/anleitung.htm
http://www.literaturasyl.de/bomb/terror/anleitung/wasserstoffbomben.htm
(Plutonium gibt es ja in Fukoshima für Selbstabholer)